Eine von vier Müttern in Grossbritannien lebt ohne Partner. Von diesen Frauen hat jede zweite nie mit einem Mann gelebt und plant es auch nicht, sondern setzt als Single auf staatliche Fürsorge. Die Folge: Millionen von Kindern wachsen ohne Vater auf - mit unheimlichen Folgen.
Wie viel zerbrochene Familien und vaterlos aufwachsende Kinder kann sich der Staat leisten? Was muss er vorkehren, um der Verrohung zu wehren und stabile Beziehungen, für die Gesellschaft grundlegend, zu stärken? In der Stosszeit am Donnerstag Abend fochten zwei Jugendgangs in der Victoria Station mit Messern eine Schlacht. Dabei wurde ein 15-Jähriger erstochen - vor den Augen entsetzter Pendler. Die Polizei verhaftete 20 Minderjährige.
Die Studie des britischen Soziologen Geoff Dench zu den alleinerziehenden, fürsorgeabhängigen Müttern hat die Kolumnistin Melanie Phillips in der Daily Mail vom 1. März zu einem weiteren Alarmruf provoziert. Phillips findet sich nicht damit ab, dass Millionen junger Britinnen ohne Mann auskommen wollen - und auch für ihre Kinder keinen Vater vorsehen.
Die Regierung liege mit der teuren Sex-Aufklärungs-Strategie (jährlich 280 Mio. Pfund) völlig daneben, wenn sie davon ausgehe, dass junge Frauen aus Unwissenheit schwanger würden, schrieb die Kolumnistin unter dem Titel „Ein bescheidener Vorschlag zur Rettung der Familie". Es überrasche nicht, dass nirgends in Europa so viele Teenager schwanger würden wie auf der Insel.
Worauf sich Mann und Frau einigten - früher
Phillips erinnert an die Übereinkunft der Geschlechter in früheren Zeiten: „Frauen waren sich bewusst, dass der Vater ihrer Kinder da sein musste, dass sie ihn bei der Erziehung brauchten." Anderseits habe sich der Mann der Mutter seiner Kinder verpflichtet auf dem Boden des Vertrauens, das er haben konnte: dass er, weil die Frau sexuell treu war, tatsächlich der Vater war. „Heute ist diese Übereinkunft praktisch verfallen."
Infolge von Frauenemanzipation, der Pille, wirtschaftlichen Veränderungen und staatlichen Fürsorgeleistungen sähen heute mehr junge Britinnen den Vater in der Familie als entbehrlich an. Es gibt immer mehr Nur-Frauen-Haushalte auf der Insel. „Aus dem Drehbuch der Familie sind Väter für drei oder vier oder mehr Generationen entfernt worden."
Kaputte Familie - zerbrochene Gesellschaft
Die Debatte ist so neu nicht: Nachdem UNICEF das Elend der Kinder in Grossbritannien beklagt hatte, brachte Oppositionsführer David Cameron die Sache schon im April 2007 auf den Punkt: „Wir haben zu viele Kinder, die sich als Erwachsene aufführen, und zu viele Erwachsene, die sich wie Kinder verhalten."
Vor Delegierten seiner konservativen Partei sprach Cameron unverblümt von einer „broken society": „Wenn wir unsere zerbrochene Gesellschaft wieder aufbauen wollen, müssen wir ein rechtes Fundament legen. Es ist - oder sollte sein - die Fürsorge für Kinder durch den Mann und die Frau, die sie in die Welt gebracht haben." Dabei zollte Cameron den alleinerziehenden Müttern und Vätern Tribut - sie hätten den „härtesten Job der Welt".
Welche Rolle die (Rettung der) Familie im kommenden britischen Wahlkampf spielen wird, bleibt abzuwarten.
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