Scientology im Gegenwind

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Scientology-Gebäude in Los Angeles.
Der Organisation bläst derzeit in mehreren Ländern ein steifer Wind entgegen. Vor dem Pariser Strafgericht läuft ein Prozess wegen bandenmässigen Betrugs; der Organisation oder Zweigen von ihr droht das Verbot. Einer Zeitung in Florida haben Ex-Scientologen von Dutzenden von Gewaltausbrüchen des Scientology-Chefs David Miscavige erzählt.

Miscavige (49), schon als Teenager dabei und nach dem Tod des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard 1986 an die Spitze des „Religious Technology Center" der Psychotechnik-Organisation gelangt, setzte weltweit auf Expansion. Er wird von den Mitgliedern als Leitfigur verehrt. Nun demaskiert ihn die «St. Petersburg Times» in Florida, die seit Jahren kritisch über Scientology geschrieben hat.

Einige reden...

In einem online lesbaren Dossier reden Marty Rathbun, Mike Rinder, Tom De Vocht und Amy Scobee, angeblich die vier höchsten Mitglieder von Scientology, die je die Organisation verlassen haben. Miscavige habe seine Mitarbeiter in Sitzungen wiederholt geohrfeigt, ihre Köpfe gegen die Wand geschlagen, sie gewürgt oder verprügelt. Teilweise wurden sie auch vor der versammelten Gemeinde verbal gedemütigt oder mussten das Spiel mitmachen, bei dem immer ein Stuhl zu wenig in der Runde steht, wobei sie als Verlierer abqualifiziert wurden.

Nach der Veröffentlichung der Reportage meldeten sich weitere ehemalige Mitglieder bei den Autoren und schilderten negative Erfahrungen mit der Sekte. Mark Fisher erzählte, an einem Treffen habe Miscavige ihn und ein anderes Mitglied gequält: «Er schlug unsere Köpfe zusammen, bis ich blutete.» Einer der anderen Zeugen, die sich bei der «Times» meldeten, hat den Vorfall nach eigener Aussage beobachtet.

...viele haben noch Angst vor der Organisation

Manche wollten mit ihren Erzählungen ihre vier Vorgänger unterstützen, die von der Kirche als Lügner dargestellt werden. Andere fühlten sich nun, nachdem so prominente Aussteiger an die Öffentlichkeit gegangen seien, sicherer, ihre eigene Geschichte zu erzählen. Trotzdem: «Für jeden, der offen mit Namen und Text hinsteht, gab es einen bis zwei, die das ablehnten», schreiben die Autoren.

Scientology hat die Berichte als „Hirngespinste einiger Anti-Scientologen" zurückgewiesen. Die Organisation liess der Zeitung über zwanzig Aussagen von aktuellen und früheren Top-Mitgliedern der Organisation zukommen, die den Kritikern die Glaubwürdigkeit absprechen.

Prozess in Frankreich...

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In der Kritik: Scientology-Chef David Miscavige.
In Frankreich droht Scientology ein Verbot, wenn sie des «organisierten gemeinschaftlichen Betrugs» für schuldig befunden wird. Neben zwei juristischen Personen, dem «Celebrity Center» des «spirituellen Vereins der Scientology» und der Buchhandlung «Espace Liberté», standen im Frühjahr sieben Mitglieder vor dem Pariser Strafgericht. Ihnen wird vorgeworfen, Mitgliedern zu überhöhten Preisen Produkte und Dienstleistungen verkauft zu haben. Das sogenannte Elektrometer, das angeblich das geistige Wohlbefinden misst, wird Anhängern für Tausende von Euro verkauft, obwohl es nur ein paar hundert wert ist.

...lässt deutsche Sektenexperten hoffen

Der Prozess gegen Scientology in Frankreich könnte nach Ansicht von Sektenexperten auch Auswirkungen auf den künftigen Umgang mit der Organisation in Deutschland haben. Der Sektenbeauftragte der evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, Thomas Gandow, sagte im Mai, das Verfahren könnte ein Zeichen für Berlin setzen: «Frankreich ist neben Belgien das einzige Land in Europa, das mit seinen Gesetzen etwas gegen Scientology unternehmen kann.»   Zudem biete Frankreich den USA besser die Stirn als Deutschland. Denn dass in Deutschland immer noch kein Gesetz verabschiedet worden sei, das gegen Scientology angewendet werden könne, «hängt mit dem Druck aus Washington zusammen».

Links zum Thema:
Das Scientology-Dossier der St. Petersburg Times
Scientology-Opfer Aude-Claire Malton vor dem Pariser Gericht
www.zeugen-jehovas-sos.de

Quelle: Livenet / Tages-Anzeiger

Datum: 06.08.2009

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