Nur etwa 10 Prozent der Muslime besuchen die Moschee
Nicht besser als den Landeskirchen mit dem Gottesdienstbesuch ergeht es den muslimischen Gemeinden mit dem Moscheebesuch. Gemäss einer Umfrage des St. Galler Tagblatts besuchen lediglich rund 10 Prozent der Muslime im Einzugsgebiet der islamischen Gemeinschaft die Moschee in Wil SG.
Das Einzugsgebiet der islamischen Gemeinschaft in Wil umfasst nebst dem Ort selber auch die angrenzenden Gemeinden. Rund 2‘000 Muslime leben in der Region, die Gemeinschaft selber zählt 450 Mitglieder. Nach den Regeln des islamischen Glaubens müssten die Gläubigen fünfmal täglich beten. «An das Abendgebet kommen 15 bis 20 Personen», erklärte der Imam der Moschee in Wil, Bekim Alimi, gegenüber der Zeitung. «Beim Freitagsgebet sind es vielleicht 150.» Die regelmässigsten Besucher der Gebete seien ältere Menschen.
Hisham Maizar, Präsident der Dachorganisation islamischer Gemeinden der Ostschweiz und des Fürstentums Liechtenstein (Digo), teilt die Einschätzung des Wiler Imams. Die Zahl der Muslime, die ihren Glauben noch praktizierten, sei durchaus mit der Zahl der praktizierenden Katholiken vergleichbar. Es gebe zwar je nach Volksgruppe, welcher die Muslime angehörten, Unterschiede. Übers Ganze gerechnet schätzt Maizar den Anteil der Gebetsbesucher aber auf 8-14%. Die meisten seien Migranten der ersten Generation, die heute pensioniert sind.
Die Situation entspreche jener in Deutschland oder Österreich, führte Arnd Bünker, Leiter des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts in St. Gallen, aus. In Deutschlands katholischen Kirchen etwa betrage der Anteil der regelmässigen Gottesdienstteilnehmer wenig mehr als 12%.
Säkularisierung bei den Muslimen
Maizar weist in der Zeitung darauf hin, dass der Islam keinen institutionellen Überbau wie die katholische oder die reformierte Kirche kenne. Deshalb gründe die religiöse Distanzierung bei den Muslimen auch nicht auf einer Kritik an der Institution.
Die Säkularisierung der hier lebenden Muslime der zweiten und dritten Generation sei vor allem darauf zurückzuführen, dass die jüngeren Menschen es mit der Religion etwas leichter nähmen.
Der Wiler Imam Bekim Alimi nennt einen weiteren Grund. Die Leute arbeiteten den Tag über. Für das Abendgebet seien sie ganz einfach zu müde. Bisher ist gemäss Maizar aufgrund der niedrigen Besucherzahlen noch keine Moschee geschlossen worden.
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