Grün, Grau und Blau: Was blüht Zürich nach dem 7. März?
Angesichts des grünliberalen Wirbelwinds in Zürich - die junge Partei gewann im Stadtparlament auf Anhieb ein Zehntel der 125 Sitze - mussten die Kleinparteien in der Mitte Haare lassen. In Winterthur verlor die EVP ihren Sitz in der Exekutive. Nik Gugger, für die zurückgetretene EVP-Stadträtin Maja Ingold in den Ring gestiegen, schaffte zwar die absolute Mehrheit, schied aber als überzählig aus.
Die Stadtzürcher EVP, die vor vier Jahren mit einem grossen Effort 4,5 Prozent Wähleranteil und eine eigene Fraktion schaffte, verlor ein Drittel (3,1 Prozent, statt 6 noch 4 Sitze). Mindestens so weh tut der Verlust ihrer fähigen Vertreter Richard Rabelbauer und Ernst Danner, die nicht mehr gewählt wurden.
Säkulares Zürich
In der Zwinglistadt ist es in, ohne religiöse Begründung zu tun, was man für gut und nötig erachtet. Für die nicht mehr angetretenen Stadträte Esther Maurer und Robert Neukomm, die als Protestanten gemässigt sozialdemokratisch politisierten, rücken mit Claudia Nielsen und André Odermatt zwei Vertreter der SP nach, die «als weit ideologischer, radikaler, wirtschafts- und verkehrsfeindlicher gelten» (NZZ). Die Zeitung bemerkte, dass Sozialdemokraten, wenn die Partei sie für die Stadtregierung nominiert, sich als gewählt betrachten können.
«Unideologisch» grün - und unverbraucht
Kopenhagen lässt grüssen: In der Limmatmetropole erhielten Grüne und Grünliberale zusammen über 21 Prozent der Stimmen (2006: 13,6 Prozent), während die SP von 33,7 auf 30,3 Prozent zurückfiel. Die drei C- und E-Parteien haben statt 12,8 noch 9,5 Prozent - weniger als die Grünliberalen allein!
Die EVP übersprang die in mindestens einem Wahlkreis geforderte 5-Prozent-Hürde nur ganz knapp (5,01!) - daher wird bis Dienstag nachgezählt. «Christliche Werte - menschliche Politik»: Ob dieser Slogan der Güggel-Partei zu wenig sagt, wird analysiert werden müssen. Zu ihrem Einbruch dürfte beigetragen haben, dass die EDU erstmals in allen Wahlkreisen antrat. Mit marginalen 0,7 Prozent (2006: 0,4) bleibt sie indes ohne Sitz.
Neue Mitte, bestätigte SVP
Nik Gugger.
Die Stadtzürcher Politik wird - bei geschwächter FDP - unberechenbarer. Denn SP, Grüne und Alternative haben ihre absolute Mehrheit verloren (statt 63 noch 58 Sitze). Nicht mehr EVP und CVP, sondern die Grünliberalen spielen das Zünglein an der Waage. Die SVP konnte ihre 24 Sitze halten, doch Konkurrenz und Gifteleien im Vorfeld verhinderten ein Wahlbündnis mit der FDP, wodurch diese einen Sitz in der Stadtregierung an die Grünen verlor.
In Winterthur landete Nik Gugger, Leiter der Fabrikkirche, nach engagiertem Wahlkampf 1430 Stimmen hinter der siebtplazierten Pearl Pedergnana, aber noch vor den Kandidaten der Grünliberalen und der SVP. Als achter schaffte er es nicht in die Exekutive. Ingolds Sitz ging an die FDP. Im Stadtparlament verlor die EVP einen ihrer fünf Sitze.
In den Stadtparlamenten von Uster und Opfikon konnte die EVP ihre Sitze (2 bzw. 3) halten, in Dübendorf und Illnau-Effretikon verlor sie je einen Sitz, und in Wädenswil hatte Kantonalpräsident Johannes Zollinger in der Ausmarchung ums Stadtpräsidium das Nachsehen gegen den 34-jährigen Senkrechtstarter Philipp Kutter von der CVP. Die EDU konnte ihre Stimmenzahlen bei den Wahlen in die Gemeindeparlamente laut eigener Homepage «durchwegs erhöhen und alle ihre Mandate halten» (2 in Uster, je 1 in Winterthur, Dübendorf und Wädenswil).