Auftragserfüllung nach den Spielregeln der freien Marktwirtschaft?!
René Winkler, designierter Direktor der Pilgermission St.
Chrischona und bis Ende 2011 Leiter der Chrischona-Gemeinden Schweiz,
macht einen Vorschlag, wie das (Über-)Angebot im Raum von christlichen
Organisationen und Gemeinden zu bewältigen wäre.
René Winkler
Zugegeben:
In den über 40 Jahren, die ich bewusst als Christ erlebt habe, habe ich
Jesus noch nie ganz verstanden. Zum Beispiel ist mir das Ausmass seiner
Liebe nach wie vor ein Rätsel und zwar je länger desto mehr. Aber
damit kann ich gut leben.
Etwas schwerer tue ich mich mit den unzähligen
ressourcenintensiven Aufträgen, die er Männern und Frauen in der
Schweiz gibt. Ich konstatiere ein Meer von Angeboten, Dienstleistungen,
Gemeinden, Verbänden, Institutionen und ich konstatiere viel Aufwand und
Konkurrenz. Da verstehe ich Jesus nicht so ganz. (Es könnte allerdings
sein, dass nicht Jesus das alles in Auftrag gegeben hat.)
In den 25 Jahren, in denen ich zuerst als Prediger und dann als
Leiter eines Gemeindeverbandes tätig war, haben sich die Angebote
vervielfältigt, der Aufwand und die Konkurrenz auch.
Jede und jeder
macht engagiert, was Jesus ihr bzw. ihm aufgetragen hat. Und weil
angeblich Jesus der Auftraggeber war, war und ist man niemandem sonst
verantwortlich. Der christliche Markt hat sich sehr entwickelt und, wie
mir scheint, tat und tut er das nach den gleichen Gesetzen, wie sie der
freien Marktwirtschaft eigen sind (vgl. die Grundsätze des
Liberalismus).
Kreative, Aufmerksamkeit heischende Botschaften, Aktionen
und Auftritte sind notwendig, um gehört zu werden und erfolgreich zu
sein oder gar zu bleiben. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass wir
Christen mit der Erfüllung unseres Auftrages in der Schweiz dadurch
substanziell weiter sind als vor zwanzig Jahren.
Gewachsen sind in dieser Zeit nach meiner Einschätzung vor allem
der Aufwand an Ressourcen, die Eventkultur, der Erlebnisquotient u.ä. In
der gleichen Zeit hat die örtliche Gemeinde für viele Christen an
Bedeutung verloren.
In den letzten Jahren hatte ich oft den Gedanken, dass es doch
möglich sein müsste, dass wir Christen in der Schweiz den Umgang mit den
Ressourcen, die wir haben, gemeinsam verantworten könnten und sie
möglichst effektiv einsetzen müssten – in der Schweiz und darüber
hinaus.
Wir haben immens viele Ressourcen, so viele, wie sie nie eine
Generation von Christen in der Schweiz je zur Verfügung hatte. Es ist
doch nicht in Ordnung, dass so viele dieser Ressourcen als
Reibungsverlust auf dem freien christlichen Markt verpuffen. (Wären wir
Christen in der Schweiz ein einziges Unternehmen oder eine
Tochtergesellschaft eines weltweiten Konzerns - was man ja theologisch
durchaus so denken könnte -, wären unsere Leereläufe vermutlich
existenzbedrohend.)
Heute glaube ich nicht mehr, dass eine gemeinsame
Ressourcenverantwortung bei uns überhaupt eine Chance hat. Die meisten
fühlen sich selbst nahe genug bei Jesus und «wissen» deshalb, was «dran»
ist.
«Lebe deinen Traum und lass dich nicht von irgendjemanden
aufhalten!» Selbst wenn die Verantwortlichen der vielen
Gemeindeverbände, Werke und Initiativen sich finden und einen Weg der
gemeinsamen Verantwortung finden würden, wäre es wenig wahrscheinlich,
dass sich ihnen die Leute in ihren Reihen anschliessen würde. Dieser
Ansatz taugt wohl nichts. Ich schlage einen ganz andern vor:
«Übertrefft euch in gegenseitiger Achtung!» oder wie Luther
übersetzt: «Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor!» (Römer
12,10). Diese Haltung würde das Klima der Wertschätzung wachsen lassen.
Es würde gesehen und benannt, was an Gutem schon da ist.
Wir würden die
Schultern unserer Väter und Mütter, auf denen wir stehen, wieder sehen
und spüren. Und es entstünde ein Groove der Ergänzung, des
Zusammenspiels. Unser Miteinander gewänne den Jesus-Groove (nach
Philipper 2)!
Die Selbstdarstellung – zuweilen auf dem dunklen
Hintergrund der Fehler und Unzulänglichkeiten der andern - wäre zu Ende.
Zu Ende wäre auch die Gleichgültigkeit. Entmutigungen und ihr
Resignationsgefälle hätten Seltenheitswert.
Damit könnten wir gut leben und arbeiten. Ich will dazu beitragen.
Mit einer Pfingstkonferenz will die Vineyard-Bewegung über Pfingsten den geistlichen Aufbruch in Europa fördern. Wer ist die Vineyard, und was bewegt...