Schweizer Freilichtsommer 2010

Wie Res eine Frau findet

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Grossmutter weiss es besser: Änni und Res. (Fotos: Hans Wüthrich)
Was kann aus Res werden? Von seiner Grossmutter überbehütet, traut er sich nicht. Im Emmental wird in einer Uraufführung Simon Gfellers bedächtige Welt lebendig.

Auf der Moosegg oberhalb Langnaus im Emmental, 1000 Meter über Meer, rückt der Alltag in weite Ferne. Der Berner Dramaturg Peter Leu und seine TheaterCompanie aus Laienschauspielern bieten hier seit 1997 Theatererlebnisse unter dem Abendhimmel.

Für diesen Sommer hat sich die Equipe des Spätwerks von Simon Gfeller angenommen: «Eichbüehlersch - e Wägstrecki Bureläbtig». Der Autor Marcel Reber, bekannt auch durch «Die Täuferjagd», hat die ersten drei Jahrzehnte der Romanhandlung dramatisiert.

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Langer Weg zum Müntschi: Res (Aschi Blaser) und Kätheli (Ursula Steiner).
Nach vielen Jahren das Müntschi

In dieser Erzählung geht es um Resli, der zum Res wird und eine Frau braucht. Seine Grossmutter Änni, an die Stelle der gar früh verstorbenen Eltern getreten, hat ihn zu sich genommen. Damit ihm nichts geschieht, hat ihn die lebenstüchtige fürsorgliche Frau von klein auf überbetreut. Der schlaksige Res, gehemmt und unsicher, wird zum Eigenbrötler, zum «Chummerbueb». Zur Rebellion kommt es auf dem Eichbühl trotzdem nicht, und Jahre später findet er - dank Änni - auch seine Braut.

Verzogen statt lebenstauglich

Die Grossmutter als Beschützerin und Partnervermittlerin - eine eigentlich unzeitgemässe Geschichte. Die Zahl der Erziehenden, die ihre Sprösslinge überbetreuen, ist in unseren Tagen geschwunden. Kaum sind heute die Kids in ihr zweites Lebensjahrzehnt eingetreten, tauchen sie in Cliquen ein, schwirren auf Parties ab und machen aufgeputscht ganze Nächte durch.

Dennoch: Auch jene Eltern und Erzieher sind nicht ausgestorben, die ihren Sprössling nicht loslassen können, die Heranwachsende gängeln und auf Holzwege führen. Man ist umzingelt von Erziehern, die es zu gut meinen, die verwöhnen statt Beharrlichkeit fördern.

Schlichte kraftvolle Inszenierung

Den Moosegg-Theatermacher Peter Leu hat Gfellers Roman als Lehrstück über Erziehung und Lebenstauglichkeit fasziniert. Die Inszenierung macht die pädagogischen Zusammenhänge sichtbar. «Dä Bueb trout sich weni oder nüt zue», wagt der Dorfschulmeister der Grossmutter zurückzumelden.

Die Moosegg-Inszenierung unter dem Emmentaler Himmel besticht durch ihre Einfachheit. Reber hat den Roman verdichtet, ohne ihn zu verfremden, vielleicht ausgenommen die Kurbad-Szenen, die eine andere Tonart haben. Die Dialoge leben von der kernigen Emmentaler Sprache des Dichters, vom Laien-Ensemble engagiert zur Geltung gebracht.

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Abends vor der Molkerei.
Eine Dorfgemeinschaft

Die selbstbewusste Bäuerin (Marianne Zaugg), der sich ereifernde arme Familienvater, die Plaudertaschen vor der Molkerei, und Aschi Blaser als „Chummerbueb" Res - sie bilden ein stimmiges und unterhaltsames Ganzes.

Gfeller gibt seinen Gestalten Zeit, sich auszudrücken. Gemächlich lassen Reber und Leu die Handlung sich entfalten. Ist die Welt auf dem Eichbühl auch nicht in Ordnung, gerät sie doch nicht ganz aus den Fugen. Das macht ihren Charme aus, grade in einer Zeit der globalen Unübersichtlichkeit. Man tratscht, «stellt zBode», sagt auch danke, und bei der Grossmutter schimmert Gottvertrauen durch.

Ja, es darf gut kommen, auch mit dem verschüchterten ungelenken Res.

Die Aufführungen finden bis zum 21. August statt, jeweils dienstags bis samstags um 20.15 Uhr.


Zum Thema:
Freilichttheater Mosegg

Datum: 02.08.2010

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