Bei Anrufen vom anderen Stern: "Besser nicht ans Telefon gehen"

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Hamilton Island - Astrobiologen nennen sie sich, die Wissenschaftler, die sich interdisziplinär mit der Möglichkeit der Entstehung des Lebens und seiner Verbreitung anderswo im All befassen - und dieses Steckenpferd nicht verheimlichen. Auf der Insel vor der Küste Australiens trafen sich rund 200 Astronomen, Geologen, Paläontologen und Biologen, um über Ausserirdische zu diskutieren. Unter anderem wurde an der Tagung gefragt, ob uns die ausserirdischen Zivilisationen einige Millionen oder vielleicht doch Milliarden Jahre voraus sind. Die meisten Teilnehmer verfolgten laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung "selbst die absurderen Spekulationen mit einer Mischung aus angelsächsischer Lust am intelligenten Spiel und Faszination am Risiko einer Wissenschaft, deren wahrscheinlichstes Resultat ein negatives ist".

Die Chefin des dafür eingerichteten Seti-Instituts erklärte dies damit, dass man erst ein paar hundert Sterne auf ausserirdische Intelligenzen abgesucht habe. Aber: das zweitgrösste bewegliche Radioteleskop der Welt, das "Allen Teleskope Array" (Hauptsponsor: der Microsoft-Mitbegründer Paul Allen) wird ab 2005 die nähere Umgebung absuchen: hunderttausend Sterne in Sonnenumgebung. Intelligenz ist für die all-gläubigen Seti-Forscher ganz einfach zu umschreiben: "Intelligent ist, wer einen Sender bauen und betreiben kann". Gesucht ist ein Signal aus dem All, das wiederholt beobachtbar ist und sich nicht durch natürliche Prozesse erklären läßt.

An diesem Punkt kommen die Kommunikationsexperten zum Zug. Wollten, falls sie existieren, ausserirdische Intelligenzen auf sich aufmerksam machen? Und wie? "Nur wenn sie ihre Nachricht für eine ihnen fremde Zivilisation entworfen haben, hätten wir eine Chance, ihre Nachricht auch zu verstehen", meint der Psychologe Douglas Vakoch, der bei Seti eine eigene Abteilung zur Ver- und Entschlüsselung interstellarer Botschaften leitet.

Oder sollten Erdenbewohner eher selbst Signale senden, als auf welche zu warten? Nur eben: Interstellar, von einem Stern zum andern, brauchen Signale Menschengenerationen - mindestens. Der britische Paläontologe Simon Conway Morris geht (aus 'evolutionstheoretischen' Gründen) davon aus, dass intelligente Ausserirdische aggressiv sein könnten. Folglich sollten Einheimische dieser Welt nicht auf sich aufmerksam machen. "Wenn das Telefon wirklich klingelt", so Conway Morris, "sollten wir besser nicht rangehen."

Quelle: FAZ, Livenet

Datum: 17.07.2002

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