Kommentar

Verantwortung schafft Vertrauen

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Ernst-Wolfgang Böckenförde
Es klappte einmal - doch die Wiederholung droht im Fiasko zu enden: Aus der EWG, der Wirtschaftsgemeinschaft, entwickelte sich aufgrund der wirtschaftlichen Dynamik die EU. Die Politik folgte der Ökonomie. Die Währungsgemeinschaft sollte die Länder weiter zusammenschweissen - nun steht der Euro-Raum in der Zerreissprobe, weil die politischen Kulturen zu verschieden sind und Rechenschaft jahrelang nicht eingefordert wurde. Das Trauerspiel der letzten Monate greift die Fundamente der EU an. Die grossen Euro-Länder haben sich den Vertrauensverlust selbst zuzuschreiben.

Der renommierte Jurist Ernst-Wolfgang Böckenförde hält den tieferen Grund für den Euro-Absturz fest: Das Vertrauen fehlt. Es fehlt nicht nur, weil Bürokraten zu viel Macht haben und das Projekt des europäischen Superstaats Macht- und Geldhunger weckt. Es fehlt aufgrund einer Geschichte, deren Wunden noch nicht verheilt sind (auch wenn das Miteinander in der EU zum Verheilen - oder Vergessen - beigetragen hat). Und es fehlt wegen einer zügellosen Säkularisierung der meisten Gesellschaften, in deren Verlauf Werte wie Verlässlichkeit über Bord geworfen wurden.

Das Schummeln der griechischen Politiker ist Symptom für eine unheimliche Verantwortungslosigkeit auf dem ganzen Kontinent. Weil Bürgerinnen und Bürger sich vor den Folgen fürchten, wollen sie nicht mehr Europa nach Brüsseler Art.

Solidarität entspringt der Kenntnis des Anderen und dem Vertrauen in ihn. Den Weg zur Gesundung kann die EU beschreiten, wenn sie sich auf Werte besinnt, die auf dem Kontinent lebten. Es sind die Werte des Christus. Das Wort «Minister» bedeutet «Diener». Wer in einer dienenden Gesinnung, verlässlich und transparent agiert, schafft Vertrauen. Es scheint ein rarer Artikel auf dem Markt zu sein.

Zum Thema:
Der Euro und die EU in der Krise

Datum: 22.06.2010

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