Nahost

Nuklearpoker

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Unruhige Zeiten: Irans Staatspräsident Ahmadinedschad (links) und Israels Ministerpräsident Netanjahu.
Irans Strategen bedrohen mit ihrem Nuklearprogramm nicht nur Israel, sondern werfen ihren Schatten über ganz Westasien, in dem die Schiiten eine kleine Minderheit sind. Der arabischen Halbinsel mit Saudi-Arabien und den Emiraten stehen unruhige Zeiten bevor. Die Hamas, zunehmend unter Teherans Fuchtel, bekommt Risse.

Der israelische Kommentator Aluf Benn spricht von einem nuklearen Pokerspiel Irans. Staatspräsident Ahmadinedschad droht dem Judenstaat die Vernichtung an, sollte dieser die Atomanlagen bombardieren. Sein Ton hat sich letzthin nochmals verschärft. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak reagierte mit der Aussage, für Irans Regime sei die Zeit abgelaufen; die Uhr ticke.

Ministerpräsident Netanjahu hat dargelegt, dass Israel keine Alternative bleibt, falls die Staatenwelt Iran nicht zur Vernunft bringt. Doch welche Optionen, fragt Benn, hat der Rechtspolitiker bei einem Scheitern des diplomatischen Drucks und der Sanktionen? Kann er sich noch mässigen - oder muss er seiner Drohrhetorik Taten folgen lassen?

Israel im Dilemma

Für den Haaretz-Journalisten ist klar, dass Israel unter einem Abnützungskrieg schwer zu leiden hätte. «Tel Aviv wird von Raketen getroffen werden, sein internationaler Flughafen geschlossen werden müssen.» Je länger der Krieg dauere, umso mehr internationale Konzerne würden das Land verlassen, ebenso helle Köpfe und Reiche. Netanjahu argumentiert genau umgekehrt: Wenn der Iran die Atombombe baut, wird Israels Wirtschaft wegen des Exodus der hellen Köpfe abstürzen.

In diesem Poker hat US-Präsident Obama laut Aluf Benn die schwächsten Karten. «Obama will den Iran nicht selbst angreifen und wird Mühe haben, Israel in der Stunde der Wahrheit zurückzuhalten.» Doch dass die USA ihren Verbündeten im Kriegsfall im Stich lassen würden, sei schwer vorstellbar. Derzeit erhöhten die Pokerspieler den Einsatz - in der Hoffnung, dass einer der Spieler aussteigt.

Hamas im Schatten Teherans

Leid tun können einem die Menschen im Gazastreifen, deren Herrscher eine Normalisierung verhindern, der Fatah kompromisslos entgegentreten, Israels Offerten für einen Gefangenenaustausch abweisen - und sich nun offenbar entzweien. Wie Avi Issacharoff schreibt, können die pragmatischen Chefs der Hamas in Gaza die immer stärkere Fernsteuerung durch den Iran nicht verhindern.

Für den Haaretz-Journalisten häufen sich die Schwächezeichen in der Hamas: Die Ermordung des Hamas-Oberschmugglers Mahmud Al-Mabhuh in Dubai durch Agenten zeigte undichte Stellen in der sunnitischen Kampforganisation an. Mosab Jussef, Sohn des Hamas-Mitgründers Scheich Hassan Jussef, outete sich als Informant des israelischen Geheimdienstes. Ende Februar warf Mahmud Zahar, einer der Chefs der Hamas im Gazastreifen, das Handtuch, frustiert über die extreme Linie des in Damaskus sitzenden politischen Chefs Khaled Meshal.

Sunniten gegen Schiiten

Laut Issacharoff geht ein tiefer Riss durch den islamischen Nahen Osten: «Ein gemässigtes sunnitisches Lager, geführt von Saudi-Arabien, Ägypten und Jordanien, steht im Krieg mit einer Allianz des Iran, Syriens und des Hisbollah.» Die Hamas sei von Meshal und seinen Leuten an Iran gebunden worden. Syrien, von den USA offen umworben, finde offenbar Gefallen an Teherans verwegenem Kurs. Neuerdings können Bürger Syriens und des Iran visafrei ins je andere Land reisen. Syriens Präsident Bashar Assad hat dem schiitischen Hisbollah mehr Waffen zugestanden, als dies sein Vater, ein gewiefter Taktiker, je tat - zum Schaden des Libanon, der der fanatischen Israel-Feinde nicht mehr Herr wird.

Wie war das noch, als auswärtige Mächte im Nahen Osten die Fäden zogen? Heute laviert Russland und China lässt seinen Energielieferanten Iran gewähren. Aus Europa ist zum Waffenklirren kein klares Wort zu vernehmen. Und im fernen Washington konzentriert sich Barack Obama darauf, die Gesundheitsreform durchs Parlament zu bringen...

Artikel zum Thema:
Sohn von Hamas-Führer wurde Christ

Datum: 06.03.2010

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