Jesus als Vorbild (11): Perspektiven für ein gelingendes Leben

Jeder Realist würde sich an die Kehle greifen, wenn er spürte, wie sich die Schlinge zusammen zieht. Nicht so Jesus.

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Er weiss, dass seine Tage als Wanderprediger im Volk der Juden gezählt sind. Er ist nach Jerusalem gekommen, um seinen Anspruch als Gottes Gesandter anzumelden und die Mächtigen in der Hauptstadt damit zu konfrontieren. Sie haben sich ihm verweigert, haben ihn blosszustellen versucht – ohne Erfolg.

Einmal in der Stadt, ist Jesus an allen Ecken bespitzelt worden. Jedes seiner Worte wurde den Feinden zuzutragen. Sein Verderben ist ihr Plan. Sie warten auf die erstbeste Gelegenheit, ihn zu erledigen. Und Jesus wird sich ihnen stellen, sich ihnen ausliefern – und erleiden, was sie ihm antun.

Der Meister, der vorausschaut

Aber Jesus ist mehr als der Prophet, der gegen die Mächtigen antritt. Er ist auch der Meister einer Gemeinschaft. Er hat zwölf Männer berufen, mit ihm zu wandern, von ihm zu lernen und wie er zu predigen und zu heilen. Sie haben Jahre mit ihm gelebt und trotz Rivalitäten und Streit zusammengehalten. Denn er als ihr Meister hat sie geführt, zurechtgewiesen, aufgerichtet – und immer wieder beglückt mit seinen wunderbaren Taten und Worten. Was wird aus ihnen, wenn es ihm an den Kragen geht?

In Ergänzung zum Bericht der drei ersten Evangelien schildert Johannes ausführlich, was Jesus am Gründonnerstag Abend seinen engsten Freunden mitteilt (Johannes 13-16). Wenige Stunden vor seiner Verhaftung nimmt er sich nochmals viel Zeit für die Zwölf. Erschreckendes sagt er ihnen – und tröstet sie zugleich. Er bereitet sie vor auf die Zeit, welche unvorstellbar anders sein wird: Er, der Meister, geht weg! Er wird nicht mehr als Mensch unter ihnen leben – und doch bei ihnen präsent sein, durch seinen Geist in ihnen wirken.

Stifter einer neuartigen Gemeinschaft

Dieser Geist, der Heilige Geist Gottes, wird sie zusammenbinden auf eine bisher nie dagewesene Art – und sie haben ihm Raum zu geben, indem sie einander unbedingt lieben (Johannes 13,34). Und indem sie seine Worte halten. Das schliesst ein, dass sie diese Worte nicht vergessen, sie einander in Erinnerung rufen, danach leben und im Vertrauen auf diese Worte handeln. So können sie in ihm bleiben und weitertreiben, was Jesus angestossen hat: Gottes Herrschaft unter den Menschen. „Wer im Glauben mit mir verbunden bleibt“, versichert Jesus, „wird die gleichen Taten vollbringen, die ich tue. Ja, er wird noch grössere Taten vollbringen…“ (14,12).

Freundlichkeit und Glaube gegen Hass

„Bleibt in mir und ich in euch.“ Jesus verdeutlicht diese Weisung mit dem Bild des Rebstocks, der seinen Saft in die Reben fliessen lässt. Sie können Frucht bringen, weil er durch sie wirkt; sie werden erfolgreich sein, weil er sie inspiriert. Nicht als die Bewegung, welche die einzig richtige Lehre hat und alle Widerstände bricht, sondern als tragfähige Gemeinschaft, die mit Gottes Eingreifen rechnet und sich von seiner Macht überraschen lässt.

Und dies gegen alle Widerstände durchhält. Jesus macht kein Hehl daraus, dass auch seine Jünger mit Hass rechnen müssen, nachdem ihn Hass getroffen hat. Aber sie sollen sich nicht verhärten, keine Panzer zulegen noch sich einbunkern. Denn der Heilige Geist wird Menschen verändern, Fronten aufbrechen, unübersehbare Zeichen von Gottes Macht setzen. „In der Welt wird man euch hart zusetzen, aber verliert nicht den Mut: Ich habe die Welt besiegt!“

Zur Artikelserie:
Jesus als Vorbild (1): Freude am Leben – und Sehnsucht nach mehr
Jesus als Vorbild (2): Er liebt die Menschen
Jesus als Vorbild (3): Friedensstifter in unruhiger Zeit
Jesus als Vorbild (4): Ein grosses Herz für die Menschen
Jesus als Vorbild (5): Die Freundlichkeit Gottes in Person
Jesus als Vorbild (6): Jetzt können Versager hoffen
Jesus als Vorbild (7): Kraftvoll und gelassen
Jesus als Vorbild (8): Der Mann, der aneckt, weil er das Gute will
Jesus als Vorbild (9): Ein Diener, der alles auf den Kopf stellt
Jesus als Vorbild (10): König der Herzen


Quelle: Jesus.ch

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