Johann Peter Hebel

Erzähler und Pfarrer

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Johann Peter Hebel
Vor 250 Jahren, am 10. Mai 1760, wurde Johann Peter Hebel in Basel geboren. Im Gedenkjahr wird des schwäbischen Dichters gedacht, der das Alemannische in unruhiger Zeit kultivierte und Christen auf den Kern des Glaubens hinwies.


In der Erzählung «Kannitverstan» beschreibt Hebel die Reise eines jungen schwäbischen Handwerksburschen nach Amsterdam. Auf alle Fragen des staunenden Besuchers heisst die Antwort «Kannitverstan». Des Holländischen nicht mächtig, meint er, alles gehöre dem reichen Herrn Kannitverstan. Angesichts eines Trauerzugs fragt er, wer hier beerdigt werde - Kannitverstan. Fortan denkt der Bursche, wenn er mit seiner Armut hadert, stets «an den Herrn Kannitverstan in Amsterdam, an sein grosses Haus, an sein reiches Schiff, und an sein enges Grab.»

Harte Kindheit

Johann Peter Hebel stammte aus einer armen Familie und wurde schon mit 13 Jahren Waise. Er wuchs unweit von Lörrach auf, wo er nach seinem Studium in Erlangen als Lehrer arbeitete. 1791 wechselte er ans «Gymnasium Illustre», das heutige Bismarck-Gymnasium in Karlsruhe. Hebel war auch Theologe. 1819 wurde er zum Prälaten der evangelischen badischen Landeskirche ernannt. 1821 wurden die reformierte und lutherische Kirche in Baden zusammengeführt. Dabei spielte Hebel durch seine weltoffenen und toleranten theologischen Ansichten eine wichtige Rolle und wurde erstes geistliches Oberhaupt der unierten badischen Landeskirche. Als Geistlicher, der konfessionelle Gräben zwischen Reformierten und Lutheranern in Baden zuzuschütten suchte, kann er als einer der «Väter der Ökumene» in Deutschland gelten. Er starb 1826.

Dichter des Alemannischen

Die Nachwelt kennt vor allem den Dichter Hebel. Namentlich die humorvollen und lehrreichen «Kalendergeschichten», die er ab 1803 für den «Rheinischen Hausfreund» verfasste, haben ihn bekannt gemacht. Als erster deutscher Dichter schrieb Hebel auch Texte in seinem Heimatdialekt, dem Alemannischen. Fortschrittlich war auch der Pädagoge. Von der Prügelstrafe hielt er nichts. Wie hintergründig, knapp und augenzwinkernd Hebel seine Ansichten weitergab, zeigt die dreizeilige Erzählung «Die Ohrfeige»: Ein Büblein klagt seiner Mutter: «Der Vater hat mir eine Ohrfeige gegeben.» Der Vater aber kam dazu und sagte: «Lügst du schon wieder? Willst du noch eine?»

Unterhalten und Geistliches vermitteln

Der Hebelexperte Uwe Hauser lobt Hebels Fähigkeit, «über die Welt zu informieren, gleichzeitig zu unterhalten und ganz nebenbei in verständlicher Sprache Theologisches geschickt verpackt dem Leser vorzulegen». Hebel habe dem Dialekt, der Sprache der einfachen Leute, eine literarische Qualität gegeben. Hauser hat zum Jubiläumsjahr die Broschüre «Johann Peter Hebel - Vom Lesen und Verstehen des Lebens» verfasst. Der badische evangelische Landesbischof Ulrich Fischer würdigt Hebel als «begnadeten Dichter und Menschenkenner». Als Pädagoge habe er Generationen von Schülern geprägt und für die christliche Religion interessiert. Hebels «Biblische Geschichten» (1824) seien «ein Stück Weltliteratur für den schulischen Gebrauch».

Zum Thema:
Webseite zum Hebel-Jahr 2010

Datum: 19.05.2010

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