Bischof Harris von Liberia schildert den Delegierten, wie sein westafrikanisches Land zu einem Schuldenberg von 4600 Millionen Dollar kam. (Foto: LWF/J. Latva-Hakuni)
Die 11. Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Stuttgart ist zu Ende. Die abschliessenden Erklärungen enthalten Selbstverpflichtungen für die Mitgliedskirchen und Forderungen an Regierungen und Wirtschaftsunternehmen in aller Welt.
Mit grosser Mehrheit spricht sich die Vollversammlung des LWB in ihrer sieben Seiten umfassenden «Botschaft» unter anderem für ein verstärktes Engagement gegen Armut und für mehr Nahrungssicherheit aus. Sie setzte damit auch das Tagungsmotto um: «Unser tägliches Brot gib uns heute». Die Tagung fand vom 20. bis 27. Juli in Stuttgart statt.
Die Delegierten möchten laut ihrer «Botschaft» das Bewusstsein für Umweltfragen schärfen, eine nachhaltige Entwicklung fördern, sich für den Erlass illegitimer Schulden einsetzen und der Ausgrenzung von HIV-positiven Menschen in Kirche und Gesellschaft entgegentreten.
Damit Frauen sich einbringen (können)
Darüberhinaus fasste die Vollversammlung eine Fülle von ergänzenden Beschlüssen, die zu konkretem Handeln auffordern. So sollen sich Mitgliedskirchen erneut verpflichten, die Richtlinien und Entscheidungen des LWB zur volle Teilhabe von Frauen am Leben der Kirche und der Gesellschaft umzusetzen.*
Auch sollten sie die nötigen kirchenrechtlichen Voraussetzungen schaffen, damit Frauen als Ordinierte und Nichtordinierte Leitungspositionen in den Kirchen übernehmen und eine Chance auf eine theologische Ausbildung erhalten könnten. Ansonsten könnten Frauen ihrer «gottgegebenen Berufung» nicht entsprechen, was einen «Verlust ihrer Gaben» und damit ein «Leiden für die ganze Kirche» bedeuten würde, heisst es in einem Beschluss.
Schutz des Menschen vor Kommerzialisierung
Eine weitere Resolution ruft die Mitgliedskirchen auf zum Schutz von Männern, Frauen und Kinder vor Menschenhandel. Die Erklärung wendet sich auch gegen die Kommerzialisierung des menschlichen Körpers in den Medien.
An der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes nahmen rund 1000 Delegierte, Gäste, Berater, Mitarbeitende und Interessierte teil. Sie stammten aus den LWB-Mitgliedskirchen in 79 Ländern.
* Der LWB setzt auf Frauen-, Jugend- und Laienquoten: „Die Prinzipien inklusiver Vertretung beinhalten die Forderung, dass allen leitenden LWB-Gremien wie auch Ausschüssen und Arbeitsgruppen sowie Gremien auf regionaler Ebene mindestens 40 Prozent Frauen und mindestens 40 Prozent Männer angehören sollen. Darüber hinaus sollen diesen Gremien mindestens 20 Prozent Jugendliche angehören, die zum Zeitpunkt der ersten Tagung des Gremiums, in das sie ernannt worden sind, unter 30 Jahre alt sind. Weiterhin soll für eine ausgewogene regionale Vertretung gesorgt werden. Zusätzlich wurde beschlossen, dass bei der Besetzung dieser Gremien berücksichtigt wird, dass ihnen mindestens 40 Prozent Laien (Nicht-Ordinierte) angehören."
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