«Buranowskije Babuschki», die Grossmütter aus Russland, verfehlten zwar den Sieg am Eurovision Song Contest. Sie schafften aber immerhin Platz 2. Die Persönlichkeit dieser Frauen faszinierte das Publikum noch mehr als ihre Musik.
Buranowskije Babuschki
Mit «Party For Everybody» und einem schlichten Auftritt, bei dem am Ende Gebäck aus einem Ofen geholt wurde, sangen sich Buranowskije Babuschki weit nach vorne. In ihrem Heimatland sind die Grossmütter Kult. Sie machen schon seit 40 Jahren gemeinsam Musik.
Sehnsucht nach Orientierung
Das Lied hatte es in sich. Begann es musikalisch und sprachlich – angepasst an die Tracht und die Kopftücher – eher traditionell, überraschte es später mit einem Beat, der mitriss. Ein gängiges Erklärungsmuster für den Erfolg folkloristischer Musik in Krisenzeiten ist die Sehnsucht nach Orientierung, nach Besinnung auf das Hergebrachte. Selten passt das so gut wie bei den sympathischen Alten, die auch noch mit der Symbolik von Heim und Herd spielen und den Schoss der Familie besingen: «Ich lege ein weisses Tischtuch auf, ich warte, dass die Kinder nach Hause kommen. Der Teig geht zufriedenstellend auf, und mein Herz jubelt», heisst es in der ersten Strophe, und die zweite beginnt so: «Das Haus ist voller Kinder, die Verwandten sind da.»
Doch trotz ihrer steigenden Beliebtheit bleiben die Frauen auf dem Teppich. «Wir pflanzen immer noch unsere Kartoffeln und versorgen unser Rind. Wir sind uns bewusst, dass das derzeitige Interesse an uns jederzeit wieder verschwinden kann», sagte Olga Tuktaryova, die künstlerische Leiterin der Gruppe, gegenüber «Russia Today».
Kirche finanzieren
Und noch etwas Verblüffendes verkündeten die sechs Babuschkis. Reichtum sei ihnen persönlich nicht wichtig. Mit den Einnahmen möchten sie gerne eine neue Kirche für ihr Dorf finanzieren. Nach Aussage von «Oma Olga» ging es ihnen nicht um den Sieg. Sie träumen davon, die in der Sowjetzeit zerstörte Kirche wieder aufzubauen. Dafür spenden sie einen Teil des Geldes, das sie mit ihren Auftritten verdienen. «Das ist unser einziges Ziel. Grossmütter brauchen keinen Ruhm und Reichtum.»