Das erste «Milleniumsziel» ist erreicht, neun von zehn Menschen haben Zugang zu sauberem Wasser. Dennoch ist der Weg weit, Christen gehen ihn am 11. Juli auch mit einer Kundgebung in Zug.
Rohstoffkonzerne nehmen Armen das Wasser weg.
Beim Wasser ist noch nicht alles in Butter. Weltweit gesehen haben noch immer so viele Menschen wie in Europa leben, keinen Zugang zu sauberem Wasser. Dennoch ist bezüglich Wasser eines der acht Milleniumsziele der UNO erreicht. Diese Ziele wurden zur Jahrtausendwende gefasst und sollen die Armut halbieren. Die christliche Bewegung «StopArmut2015» setzt sich dafür ein, dass sie erreicht werden. Bald auch mit einer Kundgebung. Wir sprachen darüber mit StopArmut-Kampagnenleiter Peter Seeberger.
Livenet: Peter Seeberger, haben Sie kürzlich einen Champagner aufgemacht? Schliesslich wurde ein erstes Milleniumsziel erreicht.
Peter Seeberger: ... richtig, ein erstes Milleniumsziel ist erreicht, aber das ist für uns noch kein Grund, um einen Champagner zu öffnen. Dennoch freuen wir uns, dass wir bei den Milleniumszielen Fortschritte sehen.
Das erreichte Milleniumsziel bedeutet, dass der Zugang zu Wasser sichergestellt ist. Hat nun jeder Zugang zu Wasser?
89 Prozent der Weltbevölkerung haben jetzt Zugang zu frischem Wasser. Das heisst, 20 Liter pro Tag und Person. Dies ist nicht unbedingt so viel, wie wir zur Verfügung haben. Auf der anderen Seite sind es immer noch elf Prozent der Weltbevölkerung oder 783 Millionen Menschen, die kein oder zu wenig Wasser haben – also etwa so viele Menschen, wie in Europa leben.
Eines von acht Zielen ist nun offiziell erreicht, wie sieht es mit den anderen aus?
Ein Drittel wird sehr wahrscheinlich bis 2015 erreicht. Einigermassen auf Kurs sind wir bei der Halbierung der Anzahl Menschen, die unter extremer Armut leiden. Armut wird von der UNO so definiert, dass jemand von 1,25 Dollar pro Tag leben muss. Hier denkt man, dass man diese Zahl im Vergleich zu 1990 halbieren kann. Auch bei der Primarschulbildung denken wir, dass wir das Ziel erreichen können. Ebenso die Gleichstellung von Mädchen und Buben in der Ausbildung.
In wenigen Tagen reisen Sie nach Zug, aber nicht um das Panorama zu geniessen ...
... Am 11. Juli werden wir uns einer Kundgebung anschliessen, bei der es um multinationale Firmen geht – vor allem jene, die im Bergbau tätig sind. Besonders «Xstrata» und «Glencore», die Rohstoff-Spezialisten sind und ihre Hauptsitze in der Schweiz, in Zug, haben.
Die Demonstration gegen Xstrata in Peru wurde brutal niedergeschlagen. Wir finden, dass unsere multinationalen Schweizer Konzerne mit mehr Verantwortung im Ausland tätig sein sollten. Daher fordern wir und die Kampagne «Recht ohne Grenzen» schärfere Gesetze in der Schweiz.
Werden Sie auch etwas sagen?
Ich hoffe, dass ich Gelegenheit erhalten werde, das entscheidet das Komitee. Vor allem möchte ich darauf hinweisen, dass wir als Kirchen eine Stimme in der Schweiz sind und diese Stimme zugunsten derer erheben wollen, die keine Stimme haben: für die Ärmsten in dieser Welt. Das ist eine Kernaufgabe der Kirche, und dies hat Jesus klar vorgelebt. Er nahm die Armen ernst und versorgte sie.
Wie werden Sie auftreten? Als Vertreter eines christlichen Werkes werden Sie ja wohl kaum Steine werfen?
Wir werden auf keinen Fall Steine werfen. Die Philosophie unserer Kampagne ist, zu stärken, was was gut ist – und weniger das Kritisieren. Manchmal aber ist Protest berechtigt. Wir wollen zeigen, welchen Weg wir gehen können. Wir fragen: wie kann ein Grossunternehmen Gewinn machen und gleichzeitig seine Verantwortung wahrnehmen? Wir denken, dass das möglich ist und wollen darauf hinweisen, indem wir gute Unternehmen unterstützen. Wir bauen gerade einen neuen Bereich auf: «Fairhandeln». Wir wollen Unternehmen coachen, die gerne nachhaltig produzieren und sensibel beim Einkauf von Gütern wie Cacao-Bohnen, Kaffee und Kleider sein wollen, die im Ausland produziert werden. Wir wollen die Tätigkeiten solcher Firmen stärken und sie beraten, wie sie in diesem Bereich noch zulegen und sich verbessern können.
Sind Sie auch mit denen im Gespräch, gegen die Sie nun protestieren?
Wir nicht, aber wir sind Teil der Kampagne «Recht ohne Grenzen». Dazu gehören grosse Organisationen wie «Brot für alle» oder die «Erklärung von Bern». Sie sind mit diesen Firmen im Gespräch.
Am 15. September 2012 wird der StopArmut-Tag im Burgsaal in Thun durchgeführt. «Licht in eine korrupte Welt» ist das Konferenz-Thema, die Tagung dauert von 9.30 bis 17.15 Uhr.