1968 und Rudi Dutschke

«Die Revolution der Welt durch die alles überwindende Liebe»

Menschen gehen für ihre Anliegen auf die Strasse und protestieren lauthals für Frieden, gegen Krieg, Atomkraft und Diskriminierung jeglicher Art, besonders der Frauen. War dies gestern in Basel? Nein, vor 50 Jahren – und zwar ein weltweiter Aufbruch. Doch wenn es immer noch dieselben Probleme gibt, was haben die damaligen Bewegungen gebracht und was hatte Jesus damit zu tun?

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Gretchen Dutschke
Darauf antwortet Gretchen Dutschke-Klotz, Witwe des deutschen Frontkämpfers und Sprachrohrs Rudi Dutschke: «Ich bin stolz, dass wir, und zwar nicht nur ich, sondern unsere ganze Generation, die daran beteiligt war, Deutschland von einem sehr autoritär ausgerichteten Land mit vielen Resten aus der Nazizeit in eine richtige Demokratie verwandeln konnten.»

Livenet konnte ein Exklusiv-Interview mit ihr führen und berichtet in zwei Teilen.

Wie es so weit kam

1968, ein verrücktes Jahr: Martin Luther King wird ermordet und nur genau eine Woche später wird Rudi Dutschke während den deutschen Um- und Aufbruchzeiten angeschossen – mittendrin Gretchen Dutschke-Klotz.

Ihr neu veröffentlichtes Buch heisst «1968 Worauf wir stolz sein dürfen» und blickt auf die positiven Resultate und Anstösse der damaligen Ereignisse zurück.

Nicht zuletzt zu äusserster Aufruhr angestachelt hatte auch die Tatsache, dass ehemalige Mitglieder des Hitler-Regimes, trotz Protesten, im Jahr 1968 wieder beziehungsweise immer noch wichtige Posten der Deutschen Regierung innehatten. Allen voran Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger.

Die Gewalt-Spirale eskalierte zuvor so richtig mit der Ermordung von Benno Ohnesorg durch einen Polizisten.

Mehr Jesus als bekannt

Wenn man sich mit der Person Rudi Dutschke auseinandersetzt, kommt man nicht um seinen christlichen Hintergrund herum. Speziell war jedoch die Mischung mit linksradikalen Ansichten, die teilweise auch im Kommunistischen fussten.

Der eindrückliche Tagebucheintrag von Ostern des Jahres 1963 zeichnet ein Bild davon: «Jesus ist auferstanden, Freude und Dankbarkeit sind die Begleiter dieses Tages; die Revolution, die entscheidende Revolution der Weltgeschichte ist geschehen, die Revolution der Welt durch die alles überwindende Liebe. Nähmen die Menschen voll die offenbarte Liebe im Fürsich-Sein an, die Wirklichkeit des Jetzt, die Logik des Wahnsinns könnte nicht mehr weiterbestehen.»

Unterstützung an der Uni

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Gretchen und Rudi Dutschke auf dem Buchcover von «1968 - Worauf wir stolz sein dürfen»
Inspiriert und begleitet wurden Dutschkes im Speziellen von Helmut Gollwitzer, der selber Schüler bei Karl Barth war, sich politisch engagierte und Bücher wie «Befreiung zur Solidarität. Einführung in die Evangelische Theologie» schrieb.

Die in den USA geborene Gretchen Dutschke-Klotz zu ihrem geistlichen Mentor: «Ich hatte Vorlesungen von ihm gehört und dachte, es klang interessant. Allerdings habe ich, nach nur zwei Monaten in Deutschland, nicht viel verstanden. Als ich Rudi davon erzählte, sagte er, dass er Gollwitzer kannte, er war ein paarmal in die Kirche gegangen, wo 'Golli' gepredigt hatte und fand ihn ganz gut. Rudi kam dann mit mir in die Vorlesung und hat alles, was ich nicht verstand, übersetzt. Golli war der einzige Professor an der Freien Universität Berlin, der immer bei allen Demos dabei war, der immer mit den rebellierenden Studenten zusammengestanden war. Er war ein sehr nachahmungswerter Mensch. Die Studenten haben ihn sehr geehrt. Allerdings verstanden die meisten seine religiöse Seite nicht.»

Bezeichnend war auch, dass Rudi Dutschke später dem Attentäter auch seine Tat vergab, was jedoch dessen Selbstmord nicht verhindern konnte. Es beschäftigte ihn noch lange, nicht zuletzt, weil Selbstmord in seinen christlichen Grundwerten nicht vorgekommen sei, wie sein ältester Sohn Hosea Ché sagte. Rudi Dutschke starb 1979 an den Spätfolgen seiner Verletzungen.

Persönlicher Stolz und Errungenschaft der 68er

«Es war die Frauenbewegung, welche die antiautoritäre Idee von sektiererischen Richtungen gerettet hat, und es war die Frauenbewegung, die die Ideen aus dem Studentenmilieu in die ganze Gesellschaft getragen hat», beschreibt Gretchen Dutschke-Klotz einen Schwerpunkt, auf den sie besonders stolz ist; plus ihre speziellste Erinnerung: «Wenn ich da zurückblicke, dann denke ich, dass es Anstösse vieler neuer Ideen waren, die Diskussionen mit Rudi und anderen Freunden, und neue Alternativen, wie man die Welt verstehen könnte.»

So hatte sich das Kämpfen trotz allem gelohnt und die persönlichen Opfer von der Familie Dutschke waren nicht umsonst.

Nächste Woche wird der Hauptteil des Livenet-Interviews mit Gretchen Dutschke-Klotz veröffentlich.

Weitere Infos zu Rudi Dutschke

Zur Doku über Rudi Dutschke (3sat):
Teil 1
Teil 2

Zum Thema:
Opfer des DDR-Regimes: «Mit dem Marxismus erlebte ich die Hölle, mit Jesus den Himmel»

Er gründete die Ost-SPD: Vom Pfarramt in die Politik – und zurück
Geheimdienstagent findet Jesus: «Gott zu kennen ist das grösste Glück»

Datum: 17.05.2018
Autor: Roland Streit
Quelle: Livenet / Domradio.de / 3sat (ZDF)

Kommentare

Nun ja, Ruedi Dutschke ist mir schon bekannt. Der ganze Wirbel um die 68er ist mir aber weitgehend unverständlich. Ich war 1966/67 mit Freunden im südlichen Kongo (Zaire). Wir installierten technische Elemente auf einer Missionsstation. Wieder zurück in der Schweiz arbeitete ich als Entwicklungsingenieur in einer kleinen Seilbahn Firma und entwickelte ein spezielles Seilbahnfahrzeug. In der Freizeit war ich in der Jugendarbeit aktiv. Von den speziellen 68er Ereignissen bekam ich praktisch nichts mit. Ich bin ein lösungsorientierter Mensch und suche Lösungen im konstruktive Gespräch, und nicht in Demos. Für mich sind diese Ereignisse noch bis heute suspekt und sehr fragwürdig.

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