World Vision Deutschland fordert von G8 effektive Hilfe statt Versprechungen

Die Hilfsorganisation World Vision Deutschland appelliert an die Regierungen der G8-Staaten, beim G8-Gipfel Anfang Juli in Gleneagles Ernst zu machen mit der Umsetzung von Versprechungen, damit die UN-Millenniumsziele (MDG) doch noch erreicht werden. Wichtigste Forderungen sind:

Aufstockung der Hilfe

Wenn die MDGs erreicht werden sollen, ist eine Aufstockung der Gelder von jetzt $50 Mrd. auf $73 Mrd. im Jahr 2006 und auf $135 Mrd. im Jahr 2015 erforderlich. Es wäre gut, neue Finanzmittel (wie eine Flugsteuer) zu erschliessen, aber die reichen Geberländer müssen daran erinnert werden, dass sie noch immer weit hinter ihrem Versprechen hinterher hinken, 0,7% ihres Bruttosozialproduktes für die armen Länder bereit zu stellen.

Hilfe muss effektiver werden

Die Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern muss im Sinne einer Reformpartnerschaft verbessert und harmonisiert werden. Rechtsstaatlichkeit und transparente Entscheidungsprozesse, eine funktionierende Verwaltung und die Möglichkeit demokratischer Beteiligung sind zentrale Voraussetzungen für nachhaltige Entwicklung, aber nicht mit kurzfristigen Hilfsprogrammen zu erreichen. Gelder der Geberländer müssen über längere Zeiträume gewährt werden, um besser mit ihnen planen zu können; und sie sollten vor allem für den Zweck der Armutsbekämpfung eingesetzt werden, insbesondere für Bildung und Gesundheit.

Schulden müssen zu 100% erlassen werden

Die G8-Länder müssen den Empfehlungen der G-8-Finanzminister folgen, den armen Ländern ihre Schulden zu 100% zu erlassen. Die Gelder für den Schuldenerlass dürfen aber nicht mit der offiziellen Entwicklungshilfe verrechnet werden, sondern müssen sich aus zusätzlichen Quellen speisen; dies ist keine Zeit für clevere Buchhaltung.

Fairer Handel für bessere Marktchancen

Das Einkommen, das den armen Ländern durch unsere Agrarsubventionen und damit ungleiche Handelschancen verloren geht, übersteigt das Finanzvolumen, das die Geberländer ihnen bisher an Schulden erlassen haben. Der Abbau von Subventionen in den reichen Ländern würde den armen Ländern helfen, höhere Einkommen selbst zu erwirtschaften

Schule für alle Kinder

Grundschulbildung als verbrieftes Menschenrecht wird heute zwar von allen akzeptiert, aber noch lange nicht für alle praktiziert. Geberländer wie Entwicklungsländer müssen ihre Beiträge für die Schulbildung drastisch erhöhen, damit wirklich alle Kinder – Jungen, Mädchen und marginalisierte Kinder wie Waisen oder Behinderte – lesen, schreiben und rechnen lernen.

Bessere HIV/Aids-Verhütung und mehr Medikamente

Die G8-Länder – und insbesondere die Bundesrepublik Deutschland – müssen ihre Versprechungen einlösen, den Globalen Fond mit ausreichenden Finanzmitteln auszustatten. Allein 2005 besteht eine Deckungslücke von 700 Millionen US-$; für 2006 und 2007 benötigt der Fonds noch 7 Mrd US$, um laufende Programme weiterzuführen. Andernfalls ist eine weiterer drastischer Anstieg der HIV-Infizierungen und Aids-Toten zu erwarten.

Unterstützung für 15 Millionen Aids-Waisen

Die G8-Länder sollten ihren Beitrag für Aids-Waisen drastisch auf 10% ihrer HIV/Aids-Ausgaben erhöhen, damit diese Kinder eine Zukunftschance erhalten. Aids-Waisen leiden nicht nur unter dem traumatischen Verlust ihrer Eltern, ihnen fehlt es auch an Nahrung, Obdach, Kleidung, Schulbildung und Gesundheitsversorgung. Sie sind Opfer von Diskriminierung, Gewalt und Ausbeutung.

Diese Massnahmen sind nötig, damit der Teufelskreis aus Armut, Krankheit, Unwissenheit und HIV/Aids durchbrochen werden kann. 30.000 Kinder sterben täglich an den Folgen von Hunger, Krankheit oder Gewalt – das sind mehr als 10 Millionen jährlich. 600 Millionen Kinder müssen täglich mit weniger als einem Dollar am Tag auskommen. Mehr als einer Milliarde Kinder fehlt es an lebensnotwendigen Gütern wie sauberem Wasser.

„Armut ist nicht unvermeidbar. Armut hat System. Armut kann wirksam bekämpft werden“, sagt Günther Bitzer, Direktor von World Vision Deutschland e.V., mit Blick auf den bevorstehenden G8-Gipfel. Dabei müsse die Hilfe vor allem bei den Kindern ansetzen, da sie die Träger der zukünftigen Entwicklung seien. „Es darf kein leeren Versprechungen mehr geben, keine Entschuldigungen. Die Zeit zum Handeln ist jetzt.“

Web: www.worldvision.de 

Datum: 28.07.2005

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