Kommentar

Können Eltern die Sexualkunde übernehmen?

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Die vorgesehene obligatorische Sexualkunde ab der ersten Primarschulklasse – oder gar dem Kindergarten? – wirft Wellen. Im Club von SF1 haben die Gegner eines Obligatoriums bekräftigt: Es ist Sache der Eltern, ihre Kinder über Sexualität aufzuklären.
 
Im kommenden Lehrplan 21 soll die Sexualkunde als obligatorisches Fach mindestens ab der ersten Primarklasse eingeführt werden. Dafür laufen Vorbereitungen – und gegen ein Obligatoirum im Kindergarten hat kürzlich der Präsident der Jungen SVP Luzern 6.000 Unterschriften gesammelt. In der Diskussion im «Club» von Fernsehen SF1 haben am 12. Juli 2011 Gegner und Befürworter des Obligatoriums für ihre Ideale gekämpft – aber auch Schwachstellen offenbart. 

Sexualisierung und Porno

Titus Bürgisser, Leiter des Kompetenzzentrum Sexualpädagogik & Schule (an der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz, Luzern), die Sängerin
Emel, Mutter einer kleinen Tochter, die
 Kindergärtnerin und Sexualpädagogin, Karin Stierlin, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Pädagogischen Hochschule Zürich, machten sich für das Obligatorium stark. Sie begründeten es mit der Notwendigkeit, angesichts von Sexualisierung und Pornoangeboten den Schülern eine gute Wissensgrundlage zu vermitteln.
Anny Filipponi von der Elternvereinigung «IG Sorgfalt» und
Anian Liebrand, Präsident der Jungen SVP Luzern, votierten dagegen.
Sven Broder, Journalist und Autor von «Papa steht seinen Mann», nahm eine Mitte-Position ein.

Aufgabe der Eltern

Anny Filipponi verteidigte vehement den Vorrang der Eltern bei der Sexualerziehung. Sie allein seien in der Lage, auf die Fragen der Kinder entwicklungsgemäss einzugehen. Schulische Sexualerziehung könne den wirklichen Bedürfnissen der einzelnen Kinder nicht gerecht werden. Anian Liebrand kritisierte, die vorgesehene Sexualkunde sei massiv ideologisch vorbelastet, insbesondere vom Gender Mainstreaming, und stelle alle sexuellen Praktiken gleichwertig dar. 

Schwachstellen

Beide Seiten offenbarten Schwachpunkte. Die Verteidiger eines Obligatoriums konnten nicht wirklich den ideologischen Unterbau des vorgesehenen Fachs entkräften. Sie waren auch nicht in der Lage zu erklären, wie eine obligatorische Sexualkunde dem sehr unterschiedlichen Entwicklungsstand der Kinder einer Klasse gerecht werden kann. Die heikelste Frage wurde ihnen allerdings gar nicht gestellt: Wie soll jede einzelne Lehrperson in die Lage versetzt werden, das heikelste aller Fächer zu unterrichten – und dies mit der nötigen Feinfühligkeit, psychologischen Begabung und in Distanz zu eigenen Prägungen und Vorlieben?
 
Die Gegner waren umgekehrt nicht in der Lage zu erklären, wie die Eltern insgesamt die heikle Aufgabe erfüllen könnten. In der Tat waren und sind da viele Eltern überfordert. Gerade in diesem heiklen Feld brauchen sie Erziehungshilfe. Organisationen wie das Schweizerische Weisse Kreuz oder die katholische Teen Star haben das Problem erkannt und machen Angebote, wenn sie nachgefragt werden. Grundsätzlich ist hier noch ein grosser potenzieller Bedarf festzustellen, wenn sich Eltern mehrheitlich in die Lage versetzen sollen, ihren Kindern die wichtigen Kenntnisse und Verhaltensweisen zur Sexualität mit auf den Weg zu geben.

Webseiten zur Beratung für Kinder- und Jugendsexualität:
Schweizerisches weisses Kreuz
Teenstar

Datum: 18.07.2011

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