Putsch im Ferienparadies

Islamistischer Frühling erreicht die Malediven

Mohamed Nasheed gibt dem Druck der Islamisten nach, um Gewalt zu verhindern. Die radikale Opposition hatte beinahe einen Bürgerkrieg heraufbeschworen.

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Malediven: Kein Paradies für Religionsfreiheit.
Der Rücktritt des ersten frei gewählten Präsidenten des Urlaubsparadieses ist ein Rückschlag für die Demokratie. Mohamed Nasheed (44) geht, weil der Druck, der strenggläubigen Opposition zu gross geworden ist. Westliche Touristen werden als schweinische Bikini-Gäste und Ungläubige dargestellt. So wurden kurzzeitig Wellness-Bereiche in Hotels geschlossen, weil diese – so die Behauptung der Islamisten – getarnte Bordelle seien, «Brutstätten der Prostitution». Dies freilich ging den Oppositions-Führern zu weit, da manche von ihnen gut von ihren Hotels leben.

Mit Nasheeds Rücktritt stirbt die Hoffnung auf weitere Reformen. Im Oktober 2008, nach dem Wahlsieg des Bürgerrechtlers vergab er seinen früheren Peinigern, die ihn 13mal ins Gefängnis steckten und zweimal schwer folterten. Nasheed ist als Folge davon unheilbar am Rückgrat verletzt und hinkt. Bei seinem Amtsantritt sagte er: «Natürlich könnte ich mich an den Menschen rächen, die mir das angetan haben. Ich kenne sie. Aber Rache hat noch nie irgendein Problem gelöst. Wir müssen den Hass überwinden, um eine pluralistische, friedliche Zivilgesellschaft aufbauen zu können.»

Nun führt Vizepräsidenten Mohammed Waheed Hassan (59) die Amtsgeschäfte.

Malediven bauen auf Islam

Nicht ändern konnte Nasheed die Verfassung, die sein Vorgänger Mohammed Abdul Gayoom eingeführt hatte – Gayoom regierte die Nation mit eiserner Faust. Im Sommer vor drei Jahren, am 7. August 2008, erliess Präsident Mohammed Abdul Gayoom die aktuell gültige Verfassung, die von wenig Glaubensfreiheit zeugt: Laut Artikel 2 bauen die Malediven auf den Grundsätzen des Islam.

In Artikel 9 steht, dass Ausländer, die nicht muslimisch sind, die maledivische Staatsbürgerschaft nicht erhalten, und Artikel 10 hält fest, dass kein Gesetz erlassen werden soll, das der Lehre des Islam widerspricht.

Kein Gebäude höher als Moschee

Christen können keine Kirche eröffnen oder sich zu Gottesdiensten versammeln. Die starke soziale Überwachung jedes Einzelnen in diesem kleinen Inselstaat ist engmaschig.

Ausländer dürfen ihre Religion privat praktizieren, allerdings ist es ihnen verboten, dazu Einheimische einzuladen. Die Bibel und andere christliche Literatur dürfen nicht eingeführt werden, einzig Ausländer wird ein Exemplar für den Eigenbedarf zugestanden.

Laut der Bauvorschrift in der Hauptstadt Malé darf kein Gebäude höher sein als der Turm der «Freitagsmoschee», der Hauptmoschee des Orts.

Webseiten:
Verfassung der Malediven (in englischer Sprache)
Malediven – Hintergrundinformationen (OpenDoors)
Malediven – Bericht des U.S. Departements of State (in englischer Sprache)

Datum: 08.02.2012
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Jesus.ch

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