Jedes Jahr am 3. Septembersonntag feiern Christen und Juden in der Schweiz den Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag geht. Bereits im Spätmittelalter ordnete die eidgenössische Tagsatzung Fasttage an. Besonders in Notzeiten sollte das Volk gemeinsam vor Gott treten, fasten und um Durchhaltewillen und Veränderung bitten.
Philipp Hadorn
Im Jahr 2012 stehen wir als Nation unter Druck. Steuerregelungen im Inland und Abkommen mit dem Ausland, Folgen der Frankenstärke, Umgang mit Asylsuchenden und Arbeitnehmenden, Fragen zum Gesundheitssystem, der Regierungsform und Nutzung erneuerbarer Ressourcen beschäftigen uns.
Der Kanton prüft gegenwärtig drastische Sparvorlagen. Mehr als 1‘600 Personen brachten am 27. August 2012 zum Ausdruck, was sie vom Abbau im Bildungswesen halten.
Der Feiertag motiviert mich zum Nachdenken. Welche Schweiz wünsche ich mir? «Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn; denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s auch euch wohl.» werden wir in Jeremia Kapitel 29 Vers 7 gelehrt.
Die Bibel zeigt sich parteiisch. Sie nimmt Stellung zugunsten Schwachen, Armen, Bedürftigen, Verwaisten, Verwitweten, Kranken, Fremdlingen, Ausgestossenen und Randständigen. Im Evangelium steht die individuelle Würde eines jeden Menschen im Mittelpunkt.
Der Glaube ist für einige Menschen reine Privatsache. Viele mögen nicht darüber sprechen. Ursprung und Tradition unseres „Bettages“ lehren uns, wenigstens an diesem Tag gemeinsam nach aussen zu treten. Persönliche Interessen sollen nicht dominieren, sondern Danken, Vergebung und Einstehen für Andere sollen im Mittelpunkt stehen.
Mein Wunsch zum 16. September 2012 ist klar: Persönliche und kollektive Fehler möchte ich erkennen, die Vergebung Christi in Anspruch nehmen, Positionen und Lebensweisen hinterfragen und verändern (Umkehr) und meine Dankbarkeit sichtbar machen. Glaube eine Privatsache? Klar, auch, aber die Folgen, warum nicht auch eine neue Politik mit anderen Werten, darf und muss sichtbar werden.
Der Aufruf zum Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag 2012 kann ein neuer Steilpass für alte Werte sein: Für Gerechtigkeit, Solidarität, Offenheit und einem Austausch mit dem Schöpfer – privat und öffentlich!
*Philipp Hadorn, Gerlafingen, ist SP-Nationalrat, Gewerkschafter und war zwischen 1996 -2010 Vorsitzender der Gemeindeleitung der Evangelisch-methodistischen Kirche Gerlafingen.
Bereits die frühen Christen waren nach neuen Forschungsergebnissen Netzwerker und nutzten ein modern anmutendes Kommunikations- und Briefsystem. Dies...