Gott im Alltag begegnen

Näher als du denkst

Gott ist den Menschen oft näher, als sie erahnen. Denn in einem offenen Ohr oder in einem weiten Herzen beginnt bereits das «Reich», von dem Jesus immer gesprochen hat.

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Zugehörigkeit und Beziehungen gibt es auch im Reich Gottes.
«Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist nahe gekommen!» (Die Bibel, Markus, Kapitel 1, Vers15). Mit dieser guten Nachricht auf den Lippen spazierte Jesus über die Erde und tat allerlei wunderbare Dinge. Er bezeichnete dies als so gute Nachricht, dass er den Leuten sagte, sie sollen ihr bisheriges Leben ändern.

In seiner programmatischen Antrittsrede in Nazareth (Die Bibel, Lukas, Kapitel 4, Vers 18) zitiert Jesus aus Jesaja, Kapitel 61, Vers 1-3 und erklärt die Verkündigung der Botschaft vom herannahenden Reich Gottes als seinen wichtigsten Dienst.

Vor allem Asylanten, Obdachlosen, Aussätzigen, Strassenkindern und Einsamen kurzum allen Hilfesuchenden, sollte die gute Nachricht mitgeteilt werden. Sie vermittelte allen die Zugehörigkeit, nicht die Ausgrenzung.

So wird die Botschaft vom Reich Gottes in Jesaja, Kapitel 52, Vers 7 beschrieben: «Dein Gott herrscht als König!» Denn die griechischen und hebräischen Begriffe für Reich Gottes bezeichnen vor allem das König-Sein Gottes.

Reich Gottes ist also mehr ein Beziehungsbegriff als ein räumlich abgegrenztes Gebiet. Deswegen sagt Jesus in Lukas, Kapitel 17, Vers 21: «Siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.» Jesus war da, seine Jünger waren da und die Pharisäer waren da. Eine Gruppe von Menschen also, die miteinander in Beziehung standen. Wenn das Reich Gottes mitten unter ihnen war, dann bedeutet das auf unseren Alltag übertragen, dass es vor allem in unseren Beziehungen existiert.

Das heisst für mich ganz praktisch in Frankfurt, dass ich auf meine Beziehungen achte und viel mit Leuten herumhänge und den Ruf in Kauf nehme, das Leben nur von der «leichten Seite» anzugehen. Schliesslich hatte man Jesus auch ständig vorgeworfen, den Ernst des Lebens nicht ernst genug zu nehmen und mit den falschen Leuten rumzuhängen.

Einmal habe ich mich mit einer Jugendlichen, die sich von Jesus entfernt hatte, lange Zeit immer wieder in meinem Büro in der Gemeinde zum Gespräch getroffen. Ich habe ihr zugehört, wenn sie von ihren «wilden» Erfahrungen mit Drogen, Sex und düsterem Rock’n’Roll erzählte. Wir haben dabei mehr Kuchen gegessen und Kaffee getrunken als seelsorgerliche Schritte unternommen.

Und nach fast einem Jahr entschied sie sich erneut für ein Leben mit Gott, weil ihr das Reich Gottes die ganze Zeit in unseren Gesprächen und durch unsere Freundschaft nahe gewesen war. Ich bin davon überzeugt, dass sich überall da Reich Gottes im Alltag ereignet, wo ich von ganzem Herzen den Menschen etwas davon zuteilwerden lasse, was Gott in mich hineingeliebt hat.

Zum Autor:
Mickey Wiese ist evangelischer Diplomtheologe, psychologischer Berater und Jugendarbeiter in Frankfurt. Ausserdem ist er Buchautor und Redaktor für christliche Radiosendungen.

Buchhinweis:
Mickey Wiese: Mein Freund Gott und ich – Reloaded


Autor: Mickey Wiese

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