Patrick Schwarzenbach lebt zurzeit im Steineggwald ob St. Gallen. Im Rahmen des Gallusjubiläums möchte der 28-Jährige Jungpfarrer und Doktorand hier als «Gallus 2.0» leben, meditieren und lesen. Der Legende nach wohnte auch Gallus, der Stadtgründer St. Gallens, als Einsiedler im Wald.
Sein Start Anfang Juni im Dauerregen war hart. Mit dabei hat Patrick Schwarzenbach, der als Jugendpfarrer bei der evangelischen Kirche arbeitet, Biwakblachen, Gaskocher, Proviant – und Bücher: «Textstudium und Spiritualität sind wichtig bei meinem Trip.» Bei dem Projekt, das im Rahmen des Gallusjahres 2012 läuft, möchte er sich bis Ende August aus dem Alltag ausklinken und «wahre Bedürfnisse erkennen».
Kein Survival-Trip
Nebst Spiritualität kümmert sich «Gallus 2.0» um alltägliche Dinge: «Holzsammeln wird viel Zeit in Anspruch nehmen.» Und einmal pro Woche wird er nach St. Gallen wandern und sich mit Lebensmitteln eindecken.
«Ich mache keine Survival-Übung!», sagt er gegenüber dem Regionaljournal von Radio DRS, das ihn dort in der Hütte im Wald bei strömendem Regen besucht hat. Dass sein Projekt wegen zivilisatorischem Luxus wie Gaskocher, Biwak Blachen und Handy kritisiert wird, das stört den Jungpfarrer wenig. Natürlich lebe er nur mit dem Nötigsten, soweit dies möglich sei. Es gehe ihm vielmehr um den Rückzug in die Stille als um die Überlebensübung.
Gemeinsam einsam
Wer will, kann Schwarzenbach besuchen und mit ihm diskutieren, meditieren und arbeiten. Bis zu zwölf Leute können auch im Wald übernachten. Sie müssen eigenen Proviant und ein Zelt mitbringen. Gelesen werden philosophische und religiöse Texte, aber: «Alter und Konfession meiner Besucher sind egal, jeder kann kommen.» Sollte der Eremit gerade nicht anwesend sein, sei der Zeitpunkt seiner Rückkehr jeweils in einem Logbuch vermerkt.
Katzenwäsche und Mäuse
Am meisten vermisse Patrick Schwarzenbach die warme Dusche und die sozialen Kontakte. Das Alleinsein sei eine grosse Mutprobe. Das aber sei der Sinn dieses Projekts. Er wolle sich ganz bewusst seinen Ängsten stellen, meint Schwarzenbach und erklärt: «Was ich tagsüber als Nebengeräusche wahrnehme – etwa das Knacken von Ästen oder Tropfen von Wasser – wirkt in der Nacht äusserst beunruhigend.»
Auch über Twitter lässt der Eremit die Welt an seinem Erleben teilhaben, verkündete kürzlich die Erkenntnis: «Auch ohne Speck kommen die Mäuse.»