Radiosendung über ICF

Beurteilung müsste fundierter sein

Nach den Medienturbulenzen rund um das 15-Jahre-Jubiläum der International Christian Fellowship (ICF) hat die Sendung «Input» von DRS-3 versucht, das Geheimnis des «Erfolgsmodells Partykirche ICF», die heute rund 8000 Besucherinnen und Besucher anzieht, zu lüften. Das ist ihr noch nicht ganz gelungen.

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Die ICF feierte ihr 15-jähriges Bestehen.
Medien und «Sektenbeauftragte» tun sich schwer mit der Wertung der ICF. Auch der neue Versuch der Sendung Input von DRS-3 vom 17. Juli 2011 brachte keine neuen Erkenntnisse. Zwar versuchte die Moderatorin Martina Arpagaus, dem Phänomen ICF gerecht zu werden, indem sie der Sektenexpertin Susanne Schaaf und einer anonymen Aussteigerin die Erläuterungen von ICF-Pressesprecher Daniel Linder gegenüberstellte. Dieser ging bemerkenswert offen mit der vorgebrachten Kritik um und räumte ein, dass die ICF im Laufe der Jahre reifer geworden sei und weniger hart mit Sündern umgehe als in der Anfangszeit. Er bekannt auch, dass man die anfänglich praktizierten G12-Gruppen aufgelöst und durch Smallgroups ersetzt habe, welche nicht die gleiche Verbindlichkeit von den Mitgliedern verlange als das frühere Konzept. «Wir benehmen uns entspannter», so Daniel Linder gegenüber DRS-3.

Ausgetretene Pfade

Die Schwäche der Sendung aber lag darin, dass sie nicht über die ausgetretenen Pfade der Beurteilungskriterien hinaus kam. Thematisiert wurden psychologische Aspekte und die konservative Theologie trotz moderner Performance der «Celebrations». Mitglieder stünden in Gefahr, sich deshalb nach aussen abzuschotten, und viele verlören an Eigenständigkeit, hiess es. Hier kamen vor allem die Kriterien von InfoSekta zum Zug: Wie weit ist die Autonomie von ICF’lern gewahrt? Werden sie eingeengt? Ist die eigenständige Persönlichkeitsentwicklung möglich?

Weshalb nicht aus Aufbruchsbewegungen lernen?

Leider aber fragte die Sendung nicht nach Beispielen von Mitgliedern, welche psychologische, Beziehungs- oder Suchtprobleme durch den Glauben und die Verbindung mit der ICF überwunden haben und in ihrer Persönlichkeit gestärkt worden sind. Oder nach Menschen, die zwar nicht mehr in die ICF gehen, aber ihren Weg als engagierte Christen weiter gehen. Weiter bezog auch diese Sendung keine Kriterien ein, wie sie üblicherweise bei der Bewertung und Analyse von Kirchen angewandt werden. Zum Beispiel soziokulturelle Aspekte. Interessant wäre doch zu fragen, aus welchen sozialen «Milieus» die meisten ICF’ler kommen und ob ICF mehr von diesen Milieus erreiche als die Landeskirchen. Interessant wären auch Parallelen zu früheren Aufbruchsbewegungen bis hin zur Reformation. Auch diese Aufbruchsbewegung hat sich dadurch ausgezeichnet, dass sie sich stark der geltenden Kultur angenähert hat (Bibel in Umgangssprache übersetzt, Lieder mit zeitgemässen Melodien). Und dass sie andererseits in der Anfangszeit auch radikal war und Fehler gemacht hat. Oder dass sie die Realität guter und finsterer Mächte ernst genommen hat.

Versöhnlicher Abschluss

Martina Arpagaus wollte immerhin etwas genauer wissen, was die jungen Leute in ICF Celebration anzieht und besuchte einen solchen Gottesdienst. Dort hörte sie das Zeugnis eines Teilnehmers, der von einem Hirntumor geheilt worden sei. Anschliessend fiel ihr auf, dass sich die Besucher – zum Beispiel am Bahnhof – sehr normal verhalten hätten, wie andere Jugendliche auch. Sie schloss daraus: Gefährdet im ICF sind eigentlich nur Leute, die wenig Selbstvertrauen haben. Für die andern habe sie keine Bedenken.

Webseite der ICF

Datum: 20.07.2011

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