Wenn man Marcel Buergi mit seiner gewaltigen Stimme singen hört, glaubt man kaum, dass er zeitweise nicht einmal mehr die Kraft hatte, ein paar Treppen hinauf zu steigen. Lesen sie folgend dazu die Geschichte aus der Sicht von Marcel Buergi.
Marcel Buergi
«Im September 2000 verlor ich meine Vier-Zimmer-Wohnung in Winterthur-Wülflingen. Der Grund dafür war, dass ich es wieder einmal mehr «versäumt» hatte, die Wohnungsmiete zu bezahlen. Ich war bereits sechs Monate im Rückstand. Der Vermieter hatte meine Ausreden satt und auch die Unordnung und den Schmutz, der sich in und ausserhalb der Wohnung angesammelt hat.
Auch mein Nachbar ein Stockwerk höher konnte mich nicht ausstehen und gab mir die Schuld, dass sein Hund Flöhe hatte. Eines Abends drohte er mir sogar, mich umzubringen.
Zwei Jahre im «Bunker»
Ein guter Freund stellte mir seinen «Bandraum» als neuen Wohnort zur Verfügung. Als Einstand schenkte mir dieser Freund eine hauchdünne Coca Cola Decke, die mich in den kalten Wintermonaten ein bisschen wärmen sollte. Es war gedacht, diesen Wohnort nur als Übergang für kurze Zeit zu nutzen. Schlussendlich wohnte ich dann zwei Jahre lang in dem Bandraum, von mir auch weniger liebevoll «Bunker» genannt.
Es war kein gewöhnlicher gut eingerichteter Bandraum, sondern vielmehr eine Abstellkammer, wo jeder der Benutzer seinen «Grümpel» hineinstellte. Auch hatte es da keine sanitären Anlagen, keine richtigen Fenster, keine Heizung und auch kein Wasser! Hinzu kam, dass der Raum mehrere Male unter Wasser stand. Dadurch sammelte sich viel Schimmel an. An den Wänden, den drei zusammen geschobenen Sofas, die mir als Bett dienten, an meinen Kleidern und auch an der dünnen Cola Decke.
Joints und Lungenentzündungen
Doch nicht nur meine Wohnsituation war bedenklich, auch meine Gesundheit machte mir zu schaffen. Manchmal lag ich bis zu drei Monaten krank in diesem Bunker. Zum Arzt gehen konnte ich nicht, denn meine Krankenkasse hatte ich seit Jahren nicht mehr bezahlt und ich meldete mich auf keinem Amt wegen meiner schwierigen Lebensumstände.
Ich dachte ich könne das alles irgendwann selber schaffen. Ich holte mir eine Lungenentzündung nach der anderen und die vielen Zigaretten und Joints trugen nicht wirklich zur Verbesserung meiner körperlichen Verfassung bei.
Im Jahre 2002 nahm mein Leben eine grosse Wendung. Dadurch fasste ich wieder Fuss im Leben und es ging auch gesundheitlich wieder bergauf. Ich nahm zu und dank meines neuen Wohnorts und dem Tageslicht gingen auch die Depressionen wieder weg.
Lunge eingeschränkt
Meine Atmung machte mir jedoch immer mehr Mühe. Eines Tages vermochte ich nicht mehr die Treppen zu meiner Wohnung hinauf zu steigen. Ich fuhr umgehend mit einem Taxi zum Notarzt und nach mehreren Untersuchungen teilte er mir mit, dass meine Lungenfunktion sehr eingeschränkt sei. Die folgenden Jahre nahm ich die Diagnose leider nicht wirklich ernst und nahm auch die mir verschriebenen Medikamente nicht regelmässig ein.
Singen als Therapie
Erst als ich im Jahre 2008 heiratete, begann ich mir immer mehr Gedanken über meine Gesundheit zu machen, aber mehr meiner Frau zuliebe als mir. Anfang 2012 hatte ich dann wieder sehr schlimme Atemnot-Anfälle, die sich über mehrere Wochen hinzogen. Meine Frau drängte mich nun stetig, endlich zum Hausarzt gehen. Als ich tat, was sie sagte, stellte der Arzt eine schwere COPD-Krankheit fest (chronische Bronchitis mit Einengung der Atemwege). Der Arzt erklärte mir, diese Krankheit käme sicherlich von den Lungenentzündungen und dem vielen Rauchen. Singen sei aber wie eine Therapie, weil man beim Gesang automatisch richtig atme! So singe ich nun fröhlich weiter, bezahle meine Krankenkasse und gehe zum Arzt, wenn meine Frau es sagt.»
Bereits die frühen Christen waren nach neuen Forschungsergebnissen Netzwerker und nutzten ein modern anmutendes Kommunikations- und Briefsystem. Dies...