Kommentar

Zeit für Dinge nehmen, die angeblich nichts bringen

Es ist erstaunlich, wie wenig Jesus Bekenntnisse  interessiert haben. Bei ihm zeigte sich der Glaube im Handeln. Ein Kommentar von Pfarrer Heiner Schubert, Präsident der VBG.

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Heiner Schubert
Ich gehe davon aus, dass wir als Christen in Widerspruch geraten zu einer Gesellschaft, deren Mitglieder zunehmend von den Institutionen verlangen, dass sie dem Einzelnen und der Einzelnen (oder ihren Kindern, seiner Firma oder ihrem Verein) bitte und gefälligst die besten Bedingungen bereitstellt, ohne dass der Fordernde sich selbst engagiert.

Lehrpersonen können ein Lied davon singen, auch die Pfarrer, deren Arbeitswelt ich besser kenne. Unlängst sagte mir ein Kollege, er habe die Nase voll davon, Leuten einen Service bieten zu müssen, dessen inhaltliche Basis sie überhaupt nicht interessiere.  Wir sind unheimlich anspruchsvoll geworden. Es ist schick geworden, zu nehmen, ohne zu geben. Die ganzen unsäglichen «Geiz-ist-geil»-Kampagnen entlarven nicht nur ihre Macher und die Produkte, die sie vertreten, sondern auch die Konsumenten.

Viele Aussagen von Jesus gehen in die entegegengesetzte Richtung: Sie nehmen den Mitmenschen in den Blick. Und zwar nicht als Objekt irgendeiner Mission, sondern als Bedürftigen. Nach dem Zeugnis der Evangelien geht es Jesus in erster Linie um das Tun (Erschütternd: Matthäus 25). Bekenntnisse interessieren ihn wenig. Der Glaube zeigt sich im Handeln. Nicht im frommen Reden. Das ist das eine: Die Hinwendung zum Anderen ist lernbar.

Das andere, was uns unterscheidet, ist die Überzeugung, dass Besitzen ohne Teilen kein Glück schafft. Ich glaube, dass Christen die Askese wieder entdecken müssen, das Einüben der Anspruchslosigkeit. So geraten sie in einen Widerspruch, der sich nicht auf Spruchbändern oder in spektakulären Aktionen manifestiert. Er nährt sich aus dem Alltäglichen. Er bedeutet, sich Zeit zu nehmen für Dinge, die «nichts bringen»: Beten, zuhören, teilen in jeder Hinsicht (Zeit, Geld, sich selbst...), verzichten. Der Preis dafür ist eine gewisse Entfremdung von der Gesellschaft. Der Lohn: Dass wir uns selbst nicht abhanden kommen.

Webseite:
VBG

Datum: 29.09.2012
Autor: Heiner Schubert
Quelle: Livenet

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