Wissenschaftler entschlüsseln Geheimnis des Sprechens

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Oxford/London. Britische Wissenschaftler haben mit FOXP2 das erste Gen identifiziert, das an der Entwicklung von Sprechen und Sprache beteiligt ist. Diese Entdeckung könnte die Grundlage für die Entschlüsselung dieser für den Menschen charakteristischen Fähigkeiten sein. Zusätzlich werden Erkenntnisse über die Entwicklung der Sprache und Einblicke in die Entstehung von Sprachstörungen erwartet. Der leitende Wissenschaftler Anthony Monaco vom Welcome Trust Centre for Human Genetics nutzte für dieses Forschungsprojekt Daten des Human Genome Project.

Monaco sagt, dass starke genetische Einflüsse bei Sprachproblemen häufig eine entscheidende Rolle spielten. "Jetzt ist uns der erste Nachweis gelungen, dass ein bestimmtes Gen über eine Mutation verfügt, die zu einer Sprachstörung führt." Identifiziert wurde FOXP2 durch die Analyse genetischer Daten von drei Generationen einer Familie, die an einer seltenen Störungsform leiden. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten mit der Grammatik und der Artikulation. Das Team geht davon aus, dass FOXP2 ein Protein produziert, das andere Gene kontrolliert, die mit Sprechen und Sprache in Zusammenhang stehen.
Monaco erforscht derzeit, ob FOXP2 bei anderen mit Sprachstörungen zusammenhängenden Erkrankungen ebenfalls einer Veränderung unterworfen ist. Der Wissenschaftler geht jedoch davon aus, dass es sich bei diesem Gen erst um einen Baustein eines sehr komplexen Puzzles handelt.

Auf Chromosom 7 sitzt das Merkmal, das eine auffällige Sprachstörung verursacht, wenn es in seiner Funktion beeinträchtigt ist. Die Betroffenen können die Muskulatur von Kehlkopf, Mund und Zunge nicht richtig steuern und haben weder Satzbau noch Grammatik im Griff. Angeblich soll die menschliche Variante vor etwa 200.000 Jahren entstanden sein.

Vergleichbare Gene bei Schimpansen und anderen Primaten sollen Hinweise auf die Entstehung der Sprache liefern. Obwohl sich das Erbgut zwischen Menschen und Schimpansen zu 98,7 Prozent gleicht, gibt es grosse Unterschiede in den Genen im Gehirn.

Trotz der Ähnlichkeiten zwischen Menschen und Schimpansen unterscheiden sie sich doch geistig und körperlich. Fast viermal so viele Unterschiede haben sich demnach im menschlichen Gehirn angehäuft. Dies ist ein wichtiger Hinweis dafür, dass die funktionellen Unterschiede zwischen einem menschlichen Gehirn und dem Gehirn eines Schimpansen auch auf molekularer Ebene vorhanden sind.

Die Forscher untersuchten für ihre Studie die Proteinausstattung des Menschen und verglichen diese mit jener von Schimpansen, Orang-Utans, Makaken und verschiedenen Mäusearten. Es zeigte sich, dass der Mensch vor allem im Hirn einen grösseren Teil seiner Erbanlagen tatsächlich in Proteine umsetzt. Demzufolge ist das Erbgut des Menschen in dieser Hinsicht aktiver.

Gemessen wurden die Gen-Expressions-Unterschiede mittels Gen-Chips. Auf diese werden winzige, menschliche DNA-Mengen aufgetragen, die Trägeroberfläche enthält bis zu 18.000 Gene. Die DNA reagierte mit dem Gen-Material, das dem Gehirn sowie der Leber von Menschen, Schimpansen und Makaken entnommen worden war. Dies ermöglichte es den Wissenschaftlern, die Gene der einzelnen Spezies zu messen. In Zukunft sollen auch andere nahe verwandte Tierarten miteinander verglichen werden.

Glosse

Die Gene sind schuld - wieder 'mal ...

In einem Tatort-Krimi stöhnte einmal ein genervter Kommissar. Mühsam hatte er versucht, dem Täter auf die Schliche zu kommen, und sein Gerechtigkeitssinn hätte ihm eine ordentliche Strafe aufgebrummt. Aber im Geist hörte er schon das Plädoyer des Verteidigers, wie er mit dem unglücklichen Vorleben des Delinquenten und so weiter argumentiert. Darum sein Seufzer: "Heutzutage gibt's für jede Schweinerei ein psychologisches Alibi."

Aber dieser Krimi lief bereits vor vielen Jahren. Der Seufzer des geplagten Ermittlers würde heute anders klingen. Inzwischen würde er statt vom psychologischen wahrscheinlich vom genetischen Alibi sprechen.
FoxP2 heisse es und liege auf Chromosom 7. Bei Ihnen ebenfalls? Wenn Sie da nicht so sicher sein sollten, können Sie das leicht überprüfen: Statt dass Sie diesen Artikel nur stumm überfliegen, lesen Sie ihn besser laut. - Hat's geklappt? Gut, dann ist Ihr Chromosom in Schuss. Denn es würde "die Muskulatur von Kehlkopf, Mund und Zunge richtig steuern".

Falls diese Übung hingegen nicht hingehauen haben sollte, dann trösten Sie sich. Sie haben dann einen umso grösseren Schatz in Ihrer Blutbahn und den Fingernägeln: ein Gen, das mindestens 200'000 Jahre alt sei. Denn damals habe es noch Affenniveau gehabt, und die können ja bis heute noch nicht sprechen.

Also: Wenn und dass wir sprechen können, haben wir den Genen zu verdanken. Jetzt müsste man nur noch etwas zu sagen haben!

Datum: 25.08.2002
Quelle: pte online

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