Zürich. Neue Erkenntnisse über das menschliche Gehirn werden nach Einschätzung des Berliner Molekularbiologen Jens Reich das Menschenbild des 21. Jahrhunderts stärker verändern als die Gentechnik. Dies sagte der an der Berliner Humboldt-Universität lehrende Mediziner und Biologe in einem Interview der "Neuen Zürcher Zeitung" (Freitagsausgabe).
Das Wissen, dass man beispielsweise durch ins Gehirn eingepflanzte Elektroden bestimmte Empfindungen und Sinneseindrücke hervorrufen könne, greife ebenso ins menschliche Selbstverständnis ein wie mögliche genetische Manipulationen. Die Hirnforschung werde neben der Gentechnik der "andere grosse Durchbruch in diesem Jahrhundert" sein, so Reich.
Angelpunkt aller ethischen Diskussionen über die Anwendung solcher Technologien sei die Frage, "ob es gerechtfertigt ist, dass wir uns selbst technisch entwerfen", betonte der Molekularbiologe. Diese Frage habe letztlich religiösen Charakter. Seine eigene Antwort darauf laute: Nein. Reich wörtlich: "Ein Produktionsprozess darf nur Konsumgüter betreffen. Der Mensch darf nicht zum Produkt werden."
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