Als Arbeitskräfte sind Migranten gefragt, doch den Weg der westeuropäischen Völker in die Zukunft erschweren sie, und zwar in einem noch gar nicht abschätzbaren Umfang. Ein Problem vor allem für Deutschland, weniger für die Schweiz?
Der wahre Reichtum der Nationen besteht in der Intelligenz ihrer Bevölkerung, schreibt Gunnar Heinsohn. Eine tiefe Geburtenrate und Migrationsströme erschweren es, diesen Reichtum zu erhalten. «Von hundert Nachwuchskräften, die das Land benötigt, werden fünfunddreissig nie geboren, wandern zehn aus und schaffen fünfzehn keine Berufsausbildung. Da können die Emigrationsphantasien der verbleibenden vierzig nicht überraschen.»
Handicaps vergoldet
Heinsohn, der bis 2009 an der Universität Bremen lehrte, sagt voraus, dass Deutschland verarmen wird, weil sich der Aufwand für Millionen Bildungsferne nicht lohnt. Der Sozialwissenschaftler rechnet in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor, das Land habe bereits 2007 «eine Billion Euro Sonderschulden für Migranten (gehabt), die mehr aus den Hilfesystemen entnehmen, als sie aufgrund schlechter Schulleistungen und anderer Handicaps in sie einzahlen können».
Auf jeden der 25 Millionen vollerwerbstätigen Nettosteuerzahler in der Bundesrepublik fielen somit 40‘000 Euro Schulden «allein für diese historisch einmalige Aufgabe».
Soziallasten beschweren Einheimische ...
Weil in Deutschland (wie in der Schweiz) nur zwei Drittel der Kinder geboren werden, die für ein Fortbestehen der Bevölkerung sorgen würden, altert die Gesellschaft weiter - «Schrumpfvergreisung». Junge Menschen müssten laut Heinsohn nicht nur die Alten und Minderjährigen versorgen. Sondern drei von ihnen hätten «auch noch für einen Gleichaltrigen ohne Ausbildungsreife nebst Nachwuchs (zu) bezahlen». Heinsohn beruft sich dabei auf Berechnungen der Bundesregierung, nach denen «schon 2009 ein Viertel der Fünfzehnjährigen nicht ausbildungsreif» gewesen sei.
Damit bringt der Wissenschaftler die erschreckend hohe Neigung von deutschen Hochschulabsolventen in Zusammenhang, in anderen Ländern Karriere zu machen. Die Schweiz kennt wegen ihrer Lebensqualität und des hohen Lohnniveaus - und weil Menschen hier (noch) rücksichtsvoller miteinander umgehen als in vielen Milieus Deutschlands - keinen «Brain Drain», keine massenhafte Abwanderung von Hochbegabten und Gutausgebildeten.
Doch die Fragen Heinsohns an Sozialstaat, Migrations- und Integrationspolitik stellen sich auch in der Schweiz. Der helvetische Kleinstaat zählt über 22 Prozent Ausländerinnen und Ausländer.
... und schrecken leistungsfähige Zuwanderer ab
Heinsohn weist darauf hin, dass in Deutschland die Zahl der Kinder unter 15 Jahren, die Sozialhilfe beziehen, von 130.000 im Jahre 1965 auf 2 Millionen im Mai 2010 angestiegen ist. «Erst wenn das Niveau von 1965 wieder in Blickweite ist, kann eine gezielte Einwanderungspolitik beginnen und die Abwanderung verlangsamt werden.» Derzeit nähmen die jährlich 160.000 Auswanderer aus Deutschland 80‘000 Hartz-IV-Müttern mit jeweils 2 Kindern den Versorger.
«Denn eine solche Mutter kostet bis zum fünfzigsten Lebensjahr 415.000 Euro, also die Steuern von zwei Vollerwerbstätigen.» Heinsohn folgert: «Wer jährlich 160‘000 qualifizierte Einwanderer gewinnen will, darf sie nicht mit 80.000 Hartz-IV-Familien und 40 Milliarden Euro Schulden verschrecken. Jede andere hochentwickelte Nation ohne solche Lasten wird sonst vorgezogen.»
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