Im Mittelalter wurden des öfteren Leute an den Pranger gestellt, die ihre Mitbürger geschädigt hatten. Pranger gibt es nicht mehr, zum Glück. Doch manchmal wäre es ganz gut, wir könnten das offen aussprechen, was uns an anderen stinkt. Statt dessen passiert das meiste "hinten herum". Denken wir nur an das Meckern über den Chef oder über einen abwesenden Arbeitskollegen in eine Pause. Aber auch in der breiten Öffentlichkeit, in den Medien werden Menschen immer wieder durch den Kakao gezogen.
In unserem Leben gibt es immer Dinge und Leute, die uns gehörig auf den Wecker gehen... Wie ging Jesus damit um?
Als Jesus durch die Stadt ging, sah er den Zolleinnehmer Matthäus am Zoll sitzen. Jesus forderte ihn auf: "Komm, geh mit mir!" Sofort stand Matthäus auf und folgte ihm.Später war Jesus mit seinen Jüngern bei Matthäus zu Gast. Matthäus lud viele seiner Kollegen ein und andere Leute, die ebenso verrufen waren."Weshalb gibt sich euer Lehrer mit solchem Gesindel ab?" empörten sich die Pharisäer.Jesus hörte das und antwortete: "Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken!"Und er fügte hinzu: "Begreift doch endlich, was Gott meint, wenn er sagt: ‹Nicht auf eure Opfer oder Gaben kommt es mir an, sondern darauf, daß ihr barmherzig seid.› Meine Aufgabe ist es, Sünder in die Gemeinschaft mit Gott zu rufen und nicht solche, die ihn schon kennen."
Matthäus, der Zöllner, und seine Freunde waren Leute, die im Mittelalter am Pranger gestanden hätten. Zu solchen Leuten ging Jesus. Mit ihnen hat er sogar gegessen. Und der grösste Hammer: Solche hat er zu seinen Jüngern gemacht. Wie konnte das passieren?
Offensichtlich sieht Jesus die Menschen mit anderen Augen als wir. Wir sehen die Fehler, wir sehen all das, was die anderen "nicht bringen". Und vielleicht meinen wir: Gut, dass ich nicht so bin, wie der oder die. Wie schnell meinen wir, etwas Besseres zu sein.
Wenn Jesus die Leute ansieht, auch uns, dann sieht er natürlich auch alles Kranke und Kaputte und das, was nichts ist. Und es bleibt dabei: Er hasst die Sünde! Aber, und das unterscheidet ihn von uns, er liebt den Sünder. Darum ging er auf die ausgegrenzten und fertigen Typen zu. Er sah in ihnen die Menschen, die auf eine neue Chance warteten. Er bot ihnen die Chance zu einem Neuanfang. Für ihr Versagen, für all den Schrott, den sie in ihrem Leben produziert hatten, dafür hat er bezahlt. Für sie ging er ans Kreuz. Jesus liebt die Sünder. Das gilt auch noch heute. Das gilt für alle, die wir gerne an den Pranger stellen würden. Das gilt aber auch für uns. Denn auch wir haben bei Gott nur eine Chance, weil Jesus für uns ist!