Mit Gottvertrauen, durch die Kraft des Glaubens, sollen Christen in widrigen Situationen nach vorne schauen. In einem Gespräch mit evangelischen Medien legte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Mitte August Grundlinien ihrer Politik dar.
Das C im Namen ihrer Partei verpflichte zum Handeln nach dem christlichen Menschenbild, sagte Merkel zu Vertretern von KEP, ERF und idea. „Wir begreifen den Menschen als ein Geschöpf Gottes, das sich gleichzeitig in Freiheit und in Verantwortung entfalten kann." Jeder Mensch sei einzigartig; die Politik habe Rahmenbedingungen für die Entfaltung der individuellen Stärken zu geben. „Wir wollen die Menschen nicht durch staatlichen Zwang gleichmachen, sondern ihre Talente und Gaben zur Geltung bringen."
Nachhaltigkeit
Für die Bundeskanzlerin und CDU-Parteichefin, die in einem Pfarrhaus in der DDR aufwuchs, bedeutet das C auch Verantwortung für den Erhalt der Schöpfung. „Wir sind verpflichtet, die Erde für die künftigen Generationen zu bewahren, also etwa einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen zu erreichen." Das umstrittene Antidiskriminierungsgesetz ziele im Grundsatz „auf die Gleichbehandlung und Chancengleichheit der Menschen"; das freie öffentliche Bezeugen des christlichen Glaubens werde nicht eingeschränkt, äusserte Merkel auf eine entsprechende Frage.
Miniparteien
Zu den evangelikalen Miniparteien bemerkte die Bundeskanzlerin und Wahlkämpferin, Politik in der Demokratie verlange Mehrheiten. „Wenn sich politisch engagierte Menschen, die in Grundsatzfragen ähnliche Ansichten vertreten, aufgrund von kleineren Unterschieden in mehrere Gruppen spalten, werden sie das, was gemeinsam wichtig ist, nicht erreichen können."
Familie für Verantwortung, Verantwortung durch Familie
In der Abtreibungsfrage (jede fünfte Schwangerschaft in Deutschland endet mit einer Abtreibung) legte Merkel den Akzent darauf, Deutschland kinderfreundlicher zu gestalten und Eltern Mut zu Kindern zu vermitteln. „Und wir sollten die Leistung der Erziehung von Kindern stärker würdigen.
Familie versteht Merkel gemäss dem CDU-Parteiprogramm als Ort, „wo Eltern für Kinder und Kinder für Eltern dauerhaft Verantwortung füreinander übernehmen". Daher schütze die CDU „die Familie als Keimzelle unserer Gesellschaft. Denn auf der Basis dieser dauerhaften Verantwortung in der Familie werden Werte vermittelt, Liebe und Geborgenheit weitergegeben."
Die Bedeutung der Ehe
Junge Paare sollten selbst entscheiden, ob ein Elternteil oder beide erwerbstätig sein sollen. „Wir versuchen, den Raum der Familie zu schützen und betonen den besonderen Wert der Ehe dafür, eine Familie zu gründen." Die Eheschliessung müsse sich steuerlich positiv auswirken. Dass viele Familien in Deutschland arm dran sind, bestritt Merkel nicht. Daher gehe es darum, „Kindern aus sozial schwachen Familien eine gute Vorschulbildung und Schulbildung zu ermöglichen".
Soziale Marktwirtschaft als Exportschlager
Im weiteren Verlauf des Interviews äusserte sich Angela Merkel zur Debatte um den ‚Unrechtsstaat‘ DDR, zum wirtschaftlichen Einbruch, der drückenden Schuldenlast und dem deutschen Exportschlager ‚soziale Marktwirtschaft‘. Diese habe im Land eine hohe Akzeptanz „und wir halten uns an ihre Prinzipien. Wir können dies aber nur tun, wenn andere sich auch daran halten. Die Wirtschaft ist kein Selbstzweck, sondern ist für den Menschen da. Und daher müssen wir alles daran setzen, dass sich solch eine Krise nie mehr wiederholt."
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