Mennoniten fordern

Kirche und Militär – die Zusammenarbeit beenden!

Aus Anlass des Reformationsjubiläums haben Friedensbewegungen in Deutschland 34 Thesen zum Verhältnis der Kirche zur militärischen Gewalt verfasst. Sie könnten zu Diskussionen Anlass geben.

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Bundeswehrsoldaten
Martin Luther soll am 31. Oktober 1517 eigenhändig 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg genagelt haben. Diese Thesen inspirierten Christen und Christinnen aus dem Internationalen Versöhnungsbund und der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, selbst 34 Thesen zu verfassen, die nach ihrer Überzeugung auf Versäumnisse der Reformation hinweisen und das heutige Verständnis mancher Kirchen zum Militär hinterfragen. Sie wurden am 14.08. 2014 in Wittenberg an den Bauzaun der Schlosskirche geheftet. Die Zeitschrift «Perspektive» der Schweizer Mennoniten hat daraus acht Thesen ausgewählt, die wir hier dokumentieren.

  • Re-Formation heisst zurückformen, nämlich zur Quelle. Sich immer neu an Jesus Christus orientieren. Ecclesia semper reformanda! Die Kirche muss immer reformiert werden, auch heute.

  • Martin Luther hat viele Bereiche der Kirche und des Lebens reformiert. Dabei hat er das Thema «Militär und Gewalt» ausgeklammert. An der Zusammenarbeit der Kirche mit dem Militär hat sich durch die Reformation wenig geändert.

  • Die ChristInnen der ersten beiden Jahrhunderte – auch Bischöfe und die so genannten Kirchenväter – haben alles Militärische abgelehnt. Dies wird in der Theologie selten gelehrt.

  • Zum Reich Gottes gehört zentral die Gewaltlosigkeit. In der kirchlichen Lehre werden traditionell aber andere Aspekte (wie Einladung an Aussenseiter, die Vergebung der Sünden, die Nähe Gottes, die Heilungen ...) betont.

  • Die grossen Kirchen (und auch einige täuferische Gemeindeglieder) fahren noch immer zweigleisig: Wenn man mit gewaltlosen Methoden keinen Erfolg hat, dann darf man als angeblich «letzte Möglichkeit» auch Gewalt anwenden. Reformation heisst: Die Kirchen sollen ganz auf gewaltlose Mittel setzen.

  • Die meisten internationalen Konflikte werden ohne Gewalt beigelegt. Es gibt zahlreiche Projekte der Völkerverständigung. Es gibt erfolgreiche Bemühung, bestimmte Waffenarten zu ächten.

  • Es gibt Organisationen, die wissen, wie man bei Konflikten gewaltlos eingreifen kann: Peace Brigades International, Nonviolent Peaceforces, Christian Peacemaker Teams, Bund Soziale Verteidigung, Ziviler Friedensdienst und andere. Die Kirche sollte diese Organisationen und Projekte stärker unterstützen.

  • Die Religionen – auch das Christentum – soll dem Frieden und der Gerechtigkeit dienen. Die Religionen sollen nicht länger dem Krieg dienen.

Es versteht sich von selbst, dass diese Thesen nur von Kirchen unterstützt werden können, die eine gewisse Distanz zum Staat und seinen Organen haben. Sie blenden auch bewusst aus, dass es Grenzfälle geben kann, wo durch militärische Gewalt grössere Gewalt vermieden werden kann. Denn diese Fälle sind recht selten. Der Normalfall ist eher, dass militärische Aktionen Kettenreaktionen auslösen, wie wir in Nahost drastisch erleben. Die Friedensbewegungen geben damit den Kirchen einen Anstoss, angesichts aktueller Vorgänge ihr Verhältnis zu Gewalt zu klären und radikale Positionen in dieser Frage nicht zu scheuen. Denn Jesus war in dieser Frage selbst radikal.

Hinweis:

Tagung Reformation und Frieden
Zeit: 8. April 2017, 09.30 Uhr
Ort: Hirschengraben 50, Zürich

Zum Thema:
Wahrer Pazifismus: Frieden stiften – eine ganz persönliche Sache
Frieden: Versöhnung für eine verwundete Welt
Jesus auf Platz 4: Hilft Religion auf dem Weg zu Frieden und Versöhnung?

Datum: 17.03.2017
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet / Perspektive

Kommentare

Diese Verlautbarung vertritt die bekannten Positionen des Pazifismus, die aber keine Allgemeingültigkeit haben. Die Bibel hat kein Pro- oder Kontra-Kriegsargument, sie spricht schlicht von Krieg und Militär als einer Tatsache (Ausnahmen: das staatliche Gewaltmonopol im Innern und Israels Landnahme). Ob die betreffenden Bibelstellen bejahenden oder bloss beschreibenden Charakter haben, ist Interpretationssache. Ich halte den Dienst des Christen an der Waffe in einem Rechtsstaat mit Glaubensfreiheit für vertretbar, und ich glaube nicht an den Pazifismus, solange nicht Jesus Christus auf dieser Welt regiert. Trotzdem respektiere ich die christliche Waffenlosigkeit als eine ehrbare Einstellung.
Mennoniten sind eine Gemeinschaft die ich achte und respektiere. Im Bereich zum Militär liegen sie meiner Ansicht nach aber falsch. Ich bin auch erstaunt über die verfassten Thesen. Diese greifen einfach zu kurz. Römische Soldaten kamen zu Johannes dem Täufer und fragten ihn was sie tun sollen. Johannes sagte ihnen nicht, sie sollen den Militärdienst quittieren! Paulus sagt: Die Obrigkeit trägt das Schwert nicht umsonst. Christ und Staat geht sehr gut zusammen in Ländern, die echte Demokratie leben. Als Christen sind wir verpflichtet, Verantwortung zu übernehmen und dem Staat, auch mit Militär, zu dienen. Konstruktive Mitarbeit und nicht "fromme" Feuerwehr!

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Wie lassen sich diese drei Begriffe «bibelorientiert – universitär – für Kirche und Gemeinde» vereinen? Am besten, Du kommst vorbei und machst Dir selber ein Bild davon.

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