Studie zum Glauben

Individualisten sind religiöser

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Wer ist religiöser: Menschen, die sich am Gemeinsinn orientieren, oder Individualisten? Die Antwort darauf schien klar: Derjenige, dessen Eigensinn stärker als der Gemeinsinn ist neigt weniger zum Glauben. Das ist jedoch nicht immer so.

Die Individualisierung der Gesellschaft, da sind sich wohl fast alle Kirchenvertreter einig, führt zu einem Rückgang des Glaubens: Wenn der Mensch vor allem seine Unabhängigkeit leben will, ist ihm die Rückbindung an eine höhere Macht und die Verantwortung gegenüber einer kirchlichen Gemeinschaft eher fremd, schreibt Spiegel online.

Das treffe aber nur auf religiös geprägte Gesellschaften zu, wie eine neue Studie belege. In säkularen Ländern hätten vor allem Individualisten einen Bezug zum Glauben.

Differenzierteres Bild

Eine aktuelle Studie untersuchte, ob der Individualismus tatsächlich das Problem der Kirchen ist. Das Ergebnis: In religiös geprägten Ländern wie der Türkei, Polen oder Russland sind Menschen, die ihr Handeln am Gemeinsinn ausrichten, religiöser als andere. Hier stimmt die gängige Meinung.

Anders in weniger bis gar nicht religiös geprägten Gesellschaften – dort ergibt sich das umgekehrte Bild: Menschen, die eher auf ihre Unabhängigkeit pochen, waren religiöser als die am Gemeinsinn orientierten.

Religiosität als Abgrenzung

Die Forscher versuchen, das Ergebnis ihrer Studie zu erklären: Wer seine Unabhängigkeit betont, will sich eher von seiner Kultur unterscheiden. Das heisst, er will Ansichten vertreten, die nicht der Norm entsprechen. In Ländern wie Schweden, Frankreich, Deutschland, oder auch der Schweiz sind das bei vielen Themen Positionen der Kirche. Während Religiosität in religiös geprägten Ländern mit sozialer Zugehörigkeit einhergeht, dient sie in säkular geprägten Gesellschaften demnach also der Abgrenzung, so der Spiegel weiter.

Schon früher hatten die Forscher durch eine andere Studie, den Zusammenhang zwischen Religiosität und persönlichem Wohlbefinden, für Aufsehen gesorgt. Nur in religiös geprägten Ländern, so das Ergebnis, waren gläubige Menschen zufriedener als nichtgläubige. In säkularen Gesellschaften gab es diesen Zusammenhang nicht, gläubige und nichtgläubige Menschen unterschieden sich kaum in ihrem Wohlbefinden und Selbstwertgefühl.

 

Datum: 29.10.2012
Quelle: Livenet / Der Spiegel

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