Spurensuche im Land der Bibel: Ein römischer Steinring am Ort der Hinrichtung Jesu

Zoom
Grabeskirche
Die Grabeskirche oder Auferstehungsbasilika, wie sie von den Jerusalemer Christen genannt wird, ist ein wichtiger Ort für Christen die Israel besuchen. Ein dort aufgefundener Steinring wird archäologisch untersucht.

Durch das linke Portal betritt man das Gotteshaus. Rechter Hand führt eine steile Treppe auf 15 Stufen zum Kalvariahügel hinauf. Auf dem sichtbaren Golgatafelsen liegt heute ein dort aufgefundener Steinring. Seine Entdeckung geht auf das Jahr 1986 zurück, als der griechische Architekt Theo Mitropulos vom Institut für Byzantinische Angelegenheiten in Saloniki beauftragt wurde, zusammen mit Professor Georges Lavas die Restaurationsarbeiten auf dem Felsen vorzunehmen.

Zunächst sollte dieser topographisch untersucht und in verschiedene Sektionen aufgeteilt werden. Dabei kamen die bei der Sondierung beteiligten Geologen zu der einmütigen Überzeugung, dass der 12 Meter tiefe Felsspalt von einem Erdbeben aus dem ersten Jahrhundert herrühren muss, wie es das Evangelium beim Tod Jesu erwähnt.

In frühester Zeit versiegelt

Im Laufe der weiteren Untersuchungen fiel Mitropulos eine besonders weiche Stelle im Fels auf. Beim näheren Hinsehen erwies sie sich als Imitation des echten Gesteins. Neugierig begann der Architekt etwas tiefer zu graben. Natürlich dachte er nicht im Entferntesten daran, dort auf ein Indiz der Kreuzigung zu stossen. Ging er doch von der Überzeugung aus, dass vieles im Laufe der Jahrhunderte zerstört worden war. Doch genau das Gegenteil war hier der Fall: Man hatte den Ort in frühester Zeit versiegelt, um ihn vor unbefugtem Zugriff zu schützen.

Zuerst vermutete Mitropulos, er würde vielleicht dort irgendwelche Reliquien oder religiösen Gegenstände finden, wie man sie oft beim Bau einer Kirche unter dem Altar zu versiegeln pflegt. In etwa 45 Zentimeter Tiefe stellte er fest, dass es sich um ein Loch handelte, das nach unten konisch verlief. Am Ende der Vertiefung entdeckte er zu seiner grossen Überraschung einen grob zugeschlagenen Steinring, festgemauert mit weissem Kalk wie ihn gewöhnlich die Römer verwendeten. Als der Architekt den Ring vom Mörtel befreit in Händen hielt und sich dessen Bedeutung bewusst wurde, war er zunächst sehr betroffen.

Rund statt viereckig

In seiner Innenseite misst der Ring 11 Zentimeter. Aufgrund dessen dürfte das Kreuz Jesu nicht grösser als 2,5 Meter gewesen sein. Sicherlich besass es nicht jene Ausmasse, wie sie uns die Ikonographie vor Augen stellt: der gekreuzigte Christus als der Herrscher des Weltalls. Nun kann sich die Frage aufdrängen: Wie kommt es, dass die ältesten Kreuzesdarstellungen eine viereckige Form aufweisen, während der Steinring zylindrisch ist?

Zoom
Kirche Santa Pudenziana in Rom
Dabei muss man sich bewusst machen, dass die alten Votivkreuze wie in dem Apsismosaik der Kirche von Santa Pudenziana in Rom aus dem Ende des 4. Jahrhunderts so gestaltet waren, dass man sie mit Edelsteinen und Ikonen schmücken konnte, was bei einem runden Kreuzesbalken nicht leicht gewesen wäre. Ausserdem haben die Archäologen an anderen Orten Kreuze aus der Römerzeit mit rundem Querschnitt gefunden. Solch ein Steinring war natürlich ursprünglich nicht festgemauert, sondern befand sich lose in dem Standloch. Erst wenn ein Kreuz darin steckte, wurde er mit Holzkeilen verankert.

Heute ruht der Steinring am Fundort unter kugelsicherem Kristallglas auf dem Golgatafelsen. Auch wenn die Forschung über das Alter der Versiegelungsschicht noch nicht abgeschlossen ist, so bedeutet der Fund für Mitropulos einen weiteren Hinweis für die Echtheit dieser Stätte, die heute kein ernstzunehmender Wissenschaftler mehr in Zweifel zieht und die mit den Berichten der Evangelien im Einklang steht.

Biblische Archäologie

Die Frage nach der biblischen Archäologie in Israel ist eng verbunden mit der Tatsache, dass Gott in seiner grossen Liebe zu den Geschöpfen sich durch seinen Sohn in dieser Welt gezeigt hat. Das geschah in einer ganz bestimmten Zeit, in einem ganz bestimmten Land und in einem ganz bestimmten Volk. Die biblische Archäologie mit dem Blick auf das Neue Testament will also nichts anderes als sich an die Fersen von Jesus heften, seine Spuren an den Orten entdecken, an denen er sich aufgehalten und Zeichen seiner göttlichen Macht und Barmherzigkeit gesetzt hat.

Damit macht biblische Archäologie deutlich, dass die Christen nicht irgendeiner philosophischen Idee anhängen, dass sie nicht irgend einem Phantom nachlaufen, sondern dem nachfolgen, dessen Spuren der Ausgräber mit Kelle, Schaufel und Pinsel aus dem Kulturschutt der geschichtlichen Vergangenheit frei legt. Und es ist den Archäologen gelungen, die wichtigsten Orte des Heilsgeschehens wissenschaftlich fest zu machen.

Autor: Karl-Heinz Fleckenstein

Datum: 16.08.2004
Quelle: Kipa

Diese Artikel könnten Sie interessieren

Ein bisschen glauben?
An Gott glauben geschieht für viele so beiläufig und auch nur sporadisch. Das bringt nichts.
«Auf Quasseleien verzichten»
Wie können Gottesdienste attraktiver werden? Dazu hat der Rektor des Theologischen Seminars Elstal (FH), Prof. Volker Spangenberg, einen Zehn-Punkte-...
Einziges Schweizer Konzert
Am Pfingssonntag stehen Andrea und Albert Adams-Frey in Suhr (AG) auf der Bühne. Im Gepäck ihr neues Album «Im Namen des Vaters».
Mehr Lebensqualität
Wer flucht, muss büssen: Eine Kleinstadt im US-Bundesstaat Massachusetts will künftig Ordnungsgelder verhängen.

Anzeige

Kommentar

Spannungsfeld Schule: Die Glaubensfreiheit ausüben
«In der Schule darf man ja immer weniger von seinem Glauben reden» oder «Die Schule wird ja immer...

Anzeige

VERANSTALTUNGEN

27. Mai, 19.30Uhr in Suhr
lebe deine Berufung – mach einen Unterschied in dieser Welt!
17. Juni 2012, 10 Uhr in Bad-Zurzach