Portugal

Jugendlichen in der Krise Mut machen

Hans und Verena Vogel geben Jugendlichen im unter den Schulden leidenden portugisischen Staat Mut und Hoffnung. Sie unterstützen im Raum Lissabon Jungscharen in evangelischen Kirchen und Freikirchen. Ein Sozialwerk hilft den Bedürftigen ganz praktisch.

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Fördern Jugendliche mit ungewissen Aussichten: Hans und Verena Vogel.
Livenet: Werden viele Portugiesen arbeitlos?
Hans Vogel: Ja, besonders Leute, die keinen langfristigen Arbeitsvertrag haben, Jugendliche und ältere, weniger qualifizierte Menschen. Junge mit Uni-Abschluss haben Schwierigkeiten eine Arbeit zu finden. Wir wohnen und arbeiten im Grossraum Lissabon. Im Landesinneren herrscht seit langem eine Abwanderung und Entvölkerung und wenig Hoffnung. Landwirtschaft und Fischerei sind sehr geschwächt.

Was kann man tun bei Verlust der Stelle?
Zur Arbeitslosenunterstützung, sich x Mal bewerben. Aber es ist sehr schwierig, Arbeit zu finden. Und wenn, dann ist es meistens ein Kurzzeit-Job. Oft wird er nach der Probezeit wieder gekündigt; so drückt sich der Arbeitgeber um die hohen Sozialabgaben. Junge und Langzeitarbeitslose verlieren die Hoffnung, noch was zu finden. Einige emigrieren etwa in die Schweiz, was (wegen der Trennung) familiäre Probleme bringt.

Wie gehen die christlichen Gemeinde, in denen Sie arbeiten, mit Arbeitslosen und Bedürftigen um?

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Wohin geht's? Eine Gruppe orientiert sich mit der Karte.
Die Igreja Evangélica de Sintra (Brüdergemeinde) hat ein angegliedertes Sozialwerk (Ser Alternativa), das im Kirchengebäude funktioniert. Neben der regulären Unterstützung Betagter (Hauspflege und Mahlzeitendienst) werden Lebensmittel nahe dem Verfalldatum, die Läden gratis abgeben, an bedürftige Familien verteilt. In speziellen Fällen gibt die Gemeinde kleine Kredite an Gemeindeglieder in Not. Das Sozialwerk bietet Kurse an, bei denen man nach biblischen Grundsätzen lernt, besser mit Geld umzugehen. Der Kurs ist Bedingung, um Unterstützung zu bekommen. So versucht die Gemeinde, zu ermutigen. Es ist allerdings nicht üblich, über persönliche Schwierigkeiten zu sprechen.

Die gemeindebezogene Kinder- und Jugendarbeit, in der wir tätig sind, fördert junge Leute gezielt. Sie lernen, mit wenig Mitteln und auch in schwierigen Umständen vorwärts zu schauen und gemeinsam Wege zu suchen und zu gehen:

Die vier Jungscharen von drei verschiedenen christlichen Gemeinden erreichen viele Kinder, deren Familien noch nicht zu den Gemeinden gehören und die aus armen Verhältnissen kommen. Mit den Jungscharen leisten die Gemeinden wertvolle praktische Hilfe: Die Leiter und Kinder lernen an den Nachmittagen und in den Lagern, mit wenig Mitteln viel zu machen. Die Kinder finden Hoffnung und Vertrauen und lernen Sozialkompetenzen. Dies wird von der Gesellschaft geschätzt.

Im neuen Missionsreiseprojekt, in dem wir arbeiten, lernen Jugendliche, Herausforderungen anzunehmen, bei denen sie nur sehr wenig Geld einsetzen dürfen, in neue Gebiete und Kulturen vorzudringen und in der Gesellschaft sichtbar als Christen tätig zu sein.
Arbeitslose setzen sich ehrenamtlich in der Jugendarbeit ein. Wenn sie dafür eine kleine Unterstützung bekämen, wäre dies eine grosse Ermutigung für sie und für uns.

Was erwarten Jugendliche und Ältere von 2012?
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Kindernachmittag in Massamá bei Lissabon. Aus den ehemaligen Kolonien sind viele Menschen nach Portugal gezogen.
Die meisten Jugendlichen streben einen Studienabschluss an und haben grosse Hoffnung auf eine Anstellung, aber sie wissen, dass es sehr schwierig sein wird. Deshalb stellen sie sich schon darauf ein, dass sie noch den Master machen werden. Ältere haben weniger grosse Erwartungen; «man» nimmt es, wie es kommt.

Wie kommt die Unsicherheit in den Gottesdiensten zur Sprache?
Am Gebetsabend nennen die Christen viele Anliegen und legen sie im Gebet gemeinsam Gott vor. In jeder Predigt kommt die Krise zur Sprache; auf die Ursachen der Schuldenkrise wird aber wenig hingewiesen.

Was verändert sich im Gemeindeleben?
Die Gemeinde betet intensiver. Wir erleben die direkte Abhängigkeit von Gott deutlich. Die Spendeneingänge gehen stark zurück. In der kleinen reformierten Gemeinde in Massamá gab es einige Tage kein Wasser, da wegen fehlender Finanzen die Rechnung nicht bezahlt worden war. Im «Ser Alternativa» helfen jugendliche Arbeitslose als Volontäre beim Verteilen von Esswaren.

Im Dezember wurde das grosse nationale Evangelisations-Projekt mit Billy Graham am Fernsehen durchgeführt: «Minha Esperança Portugal» (Meine Hoffnung Portugal). Christen luden ihre Freunde und Nachbarn zu sich ein, sahen die Programme mit ihnen an und erzählten vom Glauben. Die Leute wurden aufgefordert, ihr Leben mit Gott zu leben. So verkündete die Gemeinde Hoffnung.

Wie gehen Sie mit der scheinbaren Machtlosigkeit der Frau und des Mannes auf der Strasse um?
Die Rating-Agentur Fitch hat Portugal im November erneut herabgestuft. Dass die Wertpapiere des Staats nur noch Ramsch sind, schlägt den Menschen, die dafür nichts können, aufs Gemüt. Uns macht es traurig zu sehen, wie viele Leute auf der Strasse im Fatalismus versinken. Erstaunlich ist es aber nicht. Das staatliche Sozialwesen erfordert unendlich viel Zeit mit seiner Bürokratie und die Leistungen werden gekürzt.

Wie beten Sie für das Land und seine Behörden und Politiker?
In der Gemeinde wird um Weisheit von Gott für die Politiker und Behörden gebetet. Wir beten und arbeiten daran, dass die Gute Nachricht von Jesus gerade durch diese Krisenzeit bei den jungen Leuten, mit denen wir im Kontakt sind, in alle Lebensbereiche eindringt und Veränderung bewirkt.

Es ist uns ein Anliegen, dass junge Portugiesen, die wir begleitet haben und die nun im Ausland arbeiten, sich dort in der Kinder- und Jugendarbeit einbringen und weiter gefördert werden. Wir hoffen, dass sie später wieder in Portugal anpacken werden.

Hans und Verena Vogel leben seit den 1980er Jahren in Portugal. Als Missionare der Schweizer Missions-Gemeinschaft (SMG) arbeiten sie unter dem Dach der portugiesischen Organisation «Mocidade para Cristo» (Verbund von Youth for Christ) mit Kindern und Jugendlichen in mehreren christlichen Gemeinden. Daneben geben sie evangelischen Religionsunterricht in drei öffentlichen Schulen.

Datum: 28.12.2011
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet

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