Machtkalkül

Wem nützt das Feindbild Evangelikale?

Wenn deutsche Grüne, Sozialdemokraten und die Linkspartei die evangelikale Bewegung zum Feindbild aufbauen, steckt ein Machtkalkül dahinter. Dies meint der Weltanschauungsbeauftragte der württembergischen Landeskirche, Hansjörg Hemminger.

Der Kampf gegen die Religion sei vor 2001 in den alten Bundesländern kaum von politischer Bedeutung gewesen, schreibt Hemminger im Materialdienst der Berliner Evangelischen Zentrale für Weltanschauungsfragen. Inzwischen sei er „Anliegen eines Klientel, um das Grüne und SPD mit der Linkspartei konkurrieren." Wer deswegen Radikale ermutige, den Evangelikalismus oder den Pietismus gesellschaftlich zu ächten, spiele das Spiel aus „Biedermann und die Brandstifter": Die extremen Ränder des politischen Spektrums würden gestärkt.

Gegen (Anlässe und) Personen

Als Beispiele nennt Hemminger den Widerstand gegen das Jugendfestival Christival 2008 in Bremen sowie gegen den Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge Ende Mai 2009 in Marburg. Besonders dieser Kongress mit rund 1‘000 Teilnehmern sei Ziel heftiger Kritik der Lesben- und Schwulenbewegung an angeblichen „Homoheilern" gewesen. Gefördert wurde der Protest, so Hemminger, vom Parlamentarischen Geschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, Volker Beck.

Die Kampagne habe sich nicht gegen missliebige Themen gerichtet - Homosexualität sei gar kein Kongressthema gewesen -,sondern gegen Personen wie etwa gegen die Kinder- und Jugendärztin Christl Vonholdt oder Roland Werner vom Christus-Treff (Marburg) und Markus Hoffmann von der Lebensberatungsorganisation „Wüstenstrom". Hemminger zitiert den Aufruf zu einer Demonstration: „Wir wollen den Kongress in seiner Gesamtheit verhindern und ihn als Symbol einer rechtskonservativen Meinungsmache bekämpfen."

Rührend hilflose Veranstalter

Nach Hemminger ist für die „Randalierer" der Schritt zur allgemeinen Kirchen- und Religionskritik klein. Ihre Diffamierungen zielten auf die Mitte des christlichen Glaubens - Jesus Christus, Kreuz und Vaterunser. Allerdings habe die „hilflose Reaktion" der Veranstalter bewiesen, „wie wenig der Pietismus dem Feindbild eines politisierten christlichen Fundamentalismus entspricht". Die Veranstalter hätten „in rührender Weise" versucht, die Gegner von ihren guten Absichten zu überzeugen.

Die Landeskirchen und die EKD seien den Veranstaltern nicht zur Hilfe gekommen. Sie hätten sich als nicht zuständig „für das Tun und Leiden der evangelikalen Bewegung" betrachtet. Hemminger ruft die Kirchen auf, ihr Verhältnis zu Evangelikalen zu überdenken: „Zur kritischen Solidarität gibt es künftig keine Alternative mehr."

Marburger Psychotherapiekongress unter Polizeischutz

 

Datum: 31.07.2009
Quelle: idea

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