Er verlor neun Familienmitglieder

«Wir sollen Gott nicht verstehen, sondern nur vertrauen»

Als am vergangenen Sonntag in Texas 26 Menschen in einer Baptistengemeinde ermordet und viele weitere verletzt wurden, waren unzählige Familien betroffen. Joe Halcombe verlor neun Familienmitglieder. Doch dem Täter gegenüber empfindet er keinen Hass.

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Viele Menschen waren an der Trauerfeier des Texas-Attentats.
Joe Halcombe und seine Frau Claryce waren gerade im Gottesdienst, als sie den Anruf erhielten, der ihr Leben für immer verändern würde: In der Baptisten-Gemeinde, die ihre Kinder, Enkel und Grossenkel besuchen, der First Baptist Church in Sutherland Springs, hatte es ein schreckliches Massaker gegeben. Unter den 26 Todesopfern waren neun Familienmitglieder der Halcombes: Ihr Sohn Bryan, dessen Frau Karla und Sohn Marc Daniel Holcombe sowie dessen Tochter Noah; ausserdem die schwangere Frau ihres Enkels, Crystal Holcombe sowie drei ihrer Kinder.

Doch die Reaktion des 86-Jährigen ist fast unglaublich. «Wir sind stark», erklärte er gegenüber dem Portal Faithwire, denn er sei gewiss, dass sich die ganze Familie im Himmel wiedersehen wird. «Eines Tages werden wir wieder mit Bryan, seiner Frau und der ganzen Familie zusammen sein – darauf freuen wir uns.»

Kein Hass, nur Mitleid

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Joe Halcombe mit seiner Frau Claryce
Wenn jemandem mit einem Mal und durch die Tat eines einzigen Mannes neun Familienmitglieder entrissen werden, ist es nur verständlich, Worte des Hasses gegenüber dem Täter zu hören. Doch Joe Halcombe – inmitten der Trauer – fühlt nichts als Mitleid für den bei seiner Tat getöteten Täter: «Ich bin nicht verbittert und empfinde keinen Groll ihm gegenüber. Ich wünschte, er hätte es nicht getan, aber ich kann nur sagen, dass er für das, was er getan hat, bezahlen wird – und das wird ihm nicht gefallen. Aber ich hasse ihn nicht, er tut mir einfach leid.»

«Wir vertrauen allem, was Gott tut»

Unglaubliche Worte für einen Mann in dieser Situation. Doch Joe Holcombe fühlt sich gerade in dieser Zeit «ganz nahe bei Gott». Und so hat er auch für all diejenigen einen Ratschlag, die nicht verstehen können, wie Gott so etwas Grausames zulassen konnte und dazu noch in einer Kirche, während eines Gottesdienstes: «Gott will nicht von uns, dass wir ihn verstehen; er möchte, dass wir ihm vertrauen […] Wir können nicht verstehen, wie Gott arbeitet, aber wir vertrauen allem, was er tut.»

Joe Holcombes Enkel John, dessen schwangere Frau und drei Kinder in dem Massaker ums Leben kamen, überlebte, zusammen mit einer fünfjährigen Tochter; beide waren noch einige Tage zur Überwachung im Krankenhaus.

Zum Thema:
Wenn es auch Gläubige trifft: Hoffnung in einer brutalen Welt
Massaker in Texas: 26 Menschen sterben in Baptisten-Gemeinde
Nach Massaker 2015: Kirche in Charleston für Nobelpreis nominiert

Datum: 10.11.2017
Autor: Rebekka Schmidt
Quelle: Livenet / Faithwire

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