Ereignete sich die Sintflut am Schwarzen Meer? Amerikanische Forscher uneins

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Die These, dass dem biblischen Bericht von der Sintflut ein plötzliches Ansteigen des Schwarzen Meeres um 70 Meter zugrundeliegt, gerät ins Wanken. Forschungen der US-Geophysiker Walter Pitman und William Ryan (New York) besagen, dass das Schwarze Meer bis vor etwa 7.500 Jahren ein kleiner Süsswassersee in einer stark bevölkerten Landschaft gewesen sei. Nach einem Bruch der Bosporus-Landbrücke zwischen Europa und Asien sei sie mit Mittelmeerwasser vollgelaufen.

In den folgenden Jahrhunderten seien beide Gewässer um weitere 50 Meter gestiegen. Der Durchbruch der Wassermassen zum heutigen Schwarzen Meer sei rund 100 Kilometer weit zu hören gewesen. Die Bewohner der südlichen Schwarzmeerküste seien nach Mesopotamien geflohen, wo ihre Erzählungen vermutlich zur Geschichte von der biblischen Sintflut geführt hätten. Die Überlegungen der Wissenschaftler wurden von einem amerikanisches Forschungsteam unter Leitung von Robert Ballard (Woods Hole, Massachusetts) unterstützt, der rund 140 Meter unter dem heutigen Wasserstand des Schwarzen Meeres eine alte Küstenlinie entdeckte.

Bereits vor 10.000 Jahren Salzwasser im Landesinneren

Die seit Mitte der 90er Jahre bekannte Theorie wird jetzt von einem internationalen Geologenteam unter der Leitung von Jun Abrajano (Troy bei New York) bestritten. Diese Gruppe untersuchte den Boden des Marmarameeres zwischen Mittel- und Schwarzem Meer und kam zu dem Ergebnis, dass es bereits vor 10.000 Jahren Salzwasser im Landesinneren und demnach eine Verbindung zum Mittelmeer gegeben habe. Auf diesem Wege sei der Wasserspiegel im Schwarzen Meer innerhalb von etwa 2.000 Jahren langsam angestiegen. Von einer Flut könne keine Rede sein. Abrajano will seine Erkenntnisse im Laufe des Jahres in dem internationalen Forschungsjournal Marine Geology veröffentlichen. Das Renseelaer-Polytechnikum in Troy, für das der Chef-Geologe tätig ist, überschrieb seine Pressemitteilung mit “Hypothese über Noahs Flut gerät ins Wanken”.

Evangelikale: Bibel beschreibt weltweites Geschehen

Auch nach Ansicht der evangelikalen Studiengemeinschaft “Wort und Wissen” (Baiersbronn bei Freudenstadt) ist Pitmans und Ryans Theorie nicht mit der Bibel vereinbar. Diese beschreibe keine regionale Katastrophe, sondern ein weltweites Geschehen, sagte Studienleiter Reinhard Junker gegenüber idea. In der Bibel habe die Sintflut eine heilsgeschichtliche Bedeutung. Wie ausserhalb der Arche Noah alle Menschen verloren gewesen seien, gebe es auch heute ohne den Glauben an Jesus Christus keine Rettung. Die Studiengemeinschaft geht davon aus, dass vor 7.000 bis 10.000 Jahren eine weltweite Überschwemmung stattgefunden hat.

Datum: 24.06.2002
Quelle: idea Deutschland

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