Jesus als Vorbild (2): Er liebt die Menschen

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Jesus zeichnet sich dadurch aus, dass er die Menschen annnimmt, ernst nimmt und auf einen Weg voller Herausforderungen mitnimmt.

Rabbi nennen die Juden die Gelehrten, die ihnen den Weg durchs Leben zeigen. Jesus ist ein eigenartiger Rabbi. Er hat sich die Heiligen Schriften von Kind auf angeeignet und lehrt sie mit grosser Autorität und überraschenden Pointen. Nicht dies aber hält den Kreis von Männern und Frauen zusammen, der sich um ihn gebildet hat.

Faszinierende Liebe

Es ist seine Liebe zu den Menschen, die Jesus aus allen Weisheitslehrern heraushebt und ihn so faszinierend macht. Mit einer unfehlbaren Intuition, die vom Himmel stammen muss, erfasst er, wer die Menschen sind und was sie bewegt. Er sieht in ihr Herz. Und wendet sich nicht ab bei dem, was er sieht, sondern bleibt dran, hilft.

Er weiss, dass die Frau, die er am Brunnen trifft, eine Serie verunglückter Beziehungen hinter sich hat. Doch sagt er ihr dies nicht auf den Kopf zu, sondern weckt in ihr erst ein Verlangen nach dem Wasser, das den tiefsten Durst nach Glück stillt (Johannes 4,10). Sie bleibt mit ihm im Gespräch, weicht nicht aus. So wird ihr Leben verwandelt, bekommt an diesem Tag eine neue Richtung.

Der Mann, der sich verschenkt

Jesus verschenkt sich an die Menschen. Kein Wunder, dass sie ihn bestürmen. Er lehrt und antwortet auf Fragen, gibt Rat und heilt. Er hat Zeit. Oft dauern seine Dienste bis in die Nacht. Endlich kann er sich von den Menschen lösen.

Die Überfahrt über den See benutzt er zum Schlafen. Da kommt ein schwerer Sturm auf, Wellen schlagen ins Boot; er schläft immer noch. Die Jünger verzweifeln, wecken ihn. Er weist sie wegen ihrer Angst zurecht, erinnert sie daran, dass sie Gott für ihr Leben unbedingt vertrauen können (Matthäus 8,25). Und bringt dann die Winde mit einem Wort zum Stehen.

Wer ist der Chef?

Kurioses läuft zwischendurch ab im Kreis der zwölf Jünger, der vertrauten Freunde, die Jesus um sich hat. Die Diskussionen um ihre Rangordnung beendet er mit dem Hinweis darauf, dass die Liebe sich im Dienen erfüllt. „Wer gross sein will unter euch, der soll euer Diener sein“ (Markus 10,43). Was dies bedeutet: was Jesus selbst damit meint, erfassen sie nicht. Es verwirrt sie, dass er, der Rabbi, gar ihre Füsse wäscht (Johannes 13,5).

Zuviel verlangt!?

In seiner Liebe bringt Jesus zwei Dinge zusammen, die meist auseinanderfallen: Er nimmt Menschen ganz ernst – und lässt sie doch nicht, wo sie sind, sondern führt sie über ihre Grenzen hinaus. „Alle Gebote habe ich gehalten, seit ich davon wusste“, sagt ihm ein Mann mit ernster Stimme, „da steht mir doch bestimmt der Himmel offen, das ewige Leben.“ Jesus blickt ihn an, beschreibt Markus die Szene, „und gewann ihn lieb“.

Mit aller Wertschätzung, die in einem Blick liegen kann, würdigt Jesus diesen Mann (Markus 10,21). Und sagt dann: „Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach!“ Der Mann reagiert mit Unmut – dass ihn der Rabbi auffordert, sich von seinem Reichtum zu trennen und mit ihm unterwegs zu sein, ist doch zuviel verlangt!

Und wir?

Wie würden wir reagieren? Der Mann steht vor Jesus, spürt seine Liebe, die zum Wesentlichen durchdringt. Schmerzhaft, herausfordernd. Was hat Priorität? Würden wir alles aufgeben, um mit Jesus unterwegs zu sein? Der Mann geht traurig davon, berichtet Markus. Jesus hält ihn nicht zurück. Mit seiner Liebe fordert er heraus, aber zwingt uns nicht.

Gemeinschaft der Liebe

Jesus liebt seine Mutter Maria, seine Brüder und Schwestern. Doch er weiss – und betont es gerade in dem Moment, da sie eine Privataudienz bei ihm verlangen –, dass eine andere Familie vor Gott wichtiger ist: die Gemeinschaft von allen, die seine Worte hören und danach leben (Matthäus 12,50). In dieser Familie, der Kirche, war und ist die Liebe von Jesus am Wirken. Seit bald 2000 Jahren. Jesus der Auferstandene bleibt der Liebende. Er liebt jede, die seine Liebe annimmt, jeden, der sich auf ihn einlässt.

Zur Artikelserie:
Jesus als Vorbild (1): Freude am Leben – und Sehnsucht nach mehr
Jesus als Vorbild (3): Friedensstifter in unruhiger Zeit
Jesus als Vorbild (4): Ein grosses Herz für die Menschen
Jesus als Vorbild (5): Die Freundlichkeit Gottes in Person
Jesus als Vorbild (6): Jetzt können Versager hoffen
Jesus als Vorbild (7): Kraftvoll und gelassen
Jesus als Vorbild (8): Der Mann, der aneckt, weil er das Gute will
Jesus als Vorbild (9): Ein Diener, der alles auf den Kopf stellt
Jesus als Vorbild (10): König der Herzen
Jesus als Vorbild (11): Perspektiven für ein gelingendes Leben


Quelle: Jesus.ch

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