Seltsame Blüten treibt das umstrittene Blasphemie-Gesetz in Pakistan. Vor kurzem trat ein Minister auf den Plan, um eine offensichtlich haltlose Klage zu entkräften.
Victor Mushtaq, Staatsminister für Minderheitenfragen, begab sich selbst zum Pakistan Institute of Medical Sciences (PIMS) in der Hauptstadt Islamabad, als dort am 1. Juni 300-400 wütende islamische Studenten, darunter verschleierte Frauen, gegen die angebliche Blasphemie (Gotteslästerung) von Christen protestierten. Das Gerücht hatte sich verbreitet, vier Studierende hätten am 17. Mai Koranverse im Klassenzimmer entweiht. Die erregte Menge stiess Drohungen gegen die Christen aus.
Gegenüber dem christlichen Nachrichtendienst "Assist News Service" (ANS) sprach Mushtaq anschliessend von einer Verschwörung von Hardlinern, die einen Keil zwischen Christen und Moslems treiben wollten. Das Land strebe nach einem aufgeklärten Miteinander der Religionsgruppen; Extremisten wollten dies verhindern.
Empörung ohne Grund
Die Faisal-Moschee in der Hauptstadt Islamabad.
Der Staatsminister traf auf dem Institutsgelände die Schulleiterin. Diese forderte die Protestierenden auf, das behauptete Verbrechen gültig zu bezeugen: Wer tatsächlich Zeuge gewesen sei, solle seine Wahrnehmung schriftlich niederlegen und zur Bekräftigung seine Hand auf den Koran legen. Gegenüber ANS schloss der Minister nicht aus, dass Moslems aus Neid das Gerücht in die Welt gesetzt hätten. Eine der beschuldigten Frauen habe bereits Morddrohungen erhalten.
"Wenn ein Fanatiker der nah gelegenen Moschee sie töten würde, wären wir alle im Kreuzfeuer." Mushtaq zweifelte den Wahrheitsgehalt des Polizeirapports an; dieser sei verfasst worden, um den wütenden Mob an der Schule zu besänftigen. Am PIMS sind derzeit 35 Christen eingeschrieben.
Pakistan gehört mit über 165 Millionen Menschen zu den bevölkerungsreichsten Ländern der Erde. Über 95 Prozent der Einwohner sind Moslems - das sind mehr Nachfolger Mohammeds als in Ägypten, Saudi-Arabien und dem Irak zusammengenommen.
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