Die Kirche und die Megatrends III

Der Trend zur freien Wahl des Milieus

Gehören Sie eher zu den «genügsam Traditionellen» oder zu den «modernen Performern»? Zu welchem «Milieu» gehören die Leute in Ihrer Gemeinde? Und soll die Gemeinde ein «Milieu» sein – und bleiben?

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Ist die Kirche offen für alle, oder nur für die, die ins Milieu passen?
Das «Miljöh» ist salonfähig geworden. Das Heidelberger Sinus-Institut rechnet die Menschen zehn Milieus zu. Es versteht darunter Bevölkerungsgruppen mit ihren «Werten, Normen, typischen Zielen, Freizeitbeschäftigungen, ästhetischen Vorlieben etc.» (Jörg Stolz*). Das geht von den «genügsam Traditionellen» bis zu den «modernen Performern».

Milieus hat es immer gegeben. Früher blieben die Menschen jedoch meistens ihrem Ursprung verhaftet. Das hat sich geändert. Menschen verlassen im Laufe ihrer Entwicklung ihre bisherige Umgebung, suchen sich neue Freunde und leben in anderen Gruppen. Was heisst das für die Kirche und ihren Auftrag?

Ins Milieu passen

Eine Studie hat ergeben, dass die engagierten Mitglieder der reformierten Kirche in einer grösseren Schweizer Stadt aus gerade drei der zehn Milieus stammen. Da ist die Kirche in eine verfängliche Situation geraten. Auch die methodistische. Zu welchen Milieus gehören die Mitglieder meiner Gemeinde? Da gibt es sicher «Arrivierte», aber auch eine «Avantgarde»?

«Das Evangelium gilt allen Menschen». Das bestreitet niemand. Trotzdem hat eine Gemeinde bei ihrer Zukunftsplanung festgestellt: «Wir sind offen für alle Menschen, die mit uns Gemeinde sein wollen». Heisst das: «Die in unser Milieu passen»?

Eine Entscheidung treffen

In der Rückschau ist nicht zu übersehen, dass bei der Vereinigung der Evangelischen Gemeinschaft mit der Methodistenkirche 1968 zwei verschiedene Kulturen zusammenkamen. Die eine Gruppe war stark von einem Milieu, die andere von einer offenen Vielschichtigkeit geprägt. Die eine hat den Menschen eine eigene Lebenswelt angeboten. Die andere gab ihnen eine Botschaft mit, die sie in ihrem Milieu lebten.

Die EMK wird sich im Rahmen ihrer Strategie entscheiden müssen, welchen Weg sie in die Zukunft gehen will. Will sie die Milieus dieser Welt durchdringen oder selber Milieu sein? Die Feststellung Jesu «Ihr seid das Salz der Erde» (Matthäus 5,13) ist eindeutig.

Verständlich reden

Wenn die Botschaft des Evangeliums in viele Milieus ausstrahlen soll, führt das zu einem intensiven Überdenken des Gemeindeprogramms. Neben dem Gottesdienst, der Kinder- und Jugendarbeit und der Seelsorge müsste viel Raum vorhanden sein, um der Frage nachzugehen: «Wie lebe ich den Glauben und gebe ihn mit Worten weiter, die mir selbstverständlich von den Lippen kommen und verstanden werden?» Und es muss Platz geben für Menschen, die nicht in ein Gemeindemilieu wechseln wollen, sondern ihren Glauben unter ihren Freunden leben.

* Jörg Stolz, Edmée Ballif: Die Zukunft der Reformierten, TVZ Zürich, 2010, 218 S., Fr. 38.-, ISBN 978-3-290-17556-6

Der grundlegende Text und der Vortrag von Theo Schaad an der Jährlichen Konferenz 2011 sind zu finden auf der Homepage der EMK Schweiz.

Zum Thema:
Der Trend zur Verselbständigung

Der Trend zur Vereinzelung

Datum: 03.07.2012
Autor: Theo Schaad
Quelle: Kirche und Welt

Glaubensfragen & Lebenshilfe

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