Vor den Olympischen Spielen in China wird darüber debattiert, wie viele Christen überhaupt in China leben: 130 Millionen oder 40 Millionen?
Derzeit kursieren zwei Zahlen. Bruno Wacker meint als Projektleiter der Menschenrechtsorganisation «Aktion für verfolgte Christen» (AVC), dass heute 100 bis 130 Millionen Christen in China leben. Die Zahl der Jesus-Gläubigen habe sich seit den 80er-Jahren ausgehend von den ländlichen Provinzen Anhui und Henan stark vermehrt, sagt Wacker. Die Erweckung geschehe insbesondere in den nicht registrierten Hauskirchen-Bewegungen. Christen aus diesem Lager würden heute von den Behörden schikaniert und bedrängt. Obwohl in China offizielle Glaubensfreiheit herrsche, könnten verantwortliche Leiter der Hauskreisbewegung jederzeit verhaftet, in Arbeitslager gesteckt und gefoltert werden.
Befragung zur Religion
Diesen Aussagen diametral entgegen stellt sich ein anderer China-Experte, dessen Organisation «China Partner» auch mit der Schweizer Allianz Mission (SAM) zusammenarbeitet. Werner Bürklin, der ehemalige Leiter von China Partner, behauptet nämlich, dass die Zahl von 130 Millionen durch eine angebliche, aber unbestätigte Aussage eines hohen chinesischen Regierungsbeamten in die Welt gesetzt worden sei. In Tat und Wahrheit habe bisher niemand zuverlässige Zahlen über das Christentum in China erhoben. Er habe darum im letzten Jahr durch eine Umfrage eigene Zahlen erhoben. Dabei sei ein Team in alle chinesischen Provinzen gereist (ausser Tibet) und habe 6323 Leute befragt, zu welcher Religion sie gehörten. Aus diesen Befragungen habe sich eine Zahl von 38 bis 40 Millionen Christen ermitteln lassen. Diese Zahl sei durch eine fast zeitgleich durchgeführte Studie der Universität Schanghai bestätigt worden.
Viele Sekten und Bibeln
Bürklin sagt, dass die Christen in grosser Freiheit zusammenkommen könnten, und dass es keine staatlich gesteuerte Politik der Christenverfolgung mehr gebe. Zu bedenken sei, dass es unter den nicht-registrierten Hausgemeinden auch viele Sekten gebe. Laut Bürklin werden in einer Druckerei in Nanjing pro Jahr sechs Millionen Bibeln gedruckt, auch in acht Sprachen von Minderheiten. Diese Zahl soll in Kürze verdoppelt werden.
Repression vor den Spielen
Ein anderes Bild zeichnet hier Bruno Wacker: Es gebe besonders auch vor den Olympischen Spielen wieder Anzeichen einer verstärkten Repression. So seien in einer Aktion im März 70 Hauskirchenleiter verhaftet worden. Etwa 100 Missionare seien ausgewiesen worden, beziehungsweise ihre Visa seien nicht verlängert worden. Der direkte Kontakt zwischen Einheimischen und Westlern bleibe vor allem ausgewählten, parteitreuen Leuten vorbehalten. Im Olympiadorf stelle die Regierung während der Spiele zwar Bibeln zur Verfügung. «Diese werden aber am Schluss wieder eingezogen, damit sie wenn immer möglich nicht in die Hände Einheimischer gelangen», berichtet Wacker.
Einig sind sich die beiden China-Kenner mindestens in einem Punkt: Die christlichen Gemeinden sind in China seit zwanzig Jahren am Wachsen. Dass während und nach der Zeit der Spiele die Diskussion um das chinesische Christentum weitergeht, ist so gut wie sicher.
Datum:
06.08.2008 Autor: Thomas Hanimann Quelle: ideaSpektrum Schweiz
Mit einer Pfingstkonferenz will die Vineyard-Bewegung über Pfingsten den geistlichen Aufbruch in Europa fördern. Wer ist die Vineyard, und was bewegt...