«Helimission»

Es gibt Hoffnung für Haiti

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Der «Bell 206L4 Long Ranger» - einer der Helikopter der Helimission.
Nur 35 Sekunden bebte die Erde an jenem 12. Januar um 16.53 Uhr. Doch die Erdstösse hinterliessen über 230.000 Todesopfer. Zehn Tage später landeten zwei Helikopter im Auftrag der «Helimission» auf der Karibikinsel und flogen seither unzählige Einsätze.

Mitte März berichtete Simon Tanner, 45, in der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG) Thayngen über die Einsätze der von ihm geleiteten «Helimission» mit Sitz in Trogen, Kanton Appenzell. Auch er gehörte zum Einsatzteam, das knapp 10 Tage nach dem Erdbeben auf einem US-Stützpunkt auf der Karibikinsel landete. Sofort wurden sie mit anderen Helfern für mehrere Tage zu einem Waisenhaus gebracht. Dann reisten sie weiter nach Carrefour, dem Epizentrum des Bebens, wo in einer Kirche über 8000 Verletzte behandelt wurden.

Die Trümmer-Engel

Simon Tanner staunte darüber, wie das Interesse für den christlichen Glauben anstieg. «Über tausend Menschen kamen allein durch die Dienste dieser Kirchgemeinde zum Glauben an Jesus, unter ihnen auch Woodoo-Priester», erzählte er begeistert. Er erlebte mit, wie einzelne noch nach vielen Tagen aus Trümmern gerettet wurden. Übereinstimmend hätten sie später berichtet, wie sie während dieser Zeit mehrmals von Engeln besucht und versorgt worden waren.

Unzählige Einsätze mit Medizin, Personal und Verletzten wurden geflogen, vor allem von abgelegenen Orten zum Notspital in Port-au-Prince. Sie wurden dort in vier grossen Zelten rund um die Uhr aufgenommen und versorgt. Auf dem Rückflug brachte man Ärzte und medizinische Teams samt ihrem Material zu abgelegenen Kliniken, wo sie übermüdete andere Teams ablösten.

Die Hilfe ist angerollt

Eine dieser Kliniken steht in Thomazeau. Die dortige Missionsstation mit Schule wurde kurzerhand in eine Klinik umgewandelt. Ärzte und Krankenschwestern aus Amerika behandelten hier Tausende von Patienten. In einer weiteren (ehemaligen) Missionsstation in Gressier leistete ein Ärzteehepaar ebenfalls Grossartiges.

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Simon Tanner beim Haiti-Bericht in der FEG Thayngen.
Die Leute flüchteten teilweise hunderte Kilometer weit vor weiteren Erdbeben nach Südwesten. Deshalb wurden auch in dieser vom Beben kaum geprüften und touristisch unerschlossenen Region viele Menschen versorgt. Traumhafte Strände und die im Westen noch vorhandene Bewaldung beeindruckten Simon Tanner tief.

Haiti im Aufbruch

Eine riesige Volksmenge, unter ihnen der Präsident von Haiti, versammelte sich vier Tage lang, um zu fasten und für das Land und um Vergebung zu beten. 3000 Menschen hätten sich bekehrt. Simon Tanner, verheiratet mit Brikena und Vater dreier Kinder, glaubt daran, dass aus dem Trümmerhaufen ein neues Haiti entstehen könne. Ein geistlicher Ruck sei durch das Land gegangen.

Den gleichen Ruck wünscht sich Simon Tanner für die diversen missionarischen Werke auf Haiti. «Sie bewegen Gewaltiges», erklärt er. Er glaubt aber auch, dass all diese Bemühungen noch viel mehr Wirkung zeigten, wenn sich diese Werke miteinander solidarisierten und als Einheit aufträten. Ähnliches wünscht sich Simon Tanner von den christlichen Gemeinden und Werken in der Schweiz und Europa.

Die Karibikinsel und ihre Einwohner sind Simon Tanner sehr ans Herz gewachsen. Einer der beiden Helikopter bleibt denn auch bis auf weiteres im Land, vielleicht noch für Jahre.

Haiti - von der Perle zum Armenhaus

Simon Tanner hat sich nach dem zweiwöchigen Einsatz genauer mit der Geschichte von Haiti auseinandergesetzt. Das Land bildet den westlichen Teil der Insel Hispaniola; der östliche entspricht der Dominikanischen Republik. Seine Zuhörer in Thayngen hörten ihm fasziniert zu.

Haiti, das ärmste Land in der westlichen Hemisphäre, galt früher als „die Perle der Karibik". Noch vor zwei Jahrhunderten war es der Hauptlieferant von Kaffee und Zucker für Europa: «Anno 1780 kam etwa 40 Prozent des Zuckers und 60 Prozent des Kaffees in Europa aus Haiti! Sklaven mussten auf Kaffee- und Zuckerrohrplantagen arbeiten», wusste Tanner zu berichten - ein Hinweis auf die nicht nur ruhmreiche Seite des früheren Wohlstands.

Elend mit Tradition

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Simon und Brikena Tanner mit ihren drei Kindern Daniel, Deborah und Sarah.
Denn dieser Wohlstand fiel überwiegend den französischen Besatzern in die Hände. Vor über 200 Jahren hätten afrikanische Sklaven ihre neue Heimat dem Voodoo-Zauber verschrieben, um von den französischen Kolonialherren frei zu werden. Im Jahr 1804 wurde das auch Tatsache. Unzählige blutige Aufstände und Regierungswechsel hätten dann aber die vergangenen zwei Jahrhunderte geprägt.

Seit der Unabhängigkeit sei es nicht gelungen, ein funktionierendes Gemeinwesen aufzubauen. «Noch immer leben vier Fünftel der Haitianer in Armut, die Hälfte sind Analphabeten und drei Viertel arbeitslos», berichtete Simon Tanner.

Die Unterschiede zur Dominikanischen Republik seien frappant. Der östliche Inselbruder ist ein beliebtes Ferienziel und gut entwickelt. Und seine Regierung verhindert das ziellose Roden der Wälder, während auf Haiti grosse Waldflächen abgeholzt wurden und das Land vielerorts einer Steinwüste gleicht.

Geschichte der Helimission

Ernst Tanner, der Vater von Simon Tanner, ursprünglich Kunstmaler und Evangelist, bekam 1968 bei mühsamen Märschen durch afrikanische Urwälder die Vision, mit «Helis» die Pioniermission in unwegsamem Gelände zu erleichtern. Inspiriert wurde er durch Nachrichten über Heli-Einsätze während des Vietnamkrieges. Trotz Flugangst und mangelndem Orientierungssinn lernte er Fliegen und startete zu seinem ersten Flug nach Kamerun. Doch schon kurze Zeit nach dem Start verlor er die Orientierung und musste „notlanden" ... Um aber schlussendlich doch heil in Kamerun zu landen.

Die Helimission hat schon in vielen Einsatzgebieten jahrelang Nothilfe geleistet und Missionsdienste unterstützt. Bisher war es gemäss Simon Tanner immer so, dass es mit einer Naturkatastrophe oder mit Kriegen begann. Dann konnten - mit Unterstützung und in Zusammenarbeit mit anderen Missionswerken - langfristige Hilfsdienste in diesen Gebieten aufgebaut werden.

Dienste rund um die Welt

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Der Hauptsitz der Helimission in Trogen.
Langjährige Einsätze wurden in vielen afrikanischen Ländern (Äthiopien, Kamerun, Kenia, Tansania, Uganda, Zaire), aber auch in Albanien, Papua-Neuguinea und Südamerika (Bolivien, Chile) geleistet. Aktuell unterhält die Helimission vier feste Stationen in Papua und Kalimantan (Indonesien) sowie in Madagaskar und Äthiopien. Von den Basisstationen aus wird eng mit Regierungen, Hilfsorganisationen und Missionsgesellschaften zusammengearbeitet: für den Bau und Unterhalt von Buschspitälern, die Rettung von Verletzten und Verunfallten und das Einfliegen von Pastoren, Ärzten oder Medikamenten.

Nach diesen Einsatz- und Erkundungsflügen werden die insgesamt 9 Helikopter in eigenen Hangars durch Mechaniker der Helimission gewartet. Nervenzentrum und Leitung der Stiftung Helimission befindet sich in dem Dorf Trogen im Appenzellerland. Im kommenden Jahr feiert die Helimission ihr 40-jähriges Jubiläum.

Tournee mit neuem Film und Berichten

Momentan ist die Helimission mit ihrem neuen Film «Kultur der Ahnengeister» und Vorträgen über ihre Einsätze auf Haiti und weitere aktuelle Projekte auf Tournee. Gut zwanzig Veranstaltungen in Deutschland und der Schweiz stehen bis zum Sommer auf dem Programm. Neben dem Gründer der Helimission, Ernst Tanner, ist auch sein Sohn und jetziger Direktor des Werks, Simon Tanner, jetzt viel unterwegs, um die Freunde dieses Werkes auf diese Weise zu informieren.

Informationen zu «Kultur der Ahnengeister»

«Die Helimission hat viele Naturvölker kennengelernt, die alle glauben, dass sie nach dem Tod als Ahnengeister weiterleben, etwa in einem Krokodil. Die Ahnengeister fordern höchste Verehrung, belasten die Menschen mit brutalen Bräuchen, etwa dem Abhacken von Fingern als Zeichen der Trauer.

Der Film zeigt die befreiende Kraft des Evangeliums, dank in fünf Tälern die Waffen verbrannt wurden.» (Zitate aus der Filmbeschreibung)

Vermittlung von Vorführungen über Elisabeth Peter, Telefon 071 3437171, elisabeth.peter@hm-int.org.

Webseite: www.helimission.ch

Datum: 12.04.2010
Autor: Rolf Frey

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