Der Alternativplan

Klare Gedanken im Nebel

Zoom
Tröstlich, dass das Bergrestaurant schon geöffnet hatte. Einsam waren sie durch den dichten Nebel gewandert. Peter, Fredi und Jens. Drei Studienkollegen, die sich jedes Jahr einmal zu einer Wanderung trafen.

«Hätte mir einen Alternativplan zurechtlegen sollen», entschuldigte sich Peter, als sie sich an dem langen Tisch im sonst leeren Restaurant niedergelassen hatten.

Doch Fredi begann – wie er es schon immer getan hatte – ohne Umschweife loszulegen: «Habe mir eine Bibel gekauft». «Oha!», «Jetzt wird’s spannend», platzte es gleichzeitig aus Jens und Peter heraus. «Und – schon Gründe für ein schlechtes Gewissen darin gefunden?» doppelte Jens nach. Sein ironisches Grinsen verriet aufkommende Schadenfreude. «Am meisten beschäftigt mich der Vers: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich» (aus Johannes, Kapitel 14, Vers 6), fuhr Fredi unberührt von den Reaktionen seiner beiden Kollegen fort. «Ich staune», unterbrach Jens. «Du hast grossartig Karriere gemacht, bist vermögend, oder besser gesagt steinreich, erscheinst in allen Zeitungen, geniesst in der ganzen Schweiz ein hohes Ansehen, und jetzt beginnst du plötzlich auf fromm zu machen! Das wird wohl gut ankommen!» Peter, ihm gegenüber, lehnte sich still zurück. Er hatte schon lange gehofft, dass Fredi irgendwann mal zum Nachdenken kommt.

«So gelungen meine bisherigen Wege auch aussehen mögen», fuhr Fredi mit belegter Stimme fort, «es fehlt mir je länger je mehr der tiefere Sinn dahinter. Bin zwar dauernd unterwegs, weiss aber nicht wirklich wohin. Ehrlich gesagt, ich fühle mich leer.»

Es wurde still am Tisch. «Was denkst du», begann Peter zaghaft das Schweigen zu brechen, «was falsch ist an deinen Wegen?»

Erstmals an diesem Tag blickten sich die drei Männer lange und ruhig in die Augen.

«Mir noch einen Kaffee, mir einen Tee – und noch einen Zweier Weissen, bitte!» Fredi wurde sachlich: «Bald werde ich sechzig. Und die Tür, durch die ich am Ende einmal gehen muss, kommt unaufhaltsam näher – übrigens auch bei euch beiden! Aber nicht jede Tür führt dorthin, wo ich einmal sein möchte. Deshalb meine Zweifel! Ich weiss zwar, dass in meinem Fall wirtschaftliches Denken, kühle rationale Entscheide, klare politische Statements Reichtum und Ansehen bringen können. Aber eben, der Weg, die Wahrheit und das wohl wahre Leben, sagt Jesus, sei Er. Und das ist es, was ich eigentlich schon mein Leben lang wollte, aber völlig aus den Augen verlor».

Jens, sonst cool im Nehmen, schwieg betroffen. «Es erging mir vor zehn Jahren ganz ähnlich», gestand Peter in ruhigem Ton. «Und?» blickten ihn die beiden erwartungsvoll an. «Damals las ich auf einem Plakat: Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat (aus Johannes, Kapitel 3, Vers 16). Da hat es bei mir gefunkt. Ich fühlte mich zu der Zeit sehr verloren und aus diesem Zustand wollte ich unbedingt heraus. So begann ich, Jesus zu suchen – war allerdings überrascht, wie leicht er sich finden lässt.» Behutsam legte Fredi seine Hand auf Peters Schulter. «Danke mein Freund, du machst mir Mut. Ich glaube, ich sehe jetzt den Weg.» Entschlossen rief er: «Zahlen bitte!» Jens, aus noch nie dagewesenen Gedanken aufgeschreckt: «Du hast es aber eilig. Übrigens, wo hast du die Bibel gekauft?»

Zum Thema:
Unbeschwerte Ewigkeit – schon jetzt
Ein Navigations App für jeden Bodenpiloten


Autor: Hans Esslinger

Anzeige

RATGEBER

Tipps aus der Praxis Wie Sie Ihre Ziele erreichen
Es ist leichter, ein Ziel zu formulieren, als es zu erreichen. Coach Markus Döbeli gibt ein paar...

Anzeige

VERANSTALTUNGEN

Voranmeldung bis Mittwoch 5. Juni
6.-9. Juni 2013 in Thun