Jedes Jahr wird auf dem Tell es-Safi/Gath für vier Wochen gegraben. Dabei beteiligen sich Studierende der Bar-Ilan-Universität, sowie Volontäre aus der ganzen Welt, darunter Studenten, Hausfrauen, Rentner. Jeder kann bei den Ausgrabungen teilnehmen. Grabungserfahrung oder Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Die nächste Ausgrabung findet vom 1. bis 31. Juli 2009 statt. Richard und Susanna Wiskin arbeiten schon seit fünf Jahren mit Professor Aren Maeir bei der Ausgrabung in Tel es-Safi (zwischen Aschdod und Jerusalem) zusammen. Jeden Sommer nehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Freiwillige teil und bilden innerhalb des mehr als 100-köpfigen Ausgrabungsteams eine deutschsprachige Equipe. Richard Wiskin wird allen deutschsprachigen Teilnehmern bei der Planung von individuellen Reisen in Israel beratend zur Seite stehen. Es bilden sich sowieso jedes Wochenende kleine Gruppen, die mit Mietautos viele interessante Ziele in ganz Israel anpeilen.
Der Tell
"Tell" nennt man im Orient einen historischen Siedlungshügel, der durch Anhäufung von Kulturschutt im Laufe meist vieler Jahrhunderte entstanden ist. Der Tell es-Safi ist in diesem Sinn eigentlich kein Tell, denn er umfasst auch einen natürlichen, in der Landschaft sehr markanten Hügel, auf dem sich erstmals im 4. Jahrtausend v. Chr. Menschen ansiedelten.
Schon 1899 führten der in Beirut geborene Amerikaner Frederick Bliss und der erst 21-jährige Ire Robert Macalister im Auftrag des britischen Palestine Exploration Fund erste Grabungen am Rand des arabischen Dorfes durch, das sich damals noch über Teile des Hügels erstreckte. Dabei fanden sie charakteristische, rot und schwarz bemalte Keramik, die der deutsche Archäologe Hermann Thiersch erstmals als typische Philisterware identifizierte.
Gat der Philister
Der Tell von Süden her gesehen.
Beinahe einhundert Jahre später, 1996, startete Aren Maeir von der Bar-Ilan-Universität (Ramat Gan bei Tel Aviv) ein gross angelegtes Grabungsprojekt. Seitdem werden bei jährlich im Sommer stattfinden Grabungskampagnen grössere Bereiche des Tells untersucht - mit beeindruckenden Resultaten: Vor allen Dingen aus der Spätbronzezeit (ca. 1500-1200 v. Chr.), als Ägypten Kanaan dominierte, und aus der Eisenzeit I und II (1200-700 v. Chr.) werden Überreste einer offenbar bedeutenden Stadt freigelegt. Während der Eisenzeit bewohnten die Philister die Stadt, und wie es scheint, handelt es sich beim Tell es-Safi um das "Gat der Philister" (Amos 6,2) - ihre, zumindest aus israelitischer Inlandperspektive, wichtigste Stadt.
Der Tell liegt strategisch bedeutsam genau dort, wo die Küstenebene in das Niederhügelland (hebr. Schefelá) übergeht und damit nahe an dem von den Israeliten besiedelten, judäischen Bergland. Unmittelbar am Tell fliesst ein kleines Bächlein vorbei, das zwischen den Hügeln das Terebinthental der Bibel formt (Luther übersetzte den hebr. Baumnamen Elá mit "Eiche"). Dort setzt die biblische Überlieferung den Schauplatz des Zweikampfes zwischen David und Goliat an.
Tell lange unbewohnt
Nach dem Untergang der Philister um 600 v. Chr., die - wie ihre judäischen Erzfeinde - von Nebukadnezar in die Gefangenschaft nach Babylon geführt wurden, blieb der Tell lange unbewohnt. In Byzantinischer Zeit (4.-7. Jh. v. Chr.) befand sich in seiner Umgebung ein christliches Dorf mit dem aramäischen Namen Saphita. Der Name konnotiert offenbar die topografisch herausgehobene Position des Hügels (von sph, "spähen"); gleichzeitig nimmt er die Semantik des arabischen safi vorweg, das "hell, glänzend, weiss" bedeutet und mit den auffälligen, weithin sichtbaren, grellweissen Kreidefelsen an den westlichen Abhängen des Tells in Verbindung gebracht wird. Auch die Kreuzfahrer, die im 12. Jahrhundert n. Chr. eine Burg oben auf der Spitze des Hügel errichteten, nannten diese Blanche Garde (frz.) oder Alba Specula (lat. "weisse Aussicht"), und den Hügel selbst Mons Clarus ("heller Berg").
Die Jahrtausende lange Siedlungsgeschichte des Tells endet erst 1948, als das palästinensische Dorf Tell es-Safi dem Israelischen Unabhängigkeitskrieg zum Opfer fiel. Arabische Familien leben nach wie vor in der Umgebung, als israelische Staatsbürger. Ihr Oberhaupt, Scheich Yunis el-Azzi, unterstützt die Grabungen, die sich dem gemeinsamen Erbe des Landes widmen.
Gat
Volontärebei der Siesta.
Die Hebräische Bibel berichtet, dass die Philister in ihrem Hauptsiedlungsgebiet im Land, entlang der südlichen Küste mit ihrem Hinterland, politisch in fünf Hauptorten ("Pentapolis") organisiert waren: Gaza, Aschkelon, Aschdod, Ekron und Gat. Der hebräische Name Gat (auch "Gath" geschrieben) bedeutet "Kelter" und wird in der Bibel für verschiedene Orte gebraucht. Auch der Garten Getsemane vor Jerusalem enthält denselben Namensbestandteil (Gat-schemanim, "Öl-Kelter", "Olivenpresse"). Deshalb verwendet Amos, zu einer Zeit, als die Philister die Herrschaft über Gat bereits verloren hatten, den Namen mit spezifizierenden Zusatz "Gat der Philister" (Am 6,2). In ägyptischen Ortsnamenlisten ist Gat seit dem 15. Jahrhundert v. Chr. mehrmals belegt. Die Philister kamen in der Frühen Eisenzeit, ab etwa 1200 v. Chr., nach Gat und machten die Stadt zu einem ihrer fünf Hauptorte. Die Hebräische Bibel berichtet davon, dass das am Rand des Philisterlandes und nahe den judäischen Bergen gelegene Gat unter dem Dauerkonflikt zwischen Philistern und Israeliten besonders zu leiden hatte. Schon David, der zunächst als Flüchtling bei König Achisch von Gat Asyl gesucht hatte, habe die Stadt später eingenommen (1 Chr 18,1). Links zum Thema: Gat in der Bibel
Wer sich dort an den Ausgrabungen beteiligen will, muss mit Kosten von etwa 300 € pro Woche rechnen. Darin ist Unterkunft in einem Kibbutz und Verpflegung mit Vollpension enthalten. Möglich ist eine Teilnahme für zwei, drei oder vier Wochen.
Einzelheiten finden Sie über den Weblog des Grabungsprojekts Infos auf Deutsch Anmeldung