Den richtigen Weg finden

Sich den «Schienen» anvertrauen

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Die Loks und Triebwagen auf den Schienen sind recht unterschiedlich. Nicht nur beim Alter und bei der Zugkraft, sondern auch in der Art, wie der Führerstand gebaut ist.

Normalerweise sitzt der Lokführer in einer abgeschlossenen Einheit, weit weg von den Fahrgästen. Einige Triebwagen sind aber noch unterwegs, da hat der Lokführer nur eine abgeteilte Kabine, ähnlich wie in einem Bus. Man kann sich neben ihn stellen und hat denselben Blick aufs Fahrgeschehen wie er.

Meine erste Reaktion auf diesen Anblick fiel recht gemischt aus. Da war zum einen die Faszination der Geschwindigkeit. Wie schnell huschen die einzelnen Bahnschwellen unter einem weg, wie ganz anders rauscht der Wald an einem vorüber. Daneben beschlich mich zugleich eine Art Beklommenheit.

Auf zwei so engen braunen Strängen rasen wir dahin! Immer nur geradeaus. Nirgends könnte man einfach so anhalten, nirgendwohin ausweichen. Als besonders unangenehm empfand ich das in den Kurven. Da konnte man überhaupt nichts von dem erkennen, was in einigen hundert Metern Entfernung bzw. in wenigen Sekunden Abstand vor einem lag. Wir hatten nur die allernächsten Schienen vor uns.

Wie konnte der Lokführer einfach so sorglos den Tempohebel gezogen halten? Woher wusste er, dass die Bahn frei ist? Wer hat ihm diesen Glauben gegeben? Es könnte ja alles auch ganz anders kommen: Ein umgestürzter Baum, ein plötzlich umgestelltes Signal oder gar ein anderer Zug, der diese Strecke ebenfalls für sich beansprucht, diese eingleisige.

Ja, woher hatte er diesen Glauben? Vielleicht war es einfach nur Erfahrung: Jahrelang war es schon gutgegangen. Warum sollte es jetzt schiefgehen? – Gut, aber beim ersten Mal, auf seiner ersten eigenen Fahrt, muss es anders gewesen sein. Da musste er sich anvertrauen: Den Kollegen vom nächsten Stellwerk, den Arbeitern, die vor langer Zeit diese Gleise gelegt haben, der Technik seines eigenen Gefährts.

Gottes «Schienen»

Dann ging mir durch den Sinn: Mit dem Glauben an Gott ist nicht viel anders. Die Bibelworte, über die Gott zu uns spricht, sind wie Gleise, die er in unser Leben legt. Glauben heisst: Sie benutzen, darauf fahren, sich ihnen anvertrauen. Mag sein, dass sie an der Seite etwas Rost angesetzt haben. Aber oben drauf glänzen sie und laden ein zum Gebrauch.

Die «Jungfernfahrt» geht im allgemeinen eher vorsichtig vonstatten, aber sobald man merkt, dass sich das Ganze bewährt, dürfen's auch ein paar Stundenkilometer mehr sein. Mit der Zeit verlieren sogar die Kurven ihre Bedrohlichkeit. Ich kann dann zwar immer noch nicht um die Ecke schielen, aber ich habe gelernt, dass ich das auch nicht können muss.

Ich weiss zwar nicht, wohin diese oder jene Wendung in meinem Leben führen wird, aber die allernächsten Meter jedenfalls sind gerade. Und wenn die Schiene als Ganze zu einer Kurve wird, dann wird sich der Baumeister sicherlich etwas dabei gedacht haben, wenn er sie so verlegt hat. Er wird sie nicht gegen eine Felswand führen oder plötzlich vor weichem Waldboden abbrechen lassen.

«Er (Gott) führt mich auf rechter Strasse um seines Namens willen» (Die Bibel, Psalm 23). Gott ist ihr Baumeister, und ihm liegt selber daran, dass es gutgeht – mit meiner Fahrt, mit meinem ganzen Leben. Seine Schienen bringen zum Ziel, und seine Wege sind gerade.

Zum Thema:
Gott kennenlernen
 


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