Wie sich Glaubensgespräche «ganz nebenbei» ergeben
«Sie sind wohl irgendwie so eine religiöse Organisation?» fragt uns neugierig eine Schauspielerin. Eindrücke aus einer Reise der besonderen Art, erzählt von einer Teilnehmerin.
In diesem Bus (hier bei Wittenberg) wird gesungen, gebetet, gelacht
Wir, das sind 57 Personen einer Reisegruppe aus der ganzen Schweiz, die in einem Restaurant gastiert, um dort sächsische Küche zu erleben und zu geniessen. Das Ziel unserer Reise ist es nicht, den säkularisierten Osten zu missionieren. Wir wollen das Bachfestivals besuchen, wollen das Florenz des Ostens, Dresden sehen oder Meissen, die Wiege Sachsens kennenlernen. Doch der Schauspielerin, der sich zwischen grünen Klössen und Dresdner Eierschecke zu uns gesellt und auf unterhaltsame Weise die beleidigte Gespielin August des Starken mimt, will wissen, wer wir sind.
Unabsichtlich unterwegs sein für Jesus
Für die Reisegruppe, geleitet von Prediger Markus Mosimann, ist es selbstverständlich, an öffentlichen Plätzen zu singen oder vor dem Essen beten. Das fällt auf und sorgt immer wieder für Gesprächsstoff. Auf ganz natürliche Art und Weise kommt es mit den Menschen vor Ort zu Gesprächen über Gott und die Welt. Ein Nebeneffekt, den das Reiseleitungsteam Markus und Brigitte rundum begeistert. Zum fünften Mal in Folge führen sie diese Reise durch und erleben wachsendes Interesse der Schweizer an Ostdeutschland.
Trauer über seelenlosen Atheismus
Eine zufriedene Reisetruppe in Ostdeutschland
Dass da kulturhungrige Christen unterwegs sind, bleibt auch den ortsansässigen Stadtführern nicht verborgen. In Leipzig führt uns Annemone Müller durch die Stadt und versteht es, der Reisgegruppe den Alltag aus einem geteilten Deutschland näher zu bringen. Nicht ohne Trauer erzählt sie von ihrer katholischen Oma. Diese habe im Gegensatz zu ihr an Gott geglaubt. Ihr selbst sei es nicht gelungen, ihrer Tochter Glaubensinhalte zu vermitteln. Sie habe auch nicht heucheln, sondern ihrer Tochter gegenüber echt und ehrlich sein wollen.
Das berührt eine Teilnehmerin so, dass sie ihr empfiehlt, doch einen Alpha Kurs in Leipzig zu besuchen. Ein paar Momente später, als der Bus vor der Universitätskirche vorbei fährt bemerkt die Stadtführerin: Stellen Sie sich vor, als diese eingeweiht wurde, gab es eine riesige Schlange! Die Leute wollten unbedingt den Gottesdienst besuchen!
Fromme Schweiz: Vermächtnis und Auftrag
Wie ein vom Atheismus geprägter Landstrich Sehnsucht spürt und Gott sucht, zieht sich wie ein roter Faden durch das Reiseerleben. «Wenn ich die Möglichkeit hätte, hier mal einen längeren Einsatz zu machen und von Jesus zu erzählen, würde ich es sofort tun», sagt jemand. Manche kehren dankbar in die fromme Schweiz zurück, neu dankbar dafür, dort aufgewachsen zu sein. Auf der Heimreise wird viel reflektiert. Kurt Schaub erinnert sich an ein Lied von Theo Lehmann und zitiert daraus: «Die Mächtigen kommen und gehen, aber der Eine bleibt.»