Erst die Patriarchengräber in Hebron, dann der Tempelberg und jetzt die "Davids-Stadt" in Ostjerusalem: Seit gut zwei Wochen stehen diese biblischen Stätten des Heiligen Landes im Brennpunkt. Den drei Orten ist gemeinsam, dass sie für Juden grosse religiöse Bedeutung haben - jedoch seit langem von Palästinensern bewohnt oder als muslimische heilige Stätten verehrt werden.
Ausgelöst wurde die letzte Serie palästinensischer Proteste, weil die israelischen Behörden die Hebroner Patriarchengräber sowie das Bethlehemer Rachelsgrab zum "nationalen israelischen Erbe" erklärten: Die Grabstätten im Westjordanland wurden einer Liste von insgesamt 150 archäologischen Stätten zugefügt, die für Israel von Bedeutung sind und für deren Erhalt umgerechnet 114 Millionen Franken fliessen sollen.
Die Ankündigung des israelischen Innenministeriums am Dienstag, in Ost-Jerusalem 1600 neue Wohnungen für jüdische Siedler zu genehmigen, setzt die Koalitionsregierung Netanjahu einer Zerreissprobe aus. Landwirtschaftsminister Shalom Simhon von der Arbeitspartei drohte, das Regierungsbündnis zu verlassen. Der Beschluss sei ein „schwerer Fehler". Palästinenserpräsident Mahmud Abbas liess erklären, ohne Baustopp werde er nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren.
Sturm der Entrüstung
Den Beschluss zu den Heiligen Stätten begründete die Regierung damit, dass die Gräber der Erzväter Abraham, Isaak und Jakob sowie das Grab von Jakobs Lieblingsfrau Rachel selbstverständlich jüdisches Erbe seien und Israel darum für den Erhalt Verantwortung zu tragen habe. Dem Sturm der Empörung in der arabischen Welt wie den tagelangen palästinensischen Demonstrationen in Hebron begegnete Regierungschef Benjamin Netanjahu mit Unverständnis: Die Religionsfreiheit werde gewahrt, von den geplanten Renovierungen würden auch Muslime profitieren.
Doch auch im westlichen Ausland ist man besorgt: Die Vereinten Nationen wie auch die USA bezeichneten das israelische Vorgehen als kontraproduktiv. Von kirchlicher Seite meldete sich der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, kritisch zu Wort. Er bezeichnete den israelischen Schritt als schwerwiegend und forderte das Ausland auf, sich der Sache anzunehmen.
Am 28. Februar wurden die Bewohner der Jerusalemer Altstadt vom plötzlichen Einsetzen der Minarett-Lautsprecher auf dem Tempelberg aufgeschreckt: Eine erregte Stimme forderte alle Muslime auf, den "El-Haram Asch-Scharif", zu deutsch: "Edles Heiligtum", mit Felsendom und El-Aksa-Moschee gegen die Übernahme durch jüdische Kräfte zu verteidigen.
Zionistische Pilger?
Vor den Patriarchengräbern, das umkämpfte Heiligtum Hebrons, sind strenge Sicherheitskontrollen zu passieren.
Kurz zuvor hatten rund 200 israelische Polizisten das Gelände gestürmt, weil eine Gruppe muslimischer Jugendlicher nach Polizeiangaben Touristen mit Steinen beworfen und sich in einer Moschee verbarrikadiert hatte. Bei den Touristen allerdings handelte es sich um Hunderte Asiaten, die T-Shirts mit pro-israelischen Symbolen übergezogen hatten: Nach Vermutungen von Augenzeugen zionistisch-evangelikale Pilger.
Unter israelischem Polizeischutz konnten sie den ganzen Vormittag den Platz mit dem Felsendom besuchen, wo bis zu seiner Zerstörung im Jahr 70 nach Christus der jüdische Tempel stand. Muslime protestierten, dass Siedlergruppen die Kontrolle über das umstrittene Gelände an sich reissen wollen.
Als zwei Tage später Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat einen städtischen Plan für die Entwicklung des Areals von "El Bustan" ankündigte, schlugen die Wogen erneut hoch: Das Gebiet liegt in dem palästinensischen Dorf Silwan just auf jenem Abhang, wo Archäologen die alte Stadt Davids vermuten. National-religiöse jüdische Siedler bemühen sich dort um die Gestaltung archäologischer Parks und graben zum Teil auf eigene Faust unter den Häusern der palästinensischen Nachbarn.
Gespräche gestoppt
Barkats Vorschlag: Statt 88 illegal gebauter palästinensischer Häuser sollten "nur noch 20" einem der geplanten Parks weichen. Die Bewohner würden in neue Unterkünfte gebracht. Auf Betreiben der USA jedoch stoppte Netanjahu persönlich den Bürgermeister, der weitere Gespräche "bis zum Erreichen eines Einverständnisses der Bewohner" ankündigte.
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