Erstaunlich, wie wir es hinkriegen, uns mit Unterhaltung von Wesentlichem abzuhalten. Erstaunlich und kläglich. Jesus findet sich nicht damit ab.
Jesus hat ein untrügliches Gespür für die Motivation der Leute, die zu ihm kommen. Ihre Erwartungen, auch unausgesprochene, beschäftigen ihn - aber bestimmen ihn nicht. In seinen Unterhaltungen lässt er sich stören, wenn Kranke, psychisch Belastete oder von Dämonen Geplagte zu ihm gebracht werden.
Projektionsfläche
Der Mann aus Nazareth wird zur Projektionsfläche. Manche Leute wollen von ihm in ihren Ansichten bestätigt werden, ihr Verlangen nach Harmonie, nach Wohlleben oder nach Aussergewöhnlichem befriedigt haben. Die wenigsten geben es sich zu - eigentlich sind sie auf gute Unterhaltung aus. Eine bessere Show als dieser Wanderprediger, mehr Wunder und Pointen, legt keiner hin. Es verwundert nicht, dass sich immer wieder Menschentrauben bilden in den engen Gassen Galiläas.
Unterhaltung, bitte!
Heute laufen besonders viele Schaulustige herzu. Was ist ihr Motiv? Abwechslung im harten Alltag mit seinen hohen Steuern und Abgaben und der Brutalität der römischen Besatzer? Wer wollte ihnen verargen, dass sie sich im Glanz des Wundertäters sonnen wollen, für einige Stunden wenigstens... Doch ist da einer, der Jesus auf seinem Weg wirklich folgen, der seine Botschaft ernst nehmen und danach leben will?
„Dieses Geschlecht ist ein böses Geschlecht", lässt sich der umschwärmte Prediger vernehmen. Wie bitte? Will er seine Zuhörer vergraulen? So böse kann das Volk doch nicht sein! Doch Jesus legt den Finger auf den wunden Punkt - dass die Leute, statt wirklich hinzuhören, als Zeichen von Gottes Kraft Wunder sehen wollen: „Dieses Geschlecht fordert ein Zeichen, doch ihm wird kein Zeichen gegeben werden ausser dem Zeichen des Jona" (Die Bibel, Lukas 11,29).
Wunder abgesagt
Auf dem Boulevard statt Sensation Absage, statt Schlagzeile Ohrfeige. Ein Raunen geht durch die Menge. Was meint Jesus mit Jona, dem Unheilspropheten wider Willen? Er fährt fort: „Denn wie Jona zum Zeichen geworden ist für die Leute von Ninive, so wird es auch der Menschensohn werden für dieses Geschlecht. Die Königin des Südens wird im Gericht auftreten gegen die Männer dieses Geschlechts und sie verurteilen. Denn sie kam vom Ende der Erde, um Salomos Weisheit zu hören. Hier aber ist mehr als Salomo! Die Männer Ninives werden im Gericht auftreten gegen dieses Geschlecht und es verurteilen, denn sie sind dem Ruf des Jona gefolgt und umgekehrt. Hier aber ist mehr als Jona!"
Ninive als Gegenbild
Das ist dicke Post. Offenbar macht Jesus die Kluft zwischen Hören und Tun schwer zu schaffen. Das Interesse ist oberflächlich, die Bereitschaft, das Leben zu ändern, nicht da. Jesus leidet auf dem Boulevard - und stellt klar, dass diese Haltung bei Gott nicht durchkommt. Das Drama des Jona-Buchs ist bekannt: Die Leute von Ninive, Heiden, die nichts von Gott wussten, kehrten auf die Gerichtspredigt Jonas hin um: Sie gestanden ihre Bosheit ein und taten Busse in der Hoffnung, Gottes Strafgericht von der Stadt abzuwenden (was dann tatsächlich, zum Ärger des Propheten, auch geschah!). Die legendäre Königin von Saba anerkannte Salomos Weisheit als die überlegene an - „und hier ist mehr als Salomo".
Gott zieht euch zur Rechenschaft, will Jesus sagen. Was immer an Wundern geschieht - weil er es gut mit euch meint und euch wiederherstellen und heilen will -, darf nicht von eurer Verantwortung ablenken, nach seinem Willen zu handeln. - Jesus lebt, um den Willen des Vaters im Himmel zu tun, und fügt sich ihm in allen. Und wir?
Super, dass du auf diese Seite gelangt bist. Vielleicht hast du ziellos herumgesurft. Vielleicht hast du «gegoogelt». Wer du auch bist, ich ermutige...