Die USA und koptische Christen im Visier des Muslimzorns
Der US-Botschafter in Libyen, J. Christopher Stevens, und drei weitere Botschaftsangehörige sind in Benghasi getötet worden. In Kairo ist eine amerikanische Flagge verbrannt und die Botschaft beschmiert worden. Die Islamistenproteste in Ägypten und Libyen zeigen den hohen Grad der Gewaltbereitschaft in beiden Ländern.
Die Ereignisse hängen sicher mit dem Jahrestag des 11. September 2001 zusammen, als Al-Kaida ihren Terror bis ins Herz von New York und Washington trug. Unmittelbarer Anlass war jedoch wieder einmal der Vorwurf der Lästerung des Islambegründers Mohammed in einem amerikanischen Film. Für ihn sollen zudem ägyptische Christen in der US-Diaspora verantwortlich sein. Das lässt befürchten, dass es nach den antiamerikanischen bald auch antichristliche Ausschreitungen geben wird. Nicht nur in Ägypten, auch in Libyen. Dort leben nach wie vor, gerade in und um Bengasi, koptische Christen. Die meisten von ihnen haben das Land allerdings während der Revolution gegen Gaddafi verlassen.
Ein Werk koptischer Nationalisten
In Kairo haben jedenfalls junge Kopten in der Nacht auf Donnerstag vor der US-Botschaft ihrerseits eine Mahnwache angekündigt. Sie wollen damit ein Zeichen gegen jede Gewalt, aber auch gegen Verhöhnungen Mohammeds durch irregeleitete christliche Kräfte setzen. Die Kopten in Europa, die Schweiz inbegriffen, haben den Film mit Sexszenen aus dem Leben des Propheten klar verurteilt. Bei den Produzenten handelt es sich um radikale koptische Nationalisten. Sie fordern einen eigenen Staat in Ägypten. Das Christentum ist für sie Nebensache. So haben sie auch mit der koptischen Kirche gebrochen. Ihr Übergangspatriarch Pachomius war in Kairo der erste, der sich sowohl vom provokativen Film wie den durch ihn ausgelösten Gewalttaten distanziert hat.
Libysche Ordnungskräfte überfordert
In Libyen zeigen die blutigen Ereignisse in Benghasi, dass die neue, gemässigte Führung von Präsident Magarief noch immer nicht Herr der Lage geworden ist. Auch nach ihrem überzeugenden Wahlsieg vom Juli mucken extreme Politmuslime weiter mächtig auf. Zuletzt in Tripolis mit Zerstörung der Heiligtümer esoterischer islamischer Mystiker. Diese Zerstörungswut stand den Vernichtungen von Muslim-Kulturstätten in Timbuktu nicht nach. Und jetzt die Erstürmung des US-Konsulats von Bengasi. Hier wie dort kamen die libyschen Ordnungskräfte zu spät.
Passive Polizei in Kairo
In Kairo war die Polizei vor der amerikanischen Botschaft aufmarschiert. Sie griff jedoch nicht ein, auch nicht, als das Sternenbanner heruntergerissen und durch die schwarze Flagge der Salafisten ersetzt wurde. Ein weiteres Signal dafür, wie es um die insgeheim antiisraelisch/antiamerikanische Position der regierenden Muslimbrüder bestellt ist.