Wer ist Gott? Gar nicht so einfach zu beantworten die Frage. Die einen Christen bezeichnen ihn als ihren Freund. Die anderen betonen seine Allmacht, Größe und Herrlichkeit. Die dritten sind schließlich davon fasziniert, wie klein und ohnmächtig Gott sich machen kann, in einem kleinen Kind an Weihnachten, oder wie verletzlich am Kreuz von Golgatha.
All das ist unzweifelhaft richtig. Und dann ist es doch wohl ganz in Ordnung, wenn jeder sich so seine Lieblingseigenschaft Gottes rauspickt. Jedem sein eigenes Bild von Gott. Oder?
Ganz so einfach macht es sich der Prophet Jesaja nicht. Als er sieht, wie sein Volk selbstverschuldet ins Verderben rennt, wendet er sich an Gott. Jesaja will einen gnädigen Gott! Einen, der ihn hört und erhört. Man könnte meinen: Jetzt ist der "Freund" Gott gefragt. Und tatsächlich redet Jesaja Gott ganz vertrauensvoll an:. Herr, du bist doch unser Vater! Du kannst uns doch nicht einfach hängen lassen. Doch im selben Atemzug wird dem Propheten noch etwas ganz anderes bewusst: Wir sind Ton, du bist unser Töpfer, und wir alle sind Deiner Hände Werk.
Ja, Gott ist unser Vater, dem wir unser Herz ausschütten können, dem wir auch mal weinend in den Armen liegen dürfen. Ja, wir dürfen ihm sogar - so unglaublich es klingt - auf Augenhöhe begegnen - täglich! Und doch gibt es einen entscheidenden Unterschied: Während mein leiblicher Vater eben auch nur ein Mensch ist, so ist Gott mein Schöpfer. So sehr ich Gott auch anbetteln und anflehen darf: Das letzte Wort hat er. So sehr ich mich manchmal nach einer Gebetserhörung sehne: Es ist Gottes Sache, ob und wann er sie mir schenkt.
Das braucht und soll meine Beziehung zu Gott nicht beeinträchtigen. Jesaja hat es nicht mehr erlebt, dass sein Volk dem drohenden Unheil entgangen ist. Aber trotzdem hatte Gott einen guten heilvollen Plan mit Israel. Auch das durfte Jesaja erfahren.
Und so ist und bleibt Gott ein Freund, ein liebevoller Vater - und doch gleichzeitig ganz Gott.
Datum:
26.11.2004 Autor: Oliver Jeske Quelle: ERF Deutschland
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