70 Jahre Pakistan

Blasphemie-Fälle häufen sich

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Am 14. August ist es 70 Jahre her, seit sich Pakistan von Indien löste. Von der einst zugesicherten Religionsfreiheit ist mittlerweile wenig übrig geblieben. Zuletzt reichte ein «falscher» Like auf «Facebook», um einen 16-Jährigen (!) hinter Gitter zu bringen.

Das seit dem Fall Asia Bibi (die fünffache Mutter ist seit mittlerweile acht Jahren in Haft) international bekannte pakistanische Blasphemie-Gesetz drängt immer mehr Christen aus ihrer Existenz. Ursprünglich war es in Indien von den Briten eingeführt worden, damals waren in diesem Gesetz alle Religionen gleich behandelt worden und die Bestrafung vergleichsweise mild.

1947 spaltete sich Pakistan von Indien ab, gemeinsam mit Bangladesch, das zunächst Pakistan-Ost hiess, aber mit der Zeit selbst Eigenständigkeitsgelüste verspürte. Pakistan verschärfte das Blasphemie-Gesetz alle paar Jahrzehnte, neue Abschnitte kamen dazu und im Zentrum stehen einzig «Beleidigungen» gegen den Islam. Die Urteile können mittlerweile die Todesstrafe beinhalten.

Geschäftsinhaber vor Gericht

Mehr als zwei Jahre führte Ashfaq Mashi in der Stadt Lahore ein Fahrradgeschäft. Im Gespräch mit einem Kunden sagte er, dass Christen Jesus für den entscheidenden Propheten hielten. Daraus entwickelte sich ein Streit, zu dem rasch etliche Menschen dazukamen.

Muhammad Ashfaq, Inhaber eines nahegelegenen Geschäfts und späterer Ankläger, sagte vor Gericht, Mashi habe seine «respektlose Haltung» auch vor mehreren Zuhörern beibehalten. Die herbeigerufene Polizei nahm ihn sofort fest, nun wartet er auf den Blasphemie-Prozess.

Unter dem herrschenden Blasphemie-Gesetz genügt schon der geringste Alltags-Anlass, um der Beleidigung des Islam angeklagt zu werden. Das Urteil kann schnell lebenslänglich oder sogar Todesstrafe lauten (die Vollstreckung bleibt normalerweise zugunsten einer Gefängnisstrafe aus). Selbst falls ein Gericht jemanden aus Mangel an Beweisen freispricht, kann die Person selten mehr in die angestammte Gegend zurückkehren, da aufgewiegelte Mobs oft Lynchjustiz verüben.

Asia Bibi weiterhin im Gefängnis

Obwohl der Anteil von Christen an der Bevölkerung nur etwa zwei Prozent beträgt – bei rund 96 Prozent Muslimen – waren mehr als ein Viertel der Anklagen wegen Blasphemie seit 1990 gegen Christen gerichtet; ebenso ist die hinduistische Minderheit proportional deutlich übervertreten.

Bekanntestes Beispiel dafür ist die fünffache Mutter Asia Bibi, die vor mittlerweile acht Jahren wegen angeblicher Beleidigung des Propheten Mohammed verhaftet wurde. Das gegen sie erlassene Todesurteil wurde zwar vor zwei Jahren vorläufig aufgehoben, es gibt jedoch keine weiteren Fortschritte in ihrem Prozess. Erst im April hatte ein muslimischer Geistlicher erneut die Hinrichtung der Christin gefordert.

16-Jähriger nach «Facebook»-Like im Gefängnis

Ashfaq Mashi und Asia Bibi sind keine Einzelfälle. Dem christlichen Teenager Nabeel Masih (16) wird beispielsweise Blasphemie zur Last gelegt, weil er angeblich ein diffamierendes Bild von der Kaaba, dem muslimischen Heiligtum in Mekka, «gelikt» und mit anderen geteilt haben soll. Seit September 2016 sitzt er im Gefängnis. Sowohl im Februar wie im Mai wurde der Antrag, ihn auf Kaution freizulassen, abgelehnt.

Ein Anwalt des Klägers schüchterte Nabeels Anwältin Aneeqa Maria Anthony ein: «Eigentlich müssten Sie wissen, dass Pakistan ein islamischer Staat ist. Sie sollten keinen Kriminellen verteidigen. Hier gibt es viele Leute, die ihr nicht sehen könnt; also solltet ihr euch vorsehen und wegbleiben. Geben Sie auf sich Acht und distanzieren Sie sich von diesem Fall.» Eine Drohung, die ernst genommen werden sollte: 2014 wurde Anwalt Rashid Rehman bedroht, weil er einen Mann verteidigte, der angeklagt war, einen «blasphemischen Post» auf Facebook «gelikt» zu haben. Bald darauf wurde er in seinem Büro ermordet. Und 2011 wurde der Gouverneur Salman Taseer und der Minister Shahbaz Bhatti ermordet, weil sie sich für Asia Bibi eingesetzt und gegen das Blasphemiegesetz ausgesprochen hatten.

Druck nimmt zu

Der Druck auf Christen in Pakistan nimmt stetig zu. Auf dem Weltverfolgungsindex rückte der 197-Millionen-Staat innerhalb von zehn Jahren von Rang fünfzehn auf vier vor. Auf dem Pressefreiheits-Index der «Reporter ohne Grenzen» liegt Pakistan auf Rang 139 von 180 Ländern, unter anderem hinter Afghanistan, Algerien oder den Palästinensischen Gebieten. Auf dem Korruptionsindex von «Transparency International» ist der südasiatische Staat auf Position 116 von 176.

Wirtschaftlich sieht es etwas besser aus, Pakistan liegt betreffend Bruttoinlandprodukt auf Rang 42 von 191 bewerteten Ländern (nicht zuletzt jedoch auch wegen seiner Grösse) und auf dem Global Innovation Index der Vereinten Nationen gehört das Land zu den 127 bewerteten Nationen und liegt dort auf Position 113.

Zum Thema:
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Datum: 13.08.2017
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet / Open Doors

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